Der Schwarze Limbus    

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Kreis des Lebens

Demiona Madari

‘Bei den Niederhöllen, warum muß so etwas ausgerechnet mir passieren ?!?’ denkst du dir, während du dich auf einen am Wegesrand liegenden Baumstamm setzt und zum wiederholten Male deinen Verwundeten Fuß betrachtest. Dabei hatte schon deine selige Mutter dir wieder und wieder gesagt, daß man nicht Barfuß im Wald läuft! Aber wer konnte schon ahnen, das du auf dieses Etwas treten würdest, diese stachelige Gemeinheit? Und bis zum nächsten Gasthaus sind es bestimmt noch einige quälende Stunden! Seufzend entschließt du dich, noch ein wenig Rast zu machen und mit dem Schicksal zu hadern.

Nach einiger Zeit, du weißt nicht wie lang, denn die Schatten der Bäume rings herum haben sich kaum verändert, siehst du eine Gestalt den Weg entlang kommen. Als sie sich weiter nähert, erkennst du, daß es eine junge Frau ist. Ihr kupferrotes, hüftlanges Haar glänzt in der Sonne, und ihre schlanke, wohlproportionierte Gestalt ist der erste Lichtblick an diesem sonst so dunklen Tag. Auch sie scheint dich gesehen zu haben, denn nun kommt sie direkt auf dich zu und grüßt dich freundlich. Als ihr Blick deinen Fuß streift nimmt ihr Gesicht einen besorgten Ausdruck an: “Kann ich Euch behilflich sein?” 

“Nun, wenn ihr etwas von der Heilkunst versteht...”

“Ein wenig,” antwortet die Schöne, und das leise Lächeln auf ihren Lippen verrät dir, daß dies wohl eine höfliche Untertreibung ist.

Sie kniet sich neben dir ins Gras und untersucht deine Wunde. “Autsch!” entfährt es dir, und du versuchst, deinen Fuß weg zu ziehen. Doch anscheinend steckt in ihren schlanken Händen mehr Kraft, als du ahnst. 

“Na, na, ein so großer Kämpfer wie ihr wird doch nicht etwa vor einer so kleinen Wunde kapitulieren!” sagt sie und sieht dich mit ihren grünen Augen an, aus denen das Lachen blitzt. Dann wird sie wieder ernst: “Es scheint, als würden sich noch Überreste der Stacheln in eurer Sohle befinden. Ich werde sie entfernen und Euch dann eine Heilsalbe auf den Fuß auftragen.” 

Sie wendet sich wieder deinem Fuß zu und fügt noch hinzu: “Am besten, ihr seht weg.”

Du läßt noch einmal deine Augen über die junge Frau wandern, die dort im Gras kniet: ihr Haar fällt wie ein Wasserfall über die Schultern und die schlanke Taille bis zu den geschwungenen Hüften. Ihre langen Wimpern werfen sanfte Schatten auf das fein gemeißelte Gesicht, und ihre Brüste... mit einem inneren Seufzer gehorchst du und wendest den Blick zum Himmel.

Nach einigen Minuten ist die Qual vorüber. Seltsam, es scheint dir fast so, als wäre der Schmerz nie gewesen!

“Ihr seid eine erstklassige Heilerin, Frau ...?”

“Demiona Madari,” fügt sie mit einem lächeln ein.

“Dürfte ich euch als Dank für eure Hilfe zu einem Krug Wein einladen? Nicht weit von hier gibt es einen hübschen Gasthof.”

Ihr Lächeln wird breiter, und wieder funkeln ihre grünen Augen: “Wie könnte ich so ein Angebot ablehnen?”

So bist du wieder auf deinem Weg, mit einer hübschen Frau an deiner Seite und einem Gebet an Rahja im Herzen. Vielleicht war der Tag doch nicht ganz so schlecht?

 

Nachricht an Demiona

2000


Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2000; letzter Planastrale Anderwelt gewirkt am 11.11.00