Der Schwarze Limbus    

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Kreis des Lebens

 

Rian Luth

Die Arbeit ruhte und man versammelte sich in der "Kleinen Traube" um sich vom Tagwerk zu erholen. Auch zwei Männer, deren raue Hände die Gläser fest umklammerten, als wäre dies das letzte Glas Wein, hatten es sich dort gemütlich gemacht.. Es gab eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den beiden, die sie als Vater und Sohn auszeichnete. Wie es schien, waren sie in ein heftiges Gespräch vertieft. "...und dann sagte sie doch tatsächlich, dass sie das nicht störe. Ich meine, aber Du kennst doch meine Frau. Wenn es etwas Neues gibt, weiß sie es zuerst. Und da kam ich auf den Gedanken..., vielleicht ist es ja verrückt, ich meine, wenn es wahr ist..." "Ja"; stimmte der Ältere der beiden zu. "Aber schrei doch nicht so, Marten." Vorsichtig blickte er zu der Gestalt, die sich abseits gesetzt hatte und deren Gesicht im Schatten ihrer Kapuze verborgen war. Man redete im ganzen Dorf schon über den seltsamen Fremden, der heute Mittag hier angekommen war und Rast machte. Selten hatte einer einen Blick auf das Gesicht erhascht und noch weniger ein Wort mit ihm gewechselt. Und als man sich abends  in der Taverne traf, wurde gemunkelt, es sei ein Druide aus den Wälder. Seitdem hatte jeder respektvoll Abstand gehalten. "Meine Frau", fing der andere wieder an, "hat natürlich auch dabei gestanden, als er fragte, wo er hier heute übernachten könne. Und weißt Du, was sie gesagt hat? Er habe das Gesicht eines Elfen, ein junger Bursch wohl, kaum über zwanzig. Jetzt fängt die eigene Frau auch noch an zu spinnen. Wo doch jeder weiß, dass Druiden alt und runzelig sind." "Hässlicher als Du, bestimmt nicht" Beide drehten sich überrascht zu der Stimme hinter ihnen und erkannten den alten Mann. "Setzt Dich zu uns, Arner. Bist Du wohl jetzt erst heimgekommen?" Er schüttelte die Hände der beiden, schnaufte tief und setzte sich zu ihnen. Vorsichtig legte er seinen Stock ab, auf den er sich bis jetzt gestützt hatte und schüttelte den Staub von seinen Stiefeln. "Ja, wie Ihr schon gesagt habt, ich komme gerade eben erst zurück vom Markt und wie ich höre,  hat sich wohl einiges ereignet." "Ich sage Dir, wir wissen es ja selbst nicht. Es sind nur Gerüchte im Umlauf. Du weißt ja, wie die Frauen sind." Marten  nickte beflissentlich und fuhr fort: "Höre, wir haben uns nur gedacht. Du stöhnst ständig im Schlaf, hast Schmerzen und kannst kaum mehr laufen. Der Heiler im Dorf hat auch schon alles versucht. Nun, wir dachten, vielleicht wäre das eine Gelegenheit für Dich. Wenn das wirklich ein Druide ist, vielleicht kann er Dir mit seinem Wissen helfen." "Ja, es ist wohl wahr, nun, warum denn nicht." Er hob seinen Stock auf und ging sich darauf stützend auf den Fremden zu. Dieser erhob sein Gesicht und blickte ihn an. Zwei eisblaue Augen starrten ihn an. "Ich, ich wollte nur fragen. Meine Freunde sagten, Ihr könntet mir vielleicht helfen. Vergebt mir, wenn ich Euch störe." Der Fremde lächelte und schlug seine Kapuze zurück. Arner blickte verwirrt, als er erkannte, dass der Fremde eine Frau war. "Sicher, ich helfe Euch gerne." Doch ihr Lächeln wich Verwunderung als Arners Gesicht rot vor Zorn wurde, er seine Freunde mit Flüchen bedachte und sich heimwärts wandte. Doch auch Marten und sein Vater blickten verwundert auf die junge Frau, die sich nun ihnen näherte. Ihre beiden Augen blickten gütig und ihr braunes Haar schimmerte im Licht der Kerzen. Man konnte einen Hauch der Macht ahnen, die sie in sich trug. "Gebt Euren Freund das hier, dann wird er die Schmerzen nicht mehr so sehr spüren. Und das hier, damit er sich wieder beruhigt." Sie stellte die Fläschchen auf den Tisch, da beide Männer wie erstarrt waren und ihren Augen nicht trauten. Die blauen Augen schienen auf den Grund ihrer beiden Seelen zu blicken und ihre Herzen pochten vor Angst. Doch sie nickte nur und meinte: "Es tut mir leid, solche Verwirrung gestiftet zu haben." Sie zog ihren Umhang fester und wandte sich von ihnen ab. Beide blickten der Gestalt nach, die lächelnd verschwand und schworen sich, diesen Tag niemals zu vergessen.

 

Nachricht an Rian

1999


Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2000; letzter Planastrale Anderwelt gewirkt am 11.11.00