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Der Schwarze Limbus    

22. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

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Jenseits von Gut und Böse

von Calanthe

Die Betrachtung der Gedanken eines Druiden, der vor lauter Erleuchtung geblendet scheint.

Geneigter Leser.
Es ist schon eine geraume Zeit her, da fand ich in einer staubigen Bibliothek in Andergast, das "Traktat eines Druiden", namens: "Von Gut und Böse".
Meine erste, stark ärgerliche Reaktion auf dieses Schriftstück, ist mittlerweile verflogen und einer eher belustigten Stimmung gewichen, doch drängt es mich noch immer, diese Thesis vom "mittleren Weg" und dem "Zorn der Elemente" zu kommentieren.
Doch worum geht es in der Schrift? Für diejenigen Leser, die dessen nicht angesichtig wurden, was meine Augen beleidigte, möchte ich hier kurz den Inhalt wiedergeben.

Der Herr Madrix Godrobor, seines Zeichens ein Druide, machte sich Gedanken über die Götter und das Übernatürliche auf der Welt, welches er scharfsinnig insgesamt als ein Teil Sumus erkannte.
Da der werte Druide nun mal aber von Philosophie gerade soviel versteht, wie ich von der hohen Kunst des Immanspiels, kommt er im Folgenden zu einer Unzahl von Schlüssen und Trugschlüssen, deren Hergang er dem Leser schuldig bleibt und durch schriftliche Unübersichtlichkeit, den Zugang erschwert.
Angefangen damit, dass die Götter das Gute, die Dämonen aber das Böse repräsentieren, fragt er nach dem Sinn des Bösen. Es schließen sich ein paar nette Beispiele an, wie "ohne Licht kein Schatten", die die Sinnfrage beantworten und gleichzeitig eigene kleine Philosophien beinhalten, denen ich voll und ganz zustimmen kann, weil es sich um Worthülsen handelt, die hier nicht weiter diskutiert werden.
Nach eigener Aussage wollte Herr Godrobor hier nicht enden und behauptet: "Doch ich dachte weiter", was ich angesichts der später folgenden Gedanken aber stark zu bezweifeln trachte.

Seine Gedanken kreisen hier weiterhin um das Böse und das Gute und um Dichotmien1 aller Art und ihren Zusammenhang mit Sumus Leib. 
Sollten all diese Dichotomien etwa bedeuten, dass Sumus Leib geteilt sei? Oder gibt es ein Glied, welches die Gegensätze verbindet? 
Herr Godrobor nennt diese Verbindung etwas "Übermächtiges", "Verborgenes" und man spürt geradezu beim Lesen seiner Sätze, welch immenser Anstrengung seines Geistes es bedurfte, um diese Wahrheit, eine weitere, die jedem Bauern einleuchten dürfte, hervorzubringen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Mann sich als erleuchtet empfand als er erkannte, dass es der "Weg der Mitte" sei, der über allem stehe.
Was allerdings so übermächtig an dieser Erkenntnis oder dem dahinterstehenden Faktum ist, das bleibt der gute Mann uns ein weiteres Mal schuldig. 
Ist es nicht das, was wir im täglichen Leben beobachten können? Folgt nicht ein jeder von uns diesem Prinzip, vielleicht auch ohne es zu wissen? 
Niemand wird ernstlich behaupten wollen, dass Aventurien entweder von mordlüsternen, machtgierigen und skrupellosen Wesen überschwemmt ist oder vom Gegenteil, den "Ich-hab-Euch-alle-Lieb-Monstern", die statt mit Pfeilen sich zu verteidigen, lieber Blumen verschenken und bei ihrem Ableben noch ein zartes: "Du bist ein Opfer der Umstände - ich vergebe Dir!" hauchen. Der größte Teil aller Wesen lebt ein Leben, in dem beides sich die Waage hält, nicht immer sofort... aber doch mit den Jahren.
Sicher gibt es Individuen, die fernab dieser Linie zu stehen scheinen. Tharsonius wäre vielleicht ein solches Beispiel. Aber das ändert nichts daran, dass unsere Welt im Großen und Ganzen einer Ordnung unterliegt, die auf Gleichgewicht baut.

Im Anschluss begibt sich Madrix Godrobor in die Rolle eines "Kultisten" und erfüllt sich selbst mit der Aufgabe, der Welt mitteilen zu müssen, welch große Entdeckungen er da gerade gemacht hat und dass der "Weg der Mitte", den wir alle ohnehin beschreiten, eng verbunden sei mit der "Macht der Elemente". Wie in aller Götter Namen er darauf gekommen ist... der geneigte Leser möge sich damit direkt an ihn wenden, mein Kleingeist vermag das nicht zu beantworten.
Jedenfalls ist der Druide der Meinung, dass die Welt nicht bereit sei, diese Wahrheit mit ihm zu teilen, da sie sich inmitten des erbitterten Kampfes zwischen GUT&BÖSE befände - noch stärker als je zuvor sogar, obwohl wir alle wissen, dass die jüngsten Ereignisse nur die Manifestation eines Konfliktes sind, der immer da war und ewig sein wird.

Und dann am Ende seines Dossiers, bricht der gute Madrix Godrobor sich selbst das Genick. Da heißt es voller Inbrunst:
"[...] will ich die Wahrheit verkünden, denn die Welt wird ihn spüren, den Zorn Sumus, den ZORN DER ELEMENTE."

Was ist nun mit dem Weg der Mitte? Hier wird nun mal ganz deutlich, dass der Druide eines vergessen hat:
Gut&Böse liegen immer in den Augen des Betrachters und ich bezweifle stark, dass der Zorn Sumus, den meisten von denen, die ihn zu spüren bekommen sollen, als "mittlerer Weg" erscheinen wird, sondern vielmehr als böse, da in seinem Gefolge wohl Vernichtung, Tod und Leid über sie kommen werden, was ich allerdings nur mutmaßen kann, denn was der "Zorn Sumus" nun sein soll, das verschweigt er uns wieder mal.

In diesem Sinne möchte ich diesen Beitrag abschließen und sagen, dass ich hiermit nicht alle Weisheit für mich beanspruchen will. Einiges von dem, was der Herr Godrobor in seinem Artikel von sich gegeben hat, ist durchaus wahr und richtig. 
Allein seine voreiligen und oft nicht nachvollziehbaren Schlüsse und das "Nichtbeachten" einiger Details, wie z.B. der Perspektive des Betrachters, lassen mich hier Stellung nehmen.
Über einen weiteren Austausch über Themen aller Art wäre ich erfreut, nicht nur mit dem Herrn Druiden.

Calanthe

1 Gegensätzliche Pärchen (hell-dunkel, schwarz-weiß, Mann-Frau)

Erschienen in Opus no. 40 am 31.10.1999.

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