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Kareila
Du stapfst mit müden Knochen die Stiege zu den
Zimmern der Herberge hinauf, in der Hand den Schlüssel zu deinem Einzelzimmer, das du dir
für teure Silberstücke diese Nacht gemietet hast. Die Reise war anstrengend und du
freust dich auf ein mit sauberem Leinen bezogenes Bett, um dich von den Strapazen zu
erholen. Unter deinen Stiefeln, in denen wunde Füße stecken, knarren die Dielen des
Fußbodens. Endlich hast du die Tür erreicht, hinter der Ruhe und Schlaf auf dich warten.
Mit einem zufriedenem Seufzer sperrst du sie auf.
Zufrieden ziehst du die Tür hinter dir zu und läßt du die Blicke über deine
Schlafstube schweifen. Sauber, frisch gelüftet, ein kleiner Tisch mit Stuhl,
Waschschüssel und Wasserkrug, ein Bett mit reich verzierten, hohen Stirnseiten. Als du
dich diesem jedoch näherst, nachdem du das Fenster geschlossen hast, bemerkst du, daß du
nicht alleine in diesem Raum bist. Auf deiner Bettdecke hat es sich jemand bequem gemacht.
Eine große Samtpfote schaut dich mit beunruhigenden, grünen Augen an. Es ist ein
schönes Tier: seidenglänzendes, blauschwarzes Fell aus langen Haaren, ein schneeweißer
Kehlfleck und ebenfalls weiße Pfötchen.
Du versuchst, sie von deiner Bettstatt durch Zuruf zu verscheuchen, doch sie blickt dich
nur unbeeindruckt an. Als du dann mit den Händen vor ihrem Gesicht herumfuchtelst, erhebt
sie sich tatsächlich, reißt das Maul zu einem herzhaften Gähnen auf, streckt sich...
nur um sich danach einmal um sich selbst zu drehen und es sich, dir den Rücken zuwendend,
wieder auf deiner Decke bequem zu machen. Jetzt reicht es dir! Entschlossen greifst du
nach dem Tier, willst es vor die Tür tragen, wenn es sich schon nicht selbst bewegen
will. Die Katze allerdings ist schon vorher wieder auf den Beinen, macht einen Buckel und
faucht dich zornig an. Erschrocken weichst du einen Schritt zurück, dann fällt dir ein,
daß dein Gegner ja doch recht viel kleiner ist als du, und du wagst einen zweiten
Angriff. Diesmal graben sich Krallen in deine Haut, hinterlassen blutige
Striemen auf deiner Hand. Aber du hast sie gepackt, hältst sie in beiden Armen fest. Aber
sie entwindet sich mit fast schlangenhaften Bewegungen deinem Griff und landet sicher mit
allen Vieren auf den Brettern des Bodens. Zornig trittst du nach ihr, aber das Untier
weicht aus, nur um dir danach ins Gesicht zu fahren. Im ersten Angriff erhältst du eine
tiefe Schramme auf der linken Wange. Noch bevor du irgendetwas tun kannst, ist sie wieder
hinter dir gelandet. Du wendest deinen Kopf und siehst gerade nur noch, wie die Bestie
schon wieder im Sprung auf dein Gesich ist. Schnell wendest du es ab und spürst die
Krallen nur in deine dicke Kleidung einschlagen. Aber ohweh! Jetzt hast du den Feind auf
deiner Schulter und er beginnt von hinten dein Gesicht zu beharken. Bald fließt Blut
über deine Stirn und deine vorsichtshalber geschlossenen Augen. Schließlich gelingt es
dir, dich von dieser Pein zu befreien und du schleuderst den Urheber in die Ecke. Ein
wütendes Kreischen und darauf ein unheilvolles Fauchen füllen den Raum. Aber du hast
vorher schon beschlossen, das Feld zu räumen und verläßt fluchtartig das Zimmer.
Als du wenig später mit dem Schlüssel für ein weiteres von dir gemietetes Zimmer wieder
die Stiege zu den Schlafräumen hinaufsteigst, siehst du gerade den Sieger eures Kampfes
das Schlachtfeld mit hochgerecktem Schwanz verlassen und dem geöffneten Fenster am Ende
des Flures zustreben. Enttäuschung, Wut und Haß schleudern den schweren Schlüssel wie
von selbst nach dem Untier, das keine Notiz davon nimmt, weil du es verfehlst und aus dem
Fenster springt, nicht ohne dich noch einmal abschließend aus unheimlich grünleuchtenden
Augen zu mustern.
Leyla und Kareila als Meisterpersonen
(c) 1999 by metal (Leyla)
Der Schwarze Limbus
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