Der Schwarze Limbus
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Kreis des Lebens

Ein niedriges Haus, aus stabilen Stämmen gezimmert, mit heruntergezogenem Dach, das mit Steinen beschwert ist, daneben noch ein weiterer Schuppen, eine kleine Umzäunung - das ist alles. Aber doch bist du froh, nicht in der Wildnis am Rande eines kleinen Saumpfades in den Troll-Barlatzwälder am Koschgebirge, dem Wetter und wilden Tieren schutzlos ausgeliefert, zu übernachten gezwungen zu sein. Zielstrebig lenkst du deine Schritte auf den kleinen Berghof zu, um den Siedler um Quartier für die Nacht zu bitten.

Gerade als du die niedrige Umzäunung mit dem halben Dutzend Ziegen, die dich schon laut meckernd begrüßt haben, links liegen gelassen hast, kommt hinter einer Ecke des Hauses dessen Bewohner hervor. Dabei handelt es sich um einen hageren Mann, dem das Alter schon tiefe Furchen in das sonnengegerbte Gesicht unter dem schlohweißen und wirr auf die Schultern, die aber trotzdem nicht schwächlich wirken, herabhängendem Haar gezeichnet hat. Die Augen mustern dich zwischen den zusammengekniffenen Lidern hindurch mißtrauisch und zufällig scheinst du ihn beim Misten gestört zu haben, denn die Forke liegt beinahe Abwehrbereit in seinen Händen.

Als er bemerkt, daß du wohl keine Horde Plünderer darstellst, läßt er seine Waffe ein wenig sinken und brummelt etwas in seinen dichten Vollbart, was du als Aufforderung, dein Anliegen zu erklären, deutest. Auf deine Bitte hin gibt er dir zu verstehen, in der Scheune sei genug Platz und wenn du etwas zu essen haben wollest, sollest du dafür auch etwas tun. Da du eine Gewisse Abneigung hast, an diesem warmen Sommertag dich näher mit Fliegen, Gestank und körperlicher Arbeit zu beschäftigen, lehnst du sein überaus freundliches Angebot dankend ab und bist froh, das dein mitgeführter Proviantbeutel noch gut gefüllt ist. Kurz bringst du dein Gepäck in der scheune unter und beschließt dann, dir zum Mahle ein schönes Plätzchen im nahen Walde zu suchen.

Als dein Gastgeber dies bemerkt, ruft er dir noch eine Warnung zu, du sollest nicht zu weit ins Gehölz vordringen, wenn dir Leib und Seele lieb sei. Neugierig geworden, kehrst du noch einmal um und willst mehr über diese seltsame Bemerkung wissen. Mühsam ziehst du dem immer ungnädiger wirkenden Bergbauern, der so viele Worte wohl nicht gewohnt ist, den Grund für seine Warnung aus der Nase. Im Walde, so dein Gegenüber, sei für götterfürchtige Menschen nicht mehr der rechte Ort, seit dort finsteres Zaubervolk regelmäßige Treffen abhalte. Seinen Beobachtungen entsprechend müsse es gerade wieder so weit sein, er habe den merkwürdigen Schein über dem Wald liegen sehen, der vor einigen Götterläufen zum ersten Male die sommerliche Nacht dumpf durchdrungen hätte. Mit diesen Leuten sei nicht gut Kirschen essen, es sei denn, man sei nicht so neugierig, wie es dieser gelehrte Herr damals wohl war, der zu viele fragen gestellt habe und im ganzen einen recht unfreundlichen Eindruck gemacht habe. Du mußt dann doch ein leichtes Grinsen verkneifen. Unfreundlich, das sagt ja der richtige. Deine Belustigung ist allerdings wie weggeblasen, als er bemerkt, der Mann sei nie wieder aufgetaucht. Er selber kümmere sich nicht darum und sei noch nicht behelligt worden. Und du sollest es auch so halten, das sei wohl besser für dich. Neugierig fragst du noch, was er denn mit „dunklem Zaubervolk“ meine, woraufhin er dich ansieht, als wenn du einen großen Fehler gemacht habest, und einmal kräftig ausspuckt. Hexen meine er natürlich und Druiden und was es da sonst noch so gäbe in den Wäldern.

Du fragst, wo denn dieser geheimnisvolle Schein immer zu sehen gewesen wäre. Widerwillig weist er mit dem Arm eine Richtung, nicht ohne noch einmal seine Ansicht der Dinge zu verkünden. Nun kann dich nichts mehr halten. Du beschließt, doch noch einen Blick auf eines der berüchtigten Hexenfeste zu erhaschen. Oder hörst du doch lieber auf den Ratschlag des Bergbauern und bleibst die Nacht über auf dem Hof um am frühen Morgen deinen Weg eilig fortzusetzen?

Zum Kreis des Lebens...

© 1999 by metal

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