Der Schwarze Limbus    

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Kreis des Lebens

 

Gerambalosch

Auf dem Weg zum nächsten größeren Marktflecken müßt ihr durch die bewaldeten Ausläufer des KoschgebirgesKarte des Kosch. Es heißt die Straße sei nicht mehr sicher, aber wer ist schon vor Dieben und Wegelagerern sicher. Dafür hat euch der norbardische Händler ja schließlich angeheuert. An der nächsten Pferdewechselstation der blauen Pfeile werdet ihr Rast machen. Das Rot der abendlichen Praiosscheibe beleuchtet eine merkwürdige Szene: Ihr erblickt einen Angroschim der keine Anzeichen von Rondras Gewand oder die Insignien für Ingerimms Zünfte zeigt. Ihr würdet ihn auf 1 Schritt 30 Halbfinger schätzen und ihr könnt sein feuerrotes Haupt und sein grünes Barthaar im Wind wehen sehen. Er trägt erdfarbene einfache Kleidung und seine Haut hat einen braunen, wettergegerbten Ton. Der Wirt scheint diesen abgerissenen grünbärtigen Zwerg nicht in seinem Schankraum bewirten zu wollen. Ihr befürchtet schon der Zwerg könnte einen Schmiedehammer nehmen und dem Wirt etwas antun, immerhin habt ihr die mehr oder minder gerechte Wut des kleinen Volkes schon öfter erlebt. Aber dieser hier trägt nur ein paar lächerliche Stücke aus Holz mit sich herum und scheint zudem nur leidlich kräftig zu sein. Da helfen auch die Beschimpfungen des Angroschim nichts: "Möge dir Ingerimm die Nägel aus deinem Gebälk treiben und das Feuer deinen Kamin meiden wie Tsas Geschöpfe die Gor."

Der Zwerg verläßt schnellen Schrittes die kleine Ansiedlung und ward nicht mehr gesehen. Ihr bemerkt wie die Kühle des Abends sich bemerkbar macht und begebt euch in die Gaststube. Darauf angesprochen warum er den Zwerg vor die Tür gesetzt habe, meint der Wirt, er sei ihm zu verlottert und schmutzig, und er habe angefangen den Gästen zu viele persönliche Fragen zu stellen. Verwundert darüber warum ein Zwerg soviel über die Menschen wissen will, insbesondere über ihre Kindheit, wie euch der Wirt berichtet hat, vergeßt ihr fast ein Zimmer und eine Mahlzeit zu bestellen. Der Wirt kommt eurer Bitte nach und ihr besprecht die morgige Route die euch weitab der nächsten Ansiedlungen durch tiefen Wald führen wird. Ihr schlaft euch noch einmal richtig aus und bittet Firun um mildes Wetter.

Am nächsten Morgen ist es zwar kühl aber nicht kalt und ihr macht euch auf den Weg als die Praiosscheibe sich gerade über den Horizont erhebt. Ihr seid bereits vier Stunden unterwegs als euer Pfad endet. Eine Geröllawine versperrt euch den Weg über den Paß. Feinste Felsen aus dem Kosch, vielleicht hatte Ingerimm ja schlechte Laune. Während ihr noch darüber nachsinnt das Hindernis zu umgehen werdet ihr auf einmal höflich aber bestimmt aufgefordert euer Gold und eure Waffen zu spenden. Ihr seid in einen Hinterhalt geraten!

Von Räubern die sich von allen Seiten auf euch stürzen umgeben, könnt ihr nicht anders als euch zu ergeben. Ihr hättet es besser wissen müssen als mit einer Handelsmann und seiner Ware diese Strecke zu wählen. Ihr werdet gefangengenommen, und euch werden die Augen verbunden. Im Räuberlager angekommen werdet ihr von eurem Arbeitgeber getrennt. Er scheint offenbar ein Lösegeld wert zu sein, denn ihr konntet ergründen das er von adeligem Blute ist. Eine Überraschung erlebt ihr, als der Zwerg den ihr gestern saht, ebenfalls auf die Lichtung geführt wird. Die Räuber finden es wohl lustig den Angroschim für sich tanzen zu lassen. Wieder fällt euch auf das er keinerlei Gegenstände aus Metall trägt. Sein Haar ist nun mit Blättern durchsetzt und er ist so angepaßt gekleidet , daß ihr ihn wohl auf 10 Schritt im Wald nicht mehr ausmachen könntet. Nach dem die Gesetzlosen ihren Spaß mit dem Zwerg hatten wird er neben euch an einen Baum gebunden.

Mit zitternder Stimme schreit er: "Laßt mich frei oder keiner von euch wird diesen Wald wieder verlassen."

Ihm antwortet ein stinkender Mensch: "Wenn unser Hauptmann nicht entschieden hätte, dich noch ein Weilchen tanzen zu lassen bevor wir dich braten dann würde ich... har har har!" Dann spukt er den Zwerg an.

Nachdem ein Weilchen vergangen ist, scheint der Angroschim sich beruhigt zu haben: "Vergebung Leidensgenosse aber habe ich euch nicht vor einem Tag an der Botenstation der blauen Pfeile gesehen. Ihr müßt schnelle Pferde haben wenn ihr es bis hierher geschafft habt. Mein Name ist Gerambalosch Sohn des Rugosch." Verwundert nennt ihr eure Namen und fragt ihn wie er denn diese Strecke bewältigt habe. "Mir stellt Sumu keine Hindernisse in den Weg, denn ich bin ihr Diener. Ich habe mich nur deshalb unter Menschen bewegt, weil ich mehr über sie lernen will. Ah, ich sehe euch wundert, daß ich keine Waffen und keine Rüstung trage wie meine Brüder. Nun, ich bin ein Seelenhirte der Angroschim und ein Diener von Sumu, also der Natur wie ihr es ausdrücken würdet. Eisen aber wurde Sumus Leib entrissen und so ist Metall zu benutzen mir ein Greuel. Ihr würdet doch auch nicht mit Werkzeugen arbeiten die aus dem Fleisch eures besten Freundes gemacht sind." Ihr fragt ihn warum die Räuber ihn gefangen nahmen. Zur Antwort hebt er seinen Bart und ihr erblickt ein Band aus purem Gold in Form einer Schlange die sich selbst in den Schwanz beißt. Und es zeigt keine Öffnung als ob es um den Hals des Zwerges herum geschmiedet worden wäre. "Gier ist oft der Antrieb der Menschen, das habe ich inzwischen erkannt. Krankheiten des Geistes zu Heilen ist bei den Menschen noch viel schwieriger als bei den Zwergen. denn ihre Krankheit ist es, daß sie einander nur zu gerne abschlachten. Ich habe das nie begriffen. Wie dem auch sei; war sicher nett sich mit euch zu unterhalten aber ich fürchte ich muß mich ein Weilchen konzentrieren oder dieser feiste Hauptmann wird mich tatsächlich ermorden, um an den Ring um meinen Hals zu kommen." Der Zwerg lehnt sich zurück und scheint in den darauf folgenden Minuten jede Ritze oder Rille des Baumes hinter ihm zu ertasten und sich fester an den Boden zu pressen. So wird er sich niemals entfesseln könne, denkt ihr euch .

Mittlerweile ist es dunkel geworden und im Lager wurde ein großes Feuer entzündet. Offenbar haben die Räuber vor den Fang des Tages zu feiern. Als die Stimmung schon fortgeschritten ist, wird der Zwerg losgebunden. Er kann euch noch die Worte zuflüstern: "Keine Sorge wir kommen hier schon frei." Dann wird er zum Feuer geschleppt. Der Hauptmann brüllt ihn an: "Bring uns zum Lachen, sei lustig." Gerambalosch verschränkt die Arme vor der Brust: "Last mich gehen und niemand wird verletzt." Daraufhin wird er von dem Räuber hochgehoben :"Ich weis nich ob du lebensmüde oder einfach nur dumm bist. Man sagt ja Zwerge wären aus Stein gemacht und hätten einen hohlen Schädel damit mehr Bier hinein paßt. Wir werden gleich einmal sehen ob es mit der Feuerunempfindlichkeit auch zum Besten steht." Glut wird auf dem gestampften Lehmboden der Lichtung ausgebreitet und der Zwerg mit Stockschlägen darüber hinweg getrieben. Seine blanken Sohlen scharren über die Glut und daß Feuer scheint sich ihm zuzuneigen und mit gierigen Händen nach ihm zu greifen. Jedoch kommt kein Schmerzensschrei über seinen Lippen. Nach gut 5 Minuten scheinen die Glut und das nahe Feuer dem Zwerg immer noch nichts ausgemacht zu haben. Sehr zum Ärger der Räuber weicht er immer mehr Stockhieben aus indem er durch daß Feuer springt das, gut 3 Schritt in den Himmel lodert. Plötzlich schlängeln sich Wurzeln aus dem Boden und halten die Räuber fest während hinter dem Zwerg das Feuer die Feuerstelle verläßt und sich eine glühende Spur auf die Räuber zu brennt, die um sich schlagend von den Wurzeln losgekommen sind. "Ich sagte euch doch ihr sollt mich gehenlassen! Nun wird euch der Zorn der Elemente treffen!" Eure Fesseln lockern sich als ob die Bäume hinter euch nachgeben würden und ihr könnt euch befreien. Dann kommt der Zwerg auf euch zu. "Ihr könnt gehen und ihr werdet einen leichten Weg zurück zur Straße finden, denn die Elemente haben meine Bitten erhört und die Gier dieser Menschen bestraft. Keine Sorge ihrem Leben wird nichts geschehen aber sie werden sich nie wieder in einen Wald trauen und Angroschs Volk in Zukunft in Frieden lassen." Mit einem feurigen Glanz in den Augen lächelt euch der Zwerg zu bevor er sich von euch abwendet und auf eine dichte Dornenhecke zuläuft in der er verschwindet. Ihr rennt das eure Lungen fast bersten von diesem unheimlichen Ort fort. Der Zwerg hatte recht: Keinen Wurzel kein Strauch kein Baum steht eurer Flucht im Wege. Längst sind die Angstschreie der Räuber hinter euch verklungen als ihr den Weg erreicht. Ihr blickt zurück doch hinter euch ist nur dichter Wald. Vor euch stolpert der Kaufmann aus dem Wald und ihr seht ihm an, daß es ihm ernst damit ist, nie wieder eine Fahrt durch diesen Wald zu unternehmen, da gäbe es schließlich bessere und sichere Wege. Ihr redet auf eurer weiteren Reise noch viel über das Geschehene und gelangt schließlich wohlbehalten zur nächsten Siedlung. Vielleicht war eure Vermutung, daß Zwerge ausnahmslos gute Kämpfer und schlechte Zauberkundige sind, doch etwas übereilt...

 

Nachricht an Gerambalosch

1999


Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2000; letzter Planastrale Anderwelt gewirkt am 11.11.00