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Der Schwarze Limbus    

22. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

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Der Weingeist
Vierter und letzter Teil der Geschichte

1.-3. Teil:
Der Hofmagus Erlwulf, seine halbelfische Kollegin Francesca, Khirva, die kleinwüchsige Boroni, und auch Chany, die Hausherrin, machen sich auf den Weg in den Keller, genauer gesagt in den Weinkeller, nachdem sie unheilvoller Geräusche gewahr wurden. Als die vier den Ort des Grauens genauer untersuchen, müssen sie feststellen, dass es sich bei dem Verursacher der Geräusche um einen irrtümlich beschworenen Weingeist handelt, der - nicht ohne zuerst für einige Verwirrung gesorgt zu haben - schließlich ins Freie gelangt. Nachdem der durch den Weingeist in einen Rausch versetzte Magus wieder bei Sinnen ist, beratschlagen die vier, was denn zu unternehmen sei um dieser Wesenheit ein jähes Ende zu setzen. Man einigt sich schließlich auf ein Magieverbot für Táyarret, welches die Entstehung weiterer Geister verhindern soll und es wurden Magister aus Khefu herbeizitiert um bei der Ergründung des Phänomens behilflich zu sein. Nach einer Besprechung in Anwesenheit der Herzogin Chanya, einer Inquisitatorin der Boronkirche, ebenjener Magier sowie aller am Vorfall Beteiligten macht man sich nun erneut in den Weinkeller des Hauses auf, um dort die nötigen magischen Analysen vorzunehmen.

Gemeinsam verließen nun alle Anwesenden den Raum und begaben sich in die Kellerräume des Turmes. Hier zeigte Magister Norsold das betreffende Weinfass, mit dem so gesagt alles begann. Zusammen, soweit das von der Personenanzahl überhaupt möglich war, inspizierte man den Weinkeller. Erlwulf beschrieb kurz, was hier vorgefallen war, zeigte danach mit der Nesetet den Herrschaften das angrenzende Labor, verwies darauf, dass in diesem sicherlich schon seit etlichen Götterläufen geforscht, gebraut, und manchmal auch gezaubert wurde, und schlug danach die Möglichkeit eines Hellsichtzaubers vor, um erkennen zu können, ob sich diesen Räumen eine arkane Kraftlinie näherte oder sogar kreuzte. Das würde nun auch seiner Meinung nach die erste Spur zur Lösung des Vorfalles sein.
Cornelius, der Kauz auf Myrddins Schulter, gab seine Meinung kund: "Nun, ich denke, dass die anwesenden Magister bestimmte gerne einen Spruch aus der Kategorie der Clarobservantia tätigen würden, doch besteht nicht noch das Verbot der Magiewirkung?" "Ein Oculus Astralis oder ein Odem Arcanum wäre zunächst wohl angebracht, doch danach sollte man mittels eines Analüs Arcanstruktur, falls es sich um eine magische Quelle handelt, die Situation genauer untersuchen", brachte Myrddin ein, "so wenn uns das Wirken zweier Sprüche erlaubt sei."
Francesca nickte zustimmend. "Nachdem wir hier zusammengekommen sind, um den Dingen auf den Grund zu gehen und dies ohne das Wirken arkaner Kräfte kaum möglich sein dürfte, bitte ich Euch, verehrte Spektabilitäten, Magister, die Sprüche zu wirken, die Euch notwendig erscheinen. Ich bin mir sicher, dass Ihr Euch der... ungewöhnlichen Situation bewusst seid."
Chanya blickte in die Runde. Dann sprach sie: "Nun, bevor Ihr, Hochwohlgeboren, Eurer Pflicht genüge tut und Uns um Dispens von jenem Dekret zu bittet, wollen Wir Euch zuvorkommen und Eure Anweisung bestätigen. So sei zu Ermittlungszwecken in diesem Falle der Einsatz von Zauberwerk von Uns selbselbsten gestattet." Nachdenklich schwieg die Herzogin einen Moment, dann fuhr sie leise fort: "Und an Euch, Inquisitorin, ergeht die Aufforderung, Eure Kindereien hinten anzustellen. Magister Erlwulf ist ein tadelloser, anerkannter Mann seiner Zunft, und Wir verbürgen Uns für ihn. Ihr sollt deshalb einen guten Rat von Uns erhalten: Vermeidet es, Uns unleidlich zu machen... Wir schlagen nun vor, dass die Herren Zauberer ihr Werk beginnen."
"Ich werde die Variante des ODEM ARCANUM SENSEREI anwenden, so wird keine große Kraft freigesetzt, und es gibt so nichts zu befürchten." Spektabilität Beryllius konzentrierte sich auf jenes 'unheilverheißende' Fass und sprach: "Odem Arcanum Senserei, weht hier ein Hauch von Zauberei." Nach kurzer Zeit schienen seine Augen alles zu durchschauen, als er sich im Raum umblickte, wobei er von seiner Gehilfin stets gestützt wurde. Nun schaute er sich das Fass genauer an, und auch der Fußboden schien recht interessant zu sein, bis er die Wand, welche in die ungefähre Richtung von Ujak stand, sehr intensiv betrachtete. Dann ließ der Zauber wieder von ihm ab, wissbegierig schauten alle Anwesenden ihn an. "Nun, ich bin mir nicht sicher, aber hier scheint tatsächlich ein Geist am Werk zu sein. Die Ursache dafür kenne ich noch nicht, ich würde mich aber gerne nach draußen begeben, da ich dort diese vermute. Diese astralen Reste scheinen von einer Quelle magischer Kraft zu stammen, die sich hier, eventuell aufgrund der Art des Baus des Gebäudes, sammelte und schließlich zu einem minderen Geist wurde. Es dürfte keine große Aufgabe sein, den Geist zu vertreiben, doch denke ich, dass die Ursache zunächst wichtiger ist, sodass ich die werten Damen und Herren nun nach draußen bitten würde."

*  *  *

Spektabilität Jarrêt folgte der Gruppe nachdenklich nach draußen. Kaum dort angekommen, ließ er der Frage, die ihm auf der Zunge brannte, freien Lauf: "Astrale Reste, die zu einem minderen Geist wurden? Wie haben wir uns dies zu erklären, verehrter Kollege?"
Erlwulf meinte dazu nur, dass er dazu keine Theorie hätte. Auf dem Gebiet der Magie gab es noch vieles, dass es zu erforschen galt. Demnach könne man nun noch eine Sanduhr lang diskutieren, ohne vielleicht nur einen Spann näher an die Sache zu kommen.
Die Inquisitorin blieb abrupt stehen und wandte sich Jarrêt zu, der die seltene Gelegenheit hatte, deutliche Spuren von Verblüffung auf dem sonst so strengen Gesicht der Glaubenswahrerin wahrzunehmen. "Möglicherweise habe ich mich vorhin nur unzulänglich ausgedrückt, aber in etwa diese Frage versuchte ich bereits vor einer geraumen Weile - leider vergeblich - durch Magister Erlwulf beantworten zu lassen. Es beruhigt mich durchaus, dass die Zusammenhänge auch für Euch anscheinend nicht restlos geklärt werden konnten." Nachdenklich trat die junge Kemi einen Schritt zurück und musterte die versammelten Spektabilitäten eindringlich.
Erlwulf seufzte kurz auf. "Und, was soll ich noch sagen? Wir sind eben noch dabei, diesen Vorfall zu klären. Mit vereinten Kräften wird uns das auch gelingen, denke ich."
Jarrêt blickte die Inquisitorin an, wobei ihm ein charmantes Lächeln um die Lippen spielte: "Dann wollen wir diese Frage doch vielleicht jetzt zu unser aller Zufriedenheit klären. Schließlich scheint sie mir von essentieller Bedeutung. Derzeit erscheint der Casus so, dass dieser Geist aus dem Nichts entstanden ist. Wie können astrale Reste einen Geist 'formen'? Das setzt doch einen magischen Vorgang oder, sagen wir mal, zumindest ein professionelles Einwirken gleich welcher Art voraus. Das geschieht nicht häufig in einem Weinkeller ... Naja, vielleicht doch..." Seine Spektabilität trat neben die Inquisitionsrätin und wartete gespannt auf die Antwort.
Der alte Magier wendete sich nach einigen Schritt an seinen Kollegen. "Nun, ich habe eine starke astrale Kraft gespürt und mittels des Hellsichtzaubers durch die Hauswand noch leicht schimmern sehen, nun wollte ich mich, so wenn mir dies erlaubt ist, nochmals eine Formel der Clarobservantia aussprechen, um meine Vermutung zu unterstreichen. Ich möchte mich nämlich noch nicht festlegen wollen." Nach einem Nicken der Hoheit machte der Magier noch einige Schritte, dann sprach er wieder die Formel: "Odem Arcanum Senserei, weht hier ein Hauch von Zauberei", verblieb kurz auf der Stelle und schaute dann erneut um sich, wobei Myrddins Blick diesmal schon nach kurzer Zeit in einer Richtung verharrte. Er machte kehrt und schritt auf die Gruppe zu. "Nun, wie ich mir schon gedacht habe. Es läuft eine Kraftlinie an diesem Ort vorbei, nicht genau hier, aber die 'Seitenarme' dieser Kraftlinie sind in der Lage, auch diese Ländereien zu beeinflussen."
Magister Erlwulf mischte sich nun wieder in die Besprechung mit ein. "Entschuldigt, werte Damen und Herren, aber mir ist da gerade ein vielleicht interessanter Gedanke gekommen. Wir haben es hier also mit einer Kraftlinie zu tun, deren Seitenarme bis hierher ausstrahlen. Zudem hatten wir hier die Manifestation eines Mindergeistes, der sich im Keller zeigte. Nun, da diese meist kommen und gehen, wie sie wollen, es sich aber nicht um ein minderes Wasserelementar handelte, muss es sicherlich an Land entstanden sein. Könnte man nun sagen, dass es sich in der Nähe der Kraftlinie gerne aufhielt, so könnte es doch vielleicht wie auf einem Pfad hierher gelangt sein? Ist es also sogar möglich, dass es einen Ort, einen Platz, eine Stelle im Dschungel gibt, an dem sich diese Minderen aufhalten, sammeln, entstehen, um danach in naher und weiter Umgebung zu erscheinen? Wie gesagt, das ist nur ein Gedankengang von mir, aber ich meine, so etwas sollte man durchaus berücksichtigen. Ich denke, wir sollten den Versuch wagen, uns anhand der Kraftlinie einen Weg in den Dschungel bahnen, um dieser Theorie einmal nachzugehen. Zunächst möchte ich aber um Eure Meinungen bitten. Mag ja sein, dass es noch andere Lösungen gibt." Der Magister schien recht überzeugt von seiner Theorie zu sein, was man seinem nun energischen Blick entnehmen konnte. 
Mürrisch schüttelte Hoheit Chanya Al'Mout'pekeret den Kopf. "Also wirklich, Unseretwegen dürft Ihr gerne in den Dschungel spazieren. Löst das Problem, aber fix." Und mit einem Blick in die Runde meinte sie: "Vier Verrückte auf einem Fleck, meine Güte, meine Güte..." Die Hoheit nickte Cornelius zu: "Der einzig Vernünftige in diesem Konglomerat von Händewedlern seid Ihr, Herr Kauz", drehte sich um und marschierte in den Turm zurück.

Alles, was Jarrêt dazu zu erwidern hatte, war ein Runzeln seiner Stirn und ein höfliches Beugen des Kopfes, als Ihre Hoheit entschwand.
"Nun, diese Mindergeister manifestieren sich an einem Ort, welcher starke arkane Kraft, eine arkane Ballung, in sich trägt, diese Geister sind gewissermaßen ein Nebenprodukt", erhob Myrrdin wieder das Wort. " Nehmen wir mal einen mächtigen Wirbelsturm, so würden wir wahrscheinlich, wenn wir nahe genug an ihn gelangen würden, bestimmt einige Luftmindergeister erspähen können. Wenn der Mindergeist aufgrund des Seitenarmes entstanden ist, so haben wir es mit einer gewaltigen arkanen Ballung zu tun, wenn der Geist jedoch hierhin gelangt ist, verwundert es mich, dass es sich um einen minderen Wassergeist handelt." Myrddin schaute zu seiner Gehilfin, dann zum Kauz, danach wandte er wieder das Wort an die Gruppe: "Wenn die Entscheidung feststeht, dass die Suche weiter in dem Urwald stattfinden soll, so möchte ich mich entschuldigen, da mein Alter es wohl kaum zulassen wird, dass ich mich durch dieses dichte Strauchwerk bahnen werde. Ich weiß nicht, ob ich diesen Anstrengungen gewachsen wäre, aber mein werter Collega Jarrêt wird ja, so denke ich, mitgehen und mir später alles berichten können. Doch zuvor sollten wir den Mindergeist bannen."
"Ihr meint also nicht, dass es sich um einen minderen Geist handelt?" Mit hochgezogener Augenbraue blickte die Nesetet zum Hofmagus der Hoheit. "Erlwulf? Ich weiß ja nicht. Natürlich, weder Geister noch Magietheorie sind etwas, womit ich mich beschäftigt habe, doch klingt mir dies alles doch noch recht verworren." Sie blickte in die schweigende Runde bevor sie fortfuhr. "Nun, jedenfalls werde ich mich nun darum kümmern, dass alles Notwendige für eine eventuelle Expedition in den Dschungel bereit ist. Einen Führer solltet Ihr wohl nicht benötigen, Magister Erlwulf kennt sich in den Wäldern um Djáset bestens aus, und ich denke doch nicht, dass Ihr vorerst soweit in den Dschungel vordringen wollt, dass eine Übernachtung in den Wäldern vonnöten ist, nicht wahr? Doch gestattet mir noch eine Frage, verehrte Spektabilitäten. Wie oder wodurch wollt Ihr den Geist bannen?" 
Magister Erlwulf gab nun nochmals einen Gedankengang zum besten. "Also, wir haben hier noch immer nur Vermutungen, denen wir auf den Grund gehen sollten. Dieser mindere Weingeist scheint eine Ausnahmeerscheinung zu sein, da mir und den werten Kollegen hier zumindest solch eine Erscheinung noch nicht begegnet ist. Solch eine Erscheinung lässt sich am besten mit einem GEISTER AUSTREIBEN bannen. Das geht natürlich nur, wenn diese in der Nähe erschienen ist. Mit 'in der Nähe' mag dabei durchaus ein größerer Wirkungskreis des Spruches gemeint sein, das lässt sich aber nicht so leicht festlegen und berechnen."
Myrddin und Jarrêt nickten einander zu, Myrddin bot ihm an, das Wort zu erheben, doch machte er eine ablehnende Geste, so dass Myrddin wieder sprach: "Nun Kristin, was denkst Du?" Die junge Gehilfin war etwas überrascht, dass ausgerechnet sie gefragt wurde. Sie schaute sich zum alten Magier um, überlegte kurz und wandte sich den anderen zu: "Nun, man könnte es mit einem GEISTER AUSTREIBEN versuchen, welcher sich für Geister natürlich anbietet, wie in dieser Situation, doch hat er eine recht große Reichweite. Anders der PENTAGRAMMA DRUDENFUSS, der nur halb so weit reicht, einfacher auszuführen wäre, jedoch auch stärkere Beanspruchung mit sich brächte als der GEISTER AUSTREIBEN." Sie hielt kurz inne. "Eine drastische Möglichkeit böte der AUGE DES LIMBUS, doch wäre er wohl zu gefährlich."
Seine Spektabilität Dur Avarc Syn blickte die junge Begleiterin der Gruppe an. Dann wandte er sich wieder der Gruppe zu: "Dass Euer gesetztes Alter keine langen und schwierigen Dschungelexpeditionen mehr zulässt, kann ich gut nachvollziehen. Dennoch erscheint es mir nicht ratsam, auf Eure kostbaren Kräfte dort - wo immer uns der Weg auch hinführen mag - zu verzichten. Wie Ihr wisst, könntet Ihr uns in jedem Fall folgen. Ich würde meine Hilfe dazu gerne offerieren." Mit einem zufriedenen Lächeln blickte Jarrêt seinen Kollegen an.
Eifrig diskutierend standen die Herren Magier noch vor dem Turm, schritten dabei auf und ab, versuchten Theorien aufzustellen, dass es einem Magieunkundigen nur so in den Ohren rauschen mochte. So war die Nesetet die erste, die dieses seltsame wolkenähnliche kleine Gebilde, nicht größer als ein zenacher Kürbis wohl, zuerst bemerkte. Durch die Luft schlingernd, sich dabei rasch dem Turm nähernd steuerte dieses Wölkchen direkt auf die Gruppe Leute zu. "Magister, seht!!!" erscholl der Warnruf der Nesetet, aber schon einen Augenblick später war dieses Etwas heran. Nun endlich hatten die anderen es auch erblickt, konnten aber nicht mehr verhindern, dass dieses Etwas durch die offene Turmtüre verschwand. Aus dessen Inneren hörte man sogleich einen überraschten Ruf der Haushälterin und danach ein Poltern. "Esme!" war die Nesetet zu vernehmen, und schon stürmte sie an den versammelten Magistern und der Inquisitorin vorbei in den Turm.

*  *  *

Esme stand nahe des Einganges neben einem umgestürzten Stuhl, blickte verwirrt auf die Nesetet und brachte zunächst nur ein "Das grüne Zeug ist in den Keller geflogen" zum Besten. Den Göttern sei Dank schien sie unverletzt zu sein.

Cornelius, der aufgrund des stürmischen Vorgehens der werten Nesetet aus seiner Meditation erwacht war, wollte schon zum Gezeter ansetzen, doch kam er kaum dazu. Die Spektabilität Myrddin Beryllius wendete sich zur Inquisitorin um: "So wenn es mir erlaubt ist, einen letzten Zauber für heute zu wirken?" Mit einem nahezu ausdruckslosem Nicken gab man ihm die Erlaubnis, und er setzte sich mit einem "Ich denke, der Turm wird nun des Geistes Ende sein" ebenfalls in Bewegung. Natürlich war er mit seinem Alter und der Robe nicht mehr der Schnellste, aber dennoch beachtlich rasch. Am Turm angekommen schien er die Größe des hohen Gebäudes abzuschätzen, dann zeichnete er mit seinem Stab ein Pentagramm auf den Boden recht nahe der Mauer. Er konzentrierte sich einige Sekunden und sprach, für die restliche Gruppe, die natürlich nachgekommen war, deutlich zu hören die antimagische Formel: "PENTAGRAMMA DRUDENFUSS, Heb dich fort in Rauch und Russ!"

Der Hofmagus der Hekátet war sich nicht sicher, ob man nun diesen Mindergeist mit dem Pentagramma-Spruch bannen konnte, aus diesem Grunde handelte er fast ebenso schnell wie Myrddin. Schnell zeichnete er ebenfalls ein Pentagramm auf den Boden und sprach die Formel des 'Geisteraustreibens', um den minderen Weingeist zu bannen. Nun würde es sich zeigen, um was es sich wirklich handelte. Gleich darauf war ein Rumoren aus dem Turm zu hören. Aus dem Eingang erschien nun diese kleine grüne Wolke, hinter sich wiederum einige Rufe der Überraschung lassend. Beständig änderte sie ihre Form, einmal lang, dick, geballt, und wieder kugelförmig. Schlingernd flog sie zunächst auf die Magiergruppe zu, änderte zwei-, dreimal seine Richtung, so als könne sie sich nicht entscheiden, was sie tun sollte. Hin und her gezogen von den antimagischen Sprüchen blähte sie sich noch einmal zu einer beachtlichen Größe auf, flog auf Erlwulfs Pentagramm zu und verging in diesem lautlos. Das alles war recht schnell geschehen, und nun war dieser mindere Geist endgültig gebannt.

*  *  *

Was nun folgte waren einige weitere Unterredungen, Mutmaßungen, Gespräche. Eine weitere Untersuchung des Turmkellers brachte kein Überbleibsel des Weingeistes zu Tage, auch war in Djáset sowie der näheren Umgebung nichts Ungewöhnliches bemerkt worden, was die Leute hier erschrecken würde. Eine von Magister Norsold und Seiner Spektabilität Dur Avarc Syn angeführte kleine Dschungelexpedition brachte, den Göttern sei Dank, auch keine unheilvolle Kunde aus dem Landesinneren. Zwar gab es diese leichte Kraftlinie, doch fand sich kein Ort, an dem Manifestationen gefunden wurden. So zerschlugen sich zwar einige Theorien, aber weitere Erscheinungen oder gar Schlimmeres wurde in den nächsten Tagen, Wochen und Monden in Táyarret nicht gesichtet.

Da jedoch die Ursachen für die seltsamen Vorkommnisse um den Weingeist nicht geklärt werden konnten, wurde das táyarretweite Magieverbot bis auf weiteres beibehalten und gleichzeitig der Hofmagus der Hekátet von ebenjener zu weiteren Forschungen an die Dekata entsandt, wo er vermutlich auch heute - noch Monde danach - wie jeden Tag murmelnd und brummelnd in den Archiven anzutreffen ist, auf der nimmer endenden Suche nach dem Geist des Weines, und von einigen Schülern inzwischen ebenso bereitwillig als lebendes Inventar der Akademie anerkannt wird wie Cornelius, der eigenwillige Kauz Seiner Spektabilität Berrylius, während Seine Spektabilität Dur d'Avarc-Syn einige Wochen nach jenen Vorfällen in der Nähe des Kalten Sees zu Ahami verscholl und allein sein treues Maultier Rasputin vor kurzem an den Hort der Gelehrsamkeit zu Khefu zurückkehrte, um - wie nur wahrlich böse Zungen behaupten - den freigewordenen Platz seines Herrn einzunehmen.
'Spektabilität' Rasputin schwieg sich bislang dazu aus und kaut weiter jeden Morgen zufrieden auf seinen Möhren...

FINIS

Erschienen in Opus no. 65 am 30.4.2000 als Reaktion oder Fortsetzung zu Der Weingeist - 3. Teil.

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