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Der Schwarze Limbus    

21. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Vom kaanjuk oder dem Namensbogen

Gesegnet sei der Eine, der uns jeden Tag aufs Neue erfreut mit seinen Geschenken und unseren Glauben jeden Tag aufs Neue mit Versuchungen prüft!

Viele wunderbare und wundersame Dinge habe ich auf meinen Studienreisen durch die ungläubigen Lande gesehen, erforscht oder auch widerlegt. Und mögen auch viele eher dem Geiste eines gestörten Kopfes zuzuordnen sein als einem Genie, so waren es doch gerade die Waffen der fremden Völker, dich mich immer wieder aufs Neue zu verblüffen wußten! So mag ich euch nun vom kaanjuk erzählen, der selbst unter Seinen Augen Sein Gutheißen erhält.

Ich saß damals in einer Taverne weit im Norden, wo die Norbarden ihre Zelte aufschlagen, Hilgerds Heim hieß sie wohl. Und dort hatte ich das Vergnügen, einen nivesischen Jäger kennenzulernen mit Namen Wolpert. Einige Krüge Wein später zeigte dieser mir dann voller Stolz seinen Bogen und wahrlich, nie zuvor hatte ich ein solches Prachtstück gesehen. Aber es waren nicht etwa irgendwelche Verzierungen oder ein kunstvoll geschliffenes Ende, ja nicht einmal das Holz war von besonderer Qualität, nein, es war die Tatsache, mit welcher Vollkommenheit diese Waffe zu seinem Besitzer passte.

Sie erweckte den Anschein, als könnte kein anderer, als der Jäger Wolpert diese Waffe führen und mit ihr ein Ziel treffen. Also bestellte ich sofort noch einen dieser eher schal schmeckenden Weine, Rastullah möge mir für diesen Frevel verzeihen, wie habe ich auf meinen Reisen immer den süßen, vollen Geschmack des Dattelweines vermisst, und fragte den Nivesen, woher er denn dieses Prachtstück habe. Dieser erzählte mir, nachdem er seine Kehle wieder etwas angefeuchtet hatte, dass diese Waffe nach einer uralten Tradition angefertigt wurde. Diese kaanjuk, oder Namensbögen, werden auf magische Weise durch einen Nivesenschamanen an ihre zukünftige Besitzer gebunden, indem ein Haar desselben in den Bogen eingearbeitet wird. In einem rätselhaften Ritual, in welchem der Bogen für eine Vollmondnacht in der heiligen Erde vergraben werden muß, wird der Zauber vollendet. All das habe zur Folge, daß nur noch der wahre Besitzer mit der Waffe schießen und treffen kann. Und wo diese heilige Erde denn sei, wollte ich vom Nivesenjäger wissen. Dieser jedoch schien an diesem Abend dem Wein doch zu sehr zugesprochen zu haben und kippte vornüber hinweg. Als ich dann am nächsten Morgen erwachte, war der Jäger leider schon verschwunden.

 

 Meister Achmed ibn Mhukkadin al Ghunar

von: Clemens Schumacher
Erschienen in Opus no. 5 am 14.2.1999.

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