Der Schwarze Limbus    

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Kreis des Lebens

 

Tassia Janig - 'Die Rote Tassia'

Ihre roten Haare glänzten in der untergehenden Sonne, als sie an jenem Abend das Gasthaus erreichte, rechtzeitig, denn die folgenden fünf Tage stehen unter keinem guten Stern. Du freust dich, denn in diesen Zeiten verirrt sich selten ein Gast in diese Gegend, und erst recht nicht so eine bemerkenswerte Frau. Dir fällt sofort die große Tasche mit dem Storchensymbol auf, die diese Frau mittleren Alters über der wildledernen Weste trägt. Mit der linken Hand wirft sie dem Wirt ihren Kampfstab zu, während sie mit der Rechten ihre kupferroten Haare aus dem Gesicht streicht und damit den Blick auf ihre fesselnden, glänzendgrünen Augen freigibt. Auf ihrem Rucksack sitzt ein kleiner weißer Boronsrabe, der, als er den Wirt sieht, aufgeregt loskrächzt. Hinter ihr tapst ein junger Firnläufer ins Gasthaus, er kommt auf dich zu, schnüffelt an dir, setzt sich und hechelt dich schwanzwedelnd an. Die Frau, anscheinend eine Heilerin, geht in Richtung Theke und grüßt den Wirt, sie scheinen sich zu kennen, und du fragst dich, was sie wohl so nah an den schwarzen Landen macht. Du kannst einen Fetzen des Gesprächs aufschnappen, das die Beiden führen: "... die letzten Wochen in den Feldlazaretten waren schrecklich, in all den Jahren als Heilerin und in all den Schlachten habe ich so etwas noch nicht erlebt." "Tassia, es ist vorbei, die Schlacht ist geschlagen, du kannst nichts mehr tun, du mußt dich ausruhen."

Zwei Tage später hat sich Tassia weitestgehend von ihren Strapazen erholt. Gegen Abend ist ein schreckenerregendes Heulen zu hören. Kurz darauf klopft es an der Türe, gegen den Willen des Wirtes öffnet Tassia die Türe. Vor der Tür stehen zwei Frauen, eine von ihnen ist schwer am Bein verletzt. Tassia betrachtet intensiv die schwere Verletzung und sagt zu ihr: "Tretet ein, einer Verletzten kann ich meine Hilfe nie verweigern." Sie holt ihre wildlederne Tasche, nimmt ein kleines Kräuterbündel heraus und versorgt die Wunden der Neuankömmlinge.

"Nun sagt, wer seid ihr, was ist geschehen? Wieso wart ihr in diesen Tagen unterwegs?" entfährt es dir. "Ich bin Kalja, dies ist Danova, meine Schwester. Wir kommen aus einem kleinen Weiler in der näher der schwarzen Lande. Vor vier Tagen wurde unser Hof von einer Horde Marodeure angegriffen und alles verbrannt und getötet. Nur wir und noch ein paar weitere konnten fliehen, alle anderen wurden grausam erschlagen. Aber die Borbaradianer - es müssen welche gewesen sein - konnten unsere Spur wohl irgendwie aufnehmen und wir hatten kaum eine Chance ihnen entkommen. Wir waren sehr geschwächt, und seit gestern Abend werden wir von Höllenhunden gejagt, der Magier muß sie geschickt haben. Die anderen sind noch irgendwo im Wald, wir wurden während des Unwetters heute Morgen getrennt."

"Borbaradianer? und die anderen sind noch da draussen? - Kalja, du bist zu schwer verletzt, du solltest hier bleiben, aber du Danova, kommst du mit?" "Du willst da raus? Es gibt keine Garantie, das sie noch leben." "Ich weiß, aber das ist mir egal, nicht nur, das ich meine Berufung zur Heilerin viel zu ernst nehme, als das ich sie alleine lassen würde, ich kann es auch nicht zulassen, daß ihre Seelen an diesen Tagen dem Namenlosen zufallen. Und außerdem, selbst wenn sie tot sein sollten, darf man ihre Leiber nicht den Nekromanten von drüben überlassen."

Du gehst auf sie zu und bietest deine Hilfe an, denn diese mysteriöse Frau fasziniert dich zu sehr um deine Neugierde zu bezähmen. "Es ist gefährlich, wir müssen gut auf einander aufpassen, es ist ein großes Risiko, aber wenn ihr bereit seid dieses einzugehen werde ich euch nicht aufhalten, denn wir werden jede Hilfe gebrauchen können.", sind ihre Worte, denn auch einige andere haben sich zu euch gesellt. Sie steht auf. "Ich gehe meine Sachen holen, dann können wir gehen." 
Als sie in die Schankstube zurückkehrt trägt sie anstelle der wildledernen Weste ein dickes, wildledernes Wams über einem engen, glänzenden Seidenkorsett. Sie hat ihre Tasche umgehangen und hält ihren Kampfstab fest in ihrer linken Hand. Sie blickt alle anwesenden noch einmal an und verläßt die Schankstube ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

Ihr seid schon beinahe zwei Stunden unterwegs, und das Heulen wird immer lauter. Vor euch öffnet sich der Blick auf eine Lichtung, eine Frau sitzt an einen Baum gelehnt, aus zahlreichen Wunden blutend, ein Greis liegt regungslos in der Mitte der Lichtung. Die anderen kämpfen schwer verwundet gegen einen Höllenhund. "Karmanthi!" entfährt es Tassia.
Ihr stürzt euch auf das Monstrum, doch die meisten vermögt es nicht zu verletzen, einzig ein etwas älterer Mann mit einem blinkenden Kurzschwert kann dem Dämon noch einige Wunden zufügen, alle anderen versuchen lediglich ihn von den Verwundeten fernzuhalten oder nach besten Kräften zu helfen. Endlich ist der Dämon besiegt. Tassia beginnt sofort damit die Wunden der anderen zu versorgen, nur den Alten, der schon bei der Ankunft kein Lebenszeichen mehr von sich gab, konnte sie nicht mehr retten. Nachdem alle Wunden ausreichend versorgt worden sind macht ihr euch auf den Rückweg ins Gasthaus, du und der Ältere tragen den Leichnam des Greises auf einer Trage zurück um ihn borongefällig zu bestatten. In dem Gasthaus wartet der Wirt schon mit einem deftigen, dampfenden Eintopf auf euch ...

 

Nachricht an Tassia

1999


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