Der Schwarze Limbus    

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Kreis des Lebens

 

Dergam, Sohn des Durin

Dergam ist schon eine interessante Gestalt. Gerade mal 69 Finger groß, dabei aber immerhin gut 75 Stein schwer (das Übergewicht muß er von seinen Eltern geerbt haben, ganz netten Hügelzwergen aus Angbar.Wenn ich mich richtig erinnere, ist sein Vater Durin Sohn Duglims, und seine Mutter ist Agescha, Tochter der Thorescha, die eine kleine Herberge in Angbar zusammen mit ihrem Gatten (sie sind seit gut 100 Jahren in Angroschs Bund vereint) führt. Warum ich so weit ausschweife? Naja, wer etwas über Dergam erfahren möchte, muß zuerst seine Eltern kennenlernen!). Seine langen roten Haare sind großteils nach hinten gebunden, doch sein voller Schnäuzer und der gut einen Schritt lange Bart sorgen für genügend Farbe auch im Gesicht. Wo wir gerade vom Gesicht sprechen: große braune Augen sind darin zu finden, in denen man sich schier verlieren kann. Jung sind diese Augen, spiegeln aber auch die Erfahrung und Reife wieder, die Dergam schon in so jungen Jahren hat (er dürfte höchstens 40 Götterläufe jung sein!).
In Askese, wie so manch anderer seiner Art, lebt Dergam gewiß nicht: zwar spart er an Kleidung (er trägt nur Sandalen und eine Lederkutte), doch ein gutes Essen ist für ihn schon von äußerster Wichtigkeit (wie sein rundlicher Bauch und seine vollen Wangen verraten). Allerdings ist er ein Genießer, niemand der sich sinnlos befrißt. So lebt auch er die meiste Zeit vegetarisch. So er aber die Möglichkeit hat, eine deftige Mahlzeit zu bekommen, macht er auch davon Gebrauch.

Dies war allerdings nicht immer so. Ich erinnere mich, als er noch ein Kind war. Sein Zwillingsbruder starb bei seiner Geburt (ganz recht, er ist ein Rogartumlar). Das Trauma, das dieses Ereignis verursachte, vermag sich wohl niemand vorzustellen. Ganz im Gegensatz zu seinen Mitzwergen war er äußerst introvertiert, sprach kaum ein Wort. Viele Stunden verbrachte Dergam im Freinen, in der Natur, auf der Suche nach dem Leben seines Bruders (vermute ich jedenfalls, damals kannte ich ihn noch nicht so gut). Jedenfalls schien Dergam ein wesentliches Element im Leben eines Hügelzwerges nicht entwickeln zu können: die Lebensfreude!

Mit Dergams 12. Lebensjahr begann für ihn jedoch ein völlig neuer Abschnitt seines Lebens. Er lernte einen jungen Elfen kennen, Vindariel Der-mit-den-Falken-fliegt. Aus irgendeinem Grunde wurden die beiden Freunde (noch heute sehen sie sich hin und wieder, manchmal habe ich das Gefühl, in Vindariel sieht Dergam einen Teil der Seele seines verlorenen Bruders). Dergam wurde sogar zu Festen der Elfen eingeladen, das hat es seit Generationen unter den Zwergen in Angbar nicht mehr gegeben! Bei diesen Festen muß es wohl geschehen sein, daß der Sohn Durins Freude am Leben gewann. Er sprach häufiger, ging wieder unter die Leute. Schließlich blieb er ein ganzes Jahr weg bei den Elfen. Wir dachten schon, er käme nie wieder, bis er plötzlich vor der Tür stand und uns sagte, er habe seine Berufung gefunden: er wollte die Sprache Sumus lernen und Geode werden!

Und als sei es vom Schicksal so bestimmt lernte er schon bald darauf den alten Diener Sumus Cratosch, Sohn des Cendrasch, kennen. Dieser führte ihn in seinen Geodenzirkel ein und lehrte ihn die Geheimnisse Sumus. Nach der extrovertierten, aufgeschlossenen und fröhlichen Art der Elfen war Dergam nun wieder ruhigeren, bedachteren Seelen ausgesetzt, was für seine Entwicklung allerdings wahre Wunder tun sollte. Seine Persönlichkeit festigte sich und Dergam fühlte sich nicht mehr zwischen den Welten gerissen, er lernte daß er seinen eigenen Weg zu gehen hatte, allein das Ziel war gesetzt: das Dienen Sumus! Er soll sich übrigens dem Weg des "Erzes" zugewendet haben, was immer das auch heißen soll. Mir sagt das nichts.

Dergam berichtete mir damals (er kam selten einmal nach Angbar um seine Eltern zu besuchen, ich unterhielt mich dann mit ihm) auch, wie er eine ganz außergewöhnliche Person kennengelernt hatte. Zuerst dachte ich, er hätte sich verliebt, doch dann stellte er mir einen Hund vor! Einen Hund! "Dergam", sagte ich, "das ist keine Person! Das ist nur ein Hund!". Da lachte er plötzlich laut auf, ich habe ihn nie so lachen gehört, alles Getier in der Gegend horchte auf und stob davon, aber es war ein ehrliches und frohes Lachen, ein Lachen, wie es nur eine gesunde Seele von sich geben konnte. Jedenfalls erklärte er mir dann, das der Hund Groin heiße und jedes Wort verstehe. Er sei mit ihm einen Bund eingegangen und könne sich mit ihm verständigen. Naja, Ihr wißt vielleicht besser in solchen Dingen Bescheid als ich armer Fischer, ich habe ihn jedenfalls nicht ganz verstanden. Irgendetwas von Vertrautem und Sumus Wegen redete er jedenfalls.
Auf jeden Fall war es eine interessante Geschichte wie Dergam den Hund fand, jedenfalls so, wie er es mir erzählte, er ist ein großer Geschichtenerzähler müßt Ihr wissen, nicht so wie ich. Aber jetzt zum Hund und wie Dergam ihn fand. Es war ein warmer Sommerabend und Dergam war gerade in Angbar und saß am See, da hörte er plötzlich ein lautes Kläffen. Neugierig wie Dergam nun einmal ist ging er dem Geräusch nach, und siehe da: Er war gerade um eine Erhebung herum, da lag doch tatsächlich ein kleines Welpen im Gras direkt einem gefräßigen Sandlöwen gegenüber (weiß Angrosch, wie der da hinkam). Jedenfalls wollte Dergam aus irgendeinem Grunde das Hündchen retten, irgendwas von Eingebung oder stummer Botschaft faselte der. So nahm Dergam einen Knüppel vom Boden auf und schlug so lange auf die Raubkatze ein, bis sie davonlief und nie wieder kam. Naja, das ist jedenfalls die Geschichte, wie Dergam sie mir erzählt hat. Interessant finde ich, daß Dergam den Hund Groin nannte, denn von Agescha, Dergams Mutter, wußte ich, daß Dergams toter Bruder so hatte heißen sollen, aber ich weiß genau, daß Dergam dies niemals erfahren hat.

Nur wenig später erreichte Dergam das 35. Lebensjahr und erhielt die Feuerweihe, ich glaube in dem Jahr hat er auch eine Weihe bei den Geoden gemacht. Was er danach getrieben hat, weiß ich nicht - aus Nachrichten von Bekannten in Xorlosch weiß ich allerdings, daß er wohl eine Pilgerfahr dorthin unternommen hat, aber schon schnell wieder weg war.
Aus anderen Quellen habe ich gehört, daß er im Norden einen von einem Dämon besessenen Baron befreit hat und eine Auszeichnung bekam. Jedenfalls scheint dieser Dergam es geschafft zu haben, von einem introvertierten Häufchen Elend zu einer echten abenteuerlustigen Gestalt zu werden.

 

Nachricht an Dergam

1999


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