Der Schwarze Limbus    

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Kreis des Lebens

 

Madrix Godrobor

Gedankenlos streifst Du auf der Suche nach Brennholz durch den SteineichenwaldKarte von Andergast und dem Steineichenwald, als Du in der Ferne eine kleine, recht alte Holzhütte erkennen kannst. Aus dem Schlot steigt grünlicher Rauch und Du vermeinst den Duft von Einbeeren zu erhaschen. Du näherst Dich vorsichtig der Hütte. Hinter ihr ranken sich riesenhafte Gewächse an der Wand empor, die entfernt an Wirselkraut erinnern. Auch prächtig gedeihendes Blutblatt scheinst Du zu erkennen. Direkt neben diesem seltsamen Kräutergarten grast friedlich ein Maultier, das nun aufschaut und Dir die Ohren entgegenrichtet und aufgeregt in die leichte Brise schnuppert. Dann öffnet sich die Tür und ein junger Mann in einem prächtigen buntbestickten Mantel tritt heraus. Er hat einen sehr lebendig wirkenden Stab in der Rechten und hebt die andere Hand freundlich zum Gruß.

Du schiebst Deine Vorurteile seltsame Waldbewohner betreffend zur Seite und schreitest auf ihn zu, ein "Travia zum Gruße" sprechend. "Sumu zum Gruße" ist die Antwort. Der Mann hat tiefgründige grüne Augen, die Dich nun interessiert mustern, langes dunkelbraunes Haar fällt ihm über die Schultern und ein langer Bart ziert sein eher schmales Gesicht. "Tretet nur näher...". Als Du sein Gesicht nu8n genauer studierst, fallen Dir zwei längst verheilte, aber doch deutlich sichtbare Narben um jedes der Augen des Mannes auf. über das linke zieht sich eine lange, dünne Narbe, das andere scheint ist oben und unten von geröteter Haut umgeben. "Oh, Krähen und eine Feuerkugel, aber es ist gut verheilt", sagt der Mann und lächelt dabei. Schließlich streckt er Dir eine Hand entgegen "Madrix Godrobor". Du stellst Dich ebenfalls vor und fragst, weil Du Deine Neugier nicht mehr bezähmen kannst: "Warum lebt Ihr hier so tief im Wald?" "Um Ihr näher zu sein", ist die schlichte Antwort, aus der Du irgendwie nicht richtig schlau wirst "Doch tretet doch ein." Er weicht höflich zurück und Du betrittst staunend die Hütte.

Der Raum ist ein wenig verraucht und der Duft von verschiedenen Kräutern und Gewürzen ist fast schmerzhaft stark. Zur Linken ist ein großes Regal, gefüllt mit allerlei Fläschchen und Bündeln aus getrockneten Pflanzen. Darüber ist ein Sternenhimmel in das Holz geritzt - eine Art Kalender stellst Du fest, als Du die Zeichen von Praios bis Rahja und eine Art Zeiger erkennst. Die Fläschchen scheinen danach geordnet zu sein. Lächelnd beobachtet Madrix, wie Dein Blick über den Raum in eine Ecke mit Stroh und einem Tuch schweift und von dort auf einen Vorhang, der einen anderen Raum abzutrennen scheint. "Ihr könnt es Euch gerne ansehen", sagt Madrix und schiebt den Vorhang zur Seite. Dahinter ist eine kleine Kammer mit einem Kamin, über dem ein großer Topf hängt. Etwas brodelt und strömt diesen grünen Dampf aus, der einen fast zu betäuben scheint. Auf einem Tisch ist allerlei alchimistisches Werkzeug ausgebreitet - Flaschen und Schwenker mit verschiedenfarbigen Flüssigkeiten, viele Glasrohre und Schläuche und alles an Kräutern das einem nur in den Sinn kommen kann.

"Verzeiht meine Neugier..." setzst Du an. "Ist schon gut, ich kann das verstehen. Nun, ich lebe erst seit kurzem hier, zuvor wanderte ich viel in der Welt herum. Doch ich sollte dort beginnen wo alles anfing. Ich wurde gar nicht weit von hier in einer ganz ähnlichen Hütte geboren. Meine Eltern waren Druiden - ich weiß man stellt sie sich als fiese Beherrscher und Giftmischer vor, doch das waren sie ganz sicher nicht. Sie lebten nicht im Wald, sondern mit dem Wald und gleiches versuche ich zu tun. Ich hatte auch Geschwister, doch sie vielen einer fürchterlichen Krankheit zum Opfer, auch meine heilkundigen Eltern konnten sie nicht retten. In meiner Jugend rettete ich eine Adelige aus einem Missgeschick im Wald, das hat mir ein wenig Ansehen hier gebracht. Nun, irgendwann zog es mich fort und ich schloss mich einer Gruppe aus Abenteurern an. Meine Eltern habe ich seitdem nicht mehr gesehen, ich fürchte sie sind beide tot." Er senkte den Blick zu Boden. Dann sah er unvermutet und gar nicht traurig auf und fuhr fort. "Doch ich will von mir erzählen. Mein Leben kann man nicht als langweilig oder trübselig bezeichnen. Ich reiste viel mit meinen Freunden herum. Ein Novadi namens Asim und die Hexe Isidia, sie wohnt ganz in der Nähe, um nur zwei von ihnen zu nennen. Wir bereisten Garetien, Almada, Aranien, das Kalifat und besuchten sogar Al'Anfa - eine scheussliche Stadt, kann ich nur sagen. Unser Ziel war stets... also... unseren Auftrag zu erfüllen - ja. Ich war ein Kämpfer und Druide zugleich. Mutig und voller Eifer. Als ich hier in der Nähe weilte, gründete ich zusammen mit mehreren anderen Druiden und einem Hexer sogar einen Zirkel, der sich der Verteidigung unserer Erdenmutter verschrieben hatte. Doch eines Tages kam eine andere Gruppe aus Abenteurern hierher - ich war im Wald bei der Kräutersuche, als sie sich unserer Hütte näherten und den Beistand übler Dämonen herbeiriefen und meine Freunde alle töteten. Ich kam zu eben jenem Augenblick und musste mitansehen, wie sie eine weitere Anrufung der Dämonenbrut vorbereiteten, um auch mich zur Strecke zu bringen. Doch mit Sumus Beistand ließ ich die Nacht über sie hereinbrechen und ich rief Ihren Zorn herbei und die Erde begann sich zu drehen und sie zu verschlingen. Alle bis auf einen konnten sich retten, doch ihr Vorhaben war Zunichte gemacht. Erst vor kurzem brachten wir Frieden über diese Stätte, wo der Altar zerbrochen war, und betteten die Toten zur Ruhe. Dann kam wieder eine lange Zeit der Abenteuer und weiterer schrecklicher Begegnungen, so mussten wir ein weiteres mal gegen allerlei Dämonen bestehen, welche Aventurien während der Namenlosen Tage heimsuchten. Ich kam schließlich wieder hier her, mein Freund Asim, der Wüstenkrieger scheint verschollen, nur die gute Isidia ist von den alten Kameraden noch am Leben und ich bete zu Sumu, dass sie es auch bleiben möge. Ich sagte zuvor, dass ich mutig und voller Eifer war, weil ich spüre, dass eine neue Zeit angebrochen ist. Ich legte meine alten Waffen ab und schuf mir neue."

Madrix klopft demonstrativ mit seinem Stab auf den Holzboden. Erst jetzt bemerkst Du, dass der Stab am Ende von den Blättern der Steineiche und des Blutblatts umrankt ist, die aus dem Stab selbst zu wachsen scheinen. Sie rascheln nun ruhig und wiegen sich hin und her. "Wenn ich über das Land ziehe, gebe ich mich als wandernder Heilkundiger aus, nicht als Abenteurer und ich habe endlich Ihren Atem gespürt. Es ist der bessere Weg und ich hoffe es ist auch der richtige. Bald bricht die Zeit des Abenteuers wieder an und ich werde ein weiteres Mal gegen das Böse und die Ausbeuter Sumus ziehen..."

 

Nachricht an Madrix

1999


Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2000; letzter Planastrale Anderwelt gewirkt am 11.11.00