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Der Schwarze Limbus    

22. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

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Commentariolus extensivus ad
"Versuch einer allgemeinen Betrachtung der
Magie der Elfen" von M. Travian Norfold

von M.ex. Reiju Windfeder


præfacio

Gern gebe ich zu: ich kenne nur wenige der tiefen Geheimnisse jenes Volkes, dessen 'Zauberwesen' mein Freund und Collega Magus Travian Norfold mit solcher Faszination zu verstehen sucht, und spreche bislang auch nur wenige Worte ihrer Sprache voll Wohlklang. Doch halte ich meines Freundes Ausführungen über die von der in unserem - dem gildenmagischen - Kreise praktizierten und theoretisierten so wahrhaft unterschiedlichen Auffassungsweise von Magie, nämlich jene der Elfen, für überaus brillant und finde in seinen Ausführungen zahlreiche Erkenntnisse, die meinen eigenen Gedanken neuen Nährboden geben, sie im Dienste der wandelbaren TSA und der vielweisen HESinde übermütig sprossen zu lassen.

Lasst mich also, werte Collegæ, versuchen, die Theorien meines Freundes anzuwenden auf einige eben jener weitverbreiteten canti, welche von den bosparanischen Zauberern schon früh in der Begegnung mit dem Volk der Elfen aus ihrer ursprünglichen Form assimiliert und in eine neue, andere prokreiert wurden - die These unterstützend, dass diese Form mit jener ursprünglichen heutzutage kaum noch etwas gemein hat. Ich will es gewissermaßen wagen, eine Form dieser gildenmagischen canti zu rekonstruieren, wie sie der elfischen Betrachtungsweise entsprechen könnte - nach Norfold wären also insbesondere die folgenden drei componentiæ harmoniæ unter Inclusion ihrer Wechselwirkungen, interactiones, zu untersuchen: das SELBST SEIN, das WELT SEIN und der WILLE.

Dabei möchte ich betonen, dass ich mich nicht im Glauben wiege, ein Elf würde mein vocabularium als zutreffend oder auch nur hinreichend akzeptieren - es soll auch ganz und gar nicht der Belehrung eines Elfen dienen, sondern mit HESindes Gnaden unserem gelehrten Kreis einen spekulativen und von Respekt geprägten Hintergrund zur Liberalisierung und Ausweitung unseres philosophischen Horizonts geben!

reconstructio: BANNBALADIN

Betrachten wir ad primo den BANNBALADIN (wie einige Kundige wissen mögen, lautet dieser cantus in seiner elfischen Lingualrepräsentation bian bha la da´in). Diese Formel eignet sich zur exemplarischen Betrachtung deshalb, weil sie weithin bekannt und in usu, also gebräuchlich, ist. Nehmen wir an - unser aller Allgemeinwissen dürfte uns dies gestatten - dass ein Elf diese Formel nicht in der Verwendung kennt, wie sie uns an den Akademien zumeist gelehrt wird: also nicht als Mittel der Macht unseres Geistes über den Geist eines anderen geistbegabten Wesens. Dies wäre einem Elfen wohl ein Greuel - vielmehr liegt ihnen (und ich greife dabei auf meine kontemporären Erfahrungen am 'Seminar der Elfischen Verständigung' hier in Donnerbach zurück) beim Wirken des bian bha la da´in an etwas, für das wir den etwas neu-rohalistisch anklingenden Begriff der Harmonie zu gebrauchen uns nicht scheuen sollten!

Nähern wir uns also zunächst über dieses Wörtchen der Norfoldschen trinitas verbi: Um Harmonie in einer Begegnung zwischen Wesen der lebendigen Welt zu erzeugen, nein besser: 'werden zu lassen', benötigt der Elf Einstimmung, gewissermaßen eine Synchronisation des eigenen Seins, des SELBST SEINs mit seiner Umgebung - diese repräsentiert das WELT SEIN, welches notwendigerweise für die Einstimmung eine gewichtige Rolle spielt: Denn wie könnte das SELBST SEIN des Elfen verschieden sein oder auch nur unabhängig von jenem Abschnitt des Sein-Tun-Kontinuums, welcher im gegebenen Augenblick nach Harmonie strebt? Dieses Streben wiederum - die werten Collegæ werden sicher dem Schluss des Kreises zu folgen vermögen - ist formendes Element, wie in jeder schaffenden und schöpfenden Entwicklung enthalten, ist WILLE. Doch aufgepasst! Wille bedeutet einem Elfen nicht Wille zur Macht, sondern der WILLE - und da möchte ich Collega Norfold ergänzen - ist dem Elfen SEHNSUCHT, i.e. Sehnsucht nach Harmonie, nach Konsonanz, wie sie allen Wesen, die Satinavs Wirken und TSAs göttliches Wunder erleben können, letztlich vielleicht gemeinsam ist!

So sehnen sich also WELT und SELBST nach Identität, nach Übereinstimmung - im Falle unseres speziellen Zaubers, i.e. des BANNBALADIN, besteht die Welt zuerst aus Lebewesen, aus anderen SELBSTs, mit denen der Elf in Übereinstimmung, in Harmonie zu treten ersehnt. Dies GESCHIEHT nun jedoch nicht einfach (im Gegensatz zum gildenmagischen Zauber, der deswegen tatsächlich 'einfach geschieht', weil er keinen Harmoniebedarf hat!), sondern erfordert eine Möglichkeit der Realisierung, ein Samenkorn, aus welchem jener Baum der Freundschaft erwachsen kann, in dessen Schatten sich echte communicatio ereignen kann - dabei ist nicht schwer einzusehen, dass zuallererst das WELT SEIN Bedingung eines Gelingens dieser Realisierung ist:

Ein Elf in der Gemeinschaft seiner Sippe mag Harmonie beständig vorfinden und sie zum Beispiel durch jenes Zaubergeschehen, welches wir BANNBALADIN benennen, nur noch in Sphären heben, die kaum einer der unsrigen einmal in der heimatlichen Familientrautheit erfahren wird… Stellen wir uns jedoch nun einen Elfen vor, der im brüllenden Schneesturm (wie er übrigens hier im nordweidener Firunsgrimm nicht selten ist) Zuflucht sucht an der Türe eines einsamen Blockhauses: das eines Bauern oder Einsiedlers, eines Menschen jedenfalls. Des Elfen Sehnsucht in dieser Situation wird uns nicht sehr fremd sein: Gemeinschaft und Wärme im Tosen der elementaren Gewalt, Leben spüren und Hoffnung auf neues Wachsen und Blühen im kommenden Frühling. Das SELBST ist hier sehr allein, ist einsam und bedroht in seiner Existenz durch Kälte und Frost. Die WELT ist in jenem Augenblicke konzentriert auf das Poltern im Innern der Hütte, auf den sich weitenden Spalt der schweren Tür, auf den Moment, in dem das Aug' des Zuflucht Suchenden den Blick des Einsiedlers trifft - Harmonie GESCHEHEN LASSEN ist die einzige Weise, hier zu überleben, ist das einzig Richtige, einzig Mögliche. Und Gemeinschaft mit einem Menschen, der dem Bedürftigen die Türe nicht versperrt, der TRAvias Gebote achtet und auch mit einem fremden Wesen gar die Wärme seines Herdes teilt - das mag auch für einen Elfen eine schöne Sache sein!

Nun, Collegæ, zugegeben ein nicht wenig prosaisches Bild, doch seht Ihr nicht auch, wie ich nun - halb spöttisch, halb traurig - fragen kann: "Und aus einem solchen Geschehen haben wir den BANNBALADIN gemacht?!" "'Geschehen'?" mögt Ihr zurückfragen, "im Beispiel ist doch nichts passiert, was einer Zauberhandlung auch nur ähnelte!" Und ich wäre versucht leise zu lächeln und zu erwidern: "Da mögt Ihr recht haben, doch wenn dem so ist, dann sage ich: das ist gut. Und wenn doch astrale Kraft geflossen ist, dann ist das nicht weiter erheblich, denn niemand hat den anderen in einer Weise 'bezaubert', die ein continuum von Welt durchbrochen hätte - alles, was zählt, ist Harmonie." Doch statt so zu antworten möchte ich der geneigten Leserschaft eine weitere situatio ad exemplum schildern, die vielleicht einen anderen Blick auf das wirft, was wir getrost (doch nichtsdestotrotz in gewohnter Vorsicht der Spekulation) als systema conditionum, i.e. als Bedingungsgefüge für diesen elfischen Zauber bezeichnen können:

Ein Elf begegnet einem Menschen, welcher gerade seine Axt an einen schönen alten Baum im Walde legt. Für den Elfen wird sich dieses Geschehen sicherlich als gravierende Dissonanz im Seinsollen-Gefüge darstellen, vielleicht so: das SELBST SEIN des 'Wesens Mensch' respektiert nicht das SELBST SEIN des 'Wesens Baum', respektiert nicht dessen Recht auf In-der-WELT-SEIN, respektiert auch nicht die harmonische Schönheit des Waldes als Lebensraum für vielerlei Kreatur, die den Baum als Nistplatz oder Schattenspender schätzen mag. Nun, es stellt sich sogleich die Frage, wie hier Harmonie geschaffen werden kann, wie der WILLE, die SEHNSUCHT des Elfen nach Konsonanz jene in den Wald einbrechende Brutalität des axtschwingenden Menschen schlichten kann. Eine Antwort mag sein (und meine Collegæ hier in Donnerbach hielten sie für durchaus plausibel), dass so mancher stolze Elfenjäger durchaus keine Skrupel hätte, diesen Menschen mit Pfeil und Bogen - verzeiht den Ausdruck - zu 'erlegen' und so seine missstimmige, dissonante Präsenz im Walde kurzum zu beenden. Zweifellos eignen sich dafür auch die im Zorn gesprochenen canti, welche wir FULMINICTUS oder BLITZ DICH FIND nennen - worauf ich mit diesem Beispiel jedoch eigentlich hinaus wollte, ist meine folgende Überzeugung:

Keinesfalls würde es dem Elfen auch nur entferntest in den Sinn kommen, in einer solchen Situation den BANNBALADIN zu weben - wie es für uns Magi und Magæ ja durchaus nicht fern läge -, denn dieser ist ein Zauber der Freundschaft (oder zumindest Freundlichkeit) und benötigt, wie zuvor schon dargestellt, ein Bedingungsgefüge, in welchem solche Freundschaft echt harmonisch und nur so auch wahrhaftig sein kann! Der Holzfäller ist von vornherein kein Freund des Elfen, denn es liegt im Wesen seiner Arbeit, dem harmoniebedürfenden WELT SEIN der Waldbewohner (also auch des Elfen) zuwiderzulaufen - für den Holzfäller gibt es gleichsam gar kein WELT SEIN im Wald und so ist denn auch entsprechend das SELBST SEIN des Elfen der Moment des Zorns und sein WILLE ist der Affekt, welcher Harmonie wieder herstellt - ein Zustand ohne den unverständigen Menschen, dessen SEIN schlicht nicht in den Weltkontext gehört, in dem es sich kontemporär befindet!


Eine persönliche Anmerkung sei mir gestattet: Ich selbst verehre neben der Weisen Herrin HESinde ihre Schwester, die Junge Göttin TSA, zutiefst und ich bemühe mich allzeit ihre Lehren zu achten und zu leben. Natürlich möchte ich es deshalb in principio nicht gutheißen, wenn der Elf in meinem Beispiel dem 'Wesen Mensch' eben das antut, was jenes sonst dem 'Wesen Baum' angetan hätte. Doch sagt mir mein Glaube auch, dass es nicht an mir ist, einen Elfen zu richten, dessen Handeln Teil einer wunderbaren Vielfalt ist, für die die Junge Göttin einsteht und in welcher ihre ordnende Hand wirksam ist.

Verzeiht die kleine Abschweifung. Ich hoffe sehr, die geschätzten Collegæ mit meiner Ausführung nicht ermüdet zu haben - es wäre schön, wenn sich Kritiker sowie Befürworter der Betrachtungsweise elfischer Magie, die hier entworfen wird und die wir vorläufig die Norfoldsche Trinitätstheorie nennen wollen, nicht zieren würden einige Zeilen mit ihrer begehrten Meinung niederzulegen und der Redaktion des Opus oder den Autoren selbst zukommen zu lassen!

Mit Gruß und Segen auch im Namen meines Collega M. Travian Norfold verbleibt
M.ex. Reiju Windfeder

Möge die Junge Göttin den wachsenden Baum eures
     Geistes zahlreiche Frucht tragen lassen!
Möge die Vielwissende Herrin euch mit der Weisheit
     segnen, nur die reifen Früchte zu ernten!

von: Tyll Zybura
Erschienen in Opus no. 91 am 14.1.2001 als Reaktion oder Fortsetzung zu Versuch einer allgemeinen Betrachtung der Magie der Elfen.
Zu diesem Artikel erschien folgende Reaktion oder Fortsetzung: Über die Elfische Verständigung.

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