Der Schwarze Limbus    

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Kreis des Lebens

 

Ihek

Ihr streift durch den Wald. Neben euch reiten die Angehörigen der Jagdgesellschaft, der anzugehören ihr die Ehre habt. Schließlich seid ihr von einem Adligen eingeladen, worden mit ihm das Jagdrecht auszuüben. Ihr reitet auf prächtigen Pferden und seid mit guten Armbrüsten ausgerüstet. Der Falke, den euer Gastgeber auf dem Arm trägt, gereicht ihm zur Ehre. Es handelt sich um ein Prachtexemplar von einem Blaufalken. Das Tier trägt eine Haube und ist mit Lederschnüren angebunden, um es zu bändigen. Es verspricht eine aufregende Jagd zu werden.

Nach einer Stunde auf der Pirsch entdeckt ihr in der Luft einen weiteren Blaufalken. Das Tier zieht erhaben seine Kreise und ihr bewundert die gut sieben Spann Spannweite, des majestätisch gefärbten Tiers. Der Blaufalke scheint euch genau zu beobachten. Auf einmal ertönt der nachgeahmte Laut eines Falken am Boden irgendwo neben euch und der Falke stößt herab auf den Arm eines Angroschim der durch die Büsche auf den Waldweg getreten ist. "Seid gegrüßt ihr Herrn hoch zu Roß. Ich sehe ihr seid auf der Jagd. Ihr habt hoffentlich nichts dagegen wenn ich mich anschließe, denn Ihek und ich haben heute noch nichts gegessen und in Gesellschaft schmeckt es gleich doppelt so gut." Der Falke auf dem Arm des Angroschim mustert euch eindringlich, als wolle er prüfen, ob ihr ihm wohl gesonnen seid. Auch bemerkt ihr, daß das Tier ohne Haube und ohne angebunden zu sein ruhig auf dem Arm des Zwergen sitzen bleibt. Schließlich begibt sich das Tier auf die Schulter des Angroschims. Obwohl die Krallen des Falken dabei nicht immer auf Lederschutz treffen ritzen sie nicht die Haut des Zwergen, als ob das Tier darauf bedacht wäre ihn nicht zu verletzen.

Auf eurem Weg bemerkt ihr wie der Zwerg oft in die Augen des Falken schaut und leise auf ihn einredet, als könne dieser ihn verstehen. Als eine Schar Tauben aufgespürt wird, agieren die beiden ganz so, als wüßten sie was der andere als nächstes zu tun beabsichtigt. Als die Jagd beendet ist, hat der Angroschim mit Hilfe des Falken zwei Tauben erlegt, während eure ganze Jagdgesellschaft, dem Falken der Herrschaft, nur drei Tauben als Beute vorzuweisen hat.

Der Zwerg besteht darauf, seine Jagdbeute mit euch zu teilen und ersucht euren Gastgeber darum, dessen Falken mit einem anständigen Anteil zu belohnen. Indessen scheint Ihek seinen Anteil an der Beute bereits eingefordert zu haben. "Ihek und ich werden uns eine Taube teilen.", stellt der Zwerg fest.

Als ihr gemeinsam am Feuer sitzt und euren Anteil an der Beute gebraten vor euch habt, ergreift der Zwerg das Wort. "Ich meine es ist nun an der Zeit uns beide vorzustellen. Der Name meines Begleiters ist Ihek und meine Wenigkeit heißt Gerambalosch." Während euer Gespräch fortschreitet scheint der Falke, der euch von einem nahen Ast aus zusieht, auf jede Gemütsregung des Angroschim zu reagieren. Als sich dieser schließlich bei dem Falken für die Störung seines Verdauungsschläfchens entschuldigt könnt ihr euch die Frage nach dem außergewöhnlichen Falken nicht länger verkneifen. Der Zwerg sieht euch an: "Wie ich Ihek kennenlernte, wollt ihr wissen? Ja, ich erinnere mich, als ob es gestern gewesen wäre. Ihr müßt wissen, daß dieser Falke mir das Leben gerettet hat. Das war so....

Bei meinen Wanderungen durch die Gebirge geriet ich eines Tages in Not. Mein Bein war gebrochen und ich war im Wundfieber und fand keine Heilkräuter. Da erschien am blauen Himmel ein Falke der sich nahe mir auf einen Felsen setze. Als er mich etwa 100 Atemzüge lang angestarrt hatte flog er von dannen und kehrte mit einer Vierblättrigen Einbeere zurück. In einem Anflug von geistiger Umnachtung bat ich ihn mir den Weg zur nächsten Siedlung zu weisen. Ich dachte mir, der Vogel könne mich unmöglich verstanden haben, doch der Richtung folgend, die er mir wies, gelangte ich zur Hütte eines Einsiedlers. Er war der erste Mensch den ich in meinem Leben sah und er pflegte mich gesund. Er hieß Bern. Der Falke schlug jeden Tag Beute und brachte sie zu der Hütte, so daß ich schnell gesunden konnte. Eines nachts, als ich neben Berns Hütte den Tanz der Flammen beobachtete und ihre Wärme genoß, schlug der Falke plötzlich seine Krallen in meine bloße Schulter. Merkwürdig ruhig drehte ich meinen Kopf zu dem Tier und blickte ihm in die Augen. Ich spürte kaum den Schmerz und bemerkte nicht, daß mein Blut über meinen Rumpf strömte. Wie verzaubert verharrte ich stundenlang den Falken im Feuerschein vor Augen. Ich spürte die Gefühle des Tieres und erkannte das wir unseren weiteren Weg gemeinsam gehen würden.

Bern weckte meine Neugier, er erzählte mir mehr über die Welt, der er den Rücken gekehrt hatte. Daraufhin wuchs in mir das Verlangen zu lernen, was die Menschen antreibt. Ihr Wesen kennenzulernen zog ich also aus und ich lernte sie zu meinem Leidwesen kennen.

Seitdem hat mich Ihek auf meinen Reisen begleitet und ist zu einem treuen Vertrauten geworden ohne den zu leben ich mir nur schwer vorstellen kann." Nachdem ihr euer Mal beendet hat verabschiedet sich der Zwerg mit den Worten: "Mögen Angrosch und Sumu euch wohl gesonnen sein! Auf das ihr immer Nahrung findet und das Feuer euch immer wärme!" Der Falke fliegt auf die Schulter des Zwergen, und die beiden sind nach ein paar Atemzügen außer Sicht.

 

Nachricht an Gerambalosch und Ihek

1999


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