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Der Schwarze Limbus    

22. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

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Der Allaventurische Beschwörungskonvent zu Brabak

Die Netze der Kraft - Commentariolum zur sphärengebundenen Magie

von Dratchur Meredin Hazar zur 10ten Stunde des 2. Efferd/Hranngar 1024 n.Bf in Brabak

Verehrte Collegae, geschätzte Beschwörer der Sphären, seid gegrüßt Magi der Bruderschaft und Freunde der Großen Grauen Gilde des Geistes.

Mein besonderer Gruß gilt jenen, die langen Weges bis zu uns nach Brabak geeilt sind, um dem ersten Allaventurischen Konvent der Beschwörung nach der Schlacht wider den Bethanier und wider den Götzen des Lichtes beizuwohnen. Aus der Ferne angereist grüße ich die Magister der Academia Limbologica, den Kanzler von Arkania, die Magister aus Mirham und Lowangen, das Kontingent aus Rashtul, den Abgesandten vom Konzil und die Freunde aus Punin. Möge der Tag euch Wissen schenken! Mein letztes Wort gilt meinen geschätzten Collegae aus Brabak, auch jenen bustirapi*, - magna cum laude.

Wie ihr wisst, befinden wir uns in schweren Zeiten. Die Feinde scheinen überall. Glaubenskriege, Fanatismus und Starrsinnigkeit kosteten für viele unter uns das Leben. Auch wenn wir nicht immer auf gleicher Front kämpften, so vereinte uns doch immer das Wissen um unsere Macht und um unsere Feinde, in profundis.

So beginne ich also mit meinem Vortrag, der zwei große Teile umreißen wird.

Doch zunächst ein Präludium in das Werk der Beschwörung

Die Macht, die Kraft einer Sphäre an sich zu reißen und diese in gelenkten Formen gegen die Feinde zu richten, ist das Grundwerk unserer Kunst. Oft stellen sich Probleme ungeahnten Ausmaßes, wenn es dem Beschwörer nicht gelingt die Kraft, die er um sich entfesselt hat, zu beherrschen und unter seinen Willen zu zwingen. Viele starben beim Versuch die Höchsten um sich zu vereinigen und wurden in den Mühlen der Niederhöllen, im limbus patrum oder in den Händen der Kraft zermahlen.

De facto gibt es verschiedene Dinge, die einem während der Beschwörung ungeahnte Hilfe zukommen lassen. Bei den Elementaren handelt es sich um eine magische Schale, bei den Dämonen um ein Schwert. Coagmentatio et coacervatio dieser Kräfte können einem Macht schenken, die ohne sie niemals möglich wäre. Also beschworen in den Tagen des Rattenkindes die Magister Farkya Corona Neres, Umbraskador Heitor il Brabak, Merefin Pericles Hefaron und ich selbst, Dratchur Meredin Hazar, den Dämon, der den Namen Quitslinga trägt, aus der Domäne des Iribaars und stahlen ihm Wissen, was die Beschwörung von Dämonen in ungeahnte Wege lenkte, als ultimum ratio unserer Forschung. Wichtige Erkenntnisse zur Kristallomantie der Echsen, die er uns offenbarte, will ich hier anführen, bevor ich auf die Forschung von uns selbst zu sprechen komme.

ad primum: Die Kunst des Echsenvolkes

Wie bekannt, kann man durch Pakte zu außerderischen Wesenheiten seine Macht vergrößern. In concreto bedeutet dies, dass besonders die Diener des Glaubens- und Paktführers im Falle der Daimonen geneigter sind einem zu folgen. Doch geschieht es oft, dass sich der anfängliche Machtgewinn schnell zum Negativen ausbreitet und die Betroffenen in den circulus vitiosus gezogen und von ihrem Herrn vernichtet werden. Ich kann mich nur wiederholen, verehrte Magi et Magae, Bindungen zu außerderischen Wesenheiten führen immer zu Machtverlust, der anfangs durch einige Bequemlichkeiten vernebelt wird. Auch die Beschwörer der Elemente versprechen sich einem Elementarherren, um besonders dessen Kraft zu verlangen. Die Folge tötet zwar nicht, doch raubt sie die Möglichkeit allen und keinem zu dienen. Die selben Vorteile wie im Falle eines Paktes sollen aber, wie wir seit den Namenlosen Tagen wissen, auch anders erreichbar sein, ohne die unsterbliche Seele zu verlieren. 

Wie vermag man den Geist eines Erzdämons an den Beschwörungsplatz zu zwingen, ohne mit ihm einen Pakt einzugehen?

In Kristallen und Edelsteinen ist es möglich Magie zu speichern. Ebenso ist es möglich einen Dämon in solch einem Artefakt mittels hoher Alchimie zu binden. Wie ich später erklären werde, besteht jeder Dämon doch aus den ungefähr gleichen "Stoffen", deshalb liefert ein niederer Diener weniger Kraft der Sphäre als ein hoher Gefolgsmann. Benutzt man nun den Stein, in dem die Essenz eines Dieners des Erzdaimonen gefangen ist, als Paraphernalie in einer Beschwörung, so erleichtert diese abhängig von der Macht des Gefangenen die Beschwörung und Beherrschung des neuen Dämons. Auf diese Weise gelang es den Echsenmagiern mittels in Edelsteinen gefangener Daimonen noch viel mächtigere zu beschwören und mittels dieser wieder deren Herrscher. Doch ist all dies nicht ungefährlich, da es auch abhängig von der Größe und Macht des Edelsteines ist, wie viel "Dämon" er aufzunehmen vermag. Ein mit zuviel Macht gefüllter Stein könnte den Gefangenen befreien. In concreto bräuchte man um einen Vielgehörnten aufzunehmen einen mehr als apfelgroßen Stein, perfekt in Schliff und Qualität, wie sie manchmal in verlassenen Kultstätten zu finden sind. Magische Gesteine wie der Gwen Petryl würden nach unserem jetzigen Stand der Forschung als letzter Ausweg auch zu verwenden sein. Da unsere Forschungen hierzu jedoch noch in ihren Anfängen stehen, lade ich auswärtige Magi dazu ein, mitzuforschen und vor allem an ihren Akademien die Kristallomantie in Verbindung mit dem Element mit diesem Wissen neu zu erkunden.

Die Macht der Sphären

Nun will ich mich vor allem den oben genannten "Stoffen" zuwenden. Die Frage, die ich mir hier stelle, ist um die eigentliche Existenz von Dämonen. Zweifelsohne sind sie Teil der Kraft eines Erzdämons. Doch existiert denn ein Erzdämon, oder ist er nur die gesamte Kraft einer Untersphäre der 7ten, die in unserer Sphäre in eine Gestalt gezwungen wird? Die menschlichen Vorstellungen über das wahre Gesicht eines Dämons müssen nicht der Wahrheit entsprechen. Nehmen wir an, die siebte Sphäre bestünde aus etwa 13 kleineren Untersphären. Jede Subsphäre wäre gefüllt mit einer für sich spezifischen Kraft. Alle Kraft einer Subsphäre bildet den sogenannten Erzdämon, kleinere Abschnitte bilden die Gehörnten und Niederen Diener. Wenn wir nun eine Beschwörung wirken, spannen wir ein Netz, in das wir durch einen kurzweiligen Sphärenriss fließende Kraft schicken. Dinge wie der Wahre Name eines Dämons in das Heptagonritual eingewebt, verdichten das Netz weiter, sodass es an Struktur und Form immer besser wird. Diese Kraft, die in der 3ten Sphäre eine Gestalt annehmen muss, bildet den Dämon. Je mehr Kraft das Netz füllt, und damit je größer das Netz ist, umso mächtiger wird der Dämon. Verständlich ist, dass solche Mengen an Kraft wiederum schwerer zu kontrollieren sind. Einige Fragen, die mir zu diesem Thema gestellt wurden, möchte ich hier, da viele die gleichen haben werden, gerne erörtern:

Sic rebus stantibus

Gilt all dies auch für die anderen Sphären, im Besonderen für die der Elementaren?

Aufgrund der Beschaffenheit der Sphären und ihrer wahrscheinlichen Entstehung kann man den Schluss dazu ziehen. Wird im speziellen die Beschwörung von Dämonen und Elementaren verglichen, lassen sich viele Gemeinsamkeiten finden. Golems wurden bisher mittels einer Anrufung eines der Erzdämonen geschaffen, seit Sultan Hasrabals Belagerung von Anchopal wissen wir, dass selbige auch aus dem Material der Elemente, hier der Sand der Khom, geschaffen werden können. Die klassischen Beschwörungsvarianten der Wesenheiten sind, wie ich denke, ebenfalls in den gröbsten Grundzügen ähnlich. Das Tertium comparationis ist, dass jeweils Kraft einer anderen Sphäre Dinge in dieser verändert auf ähnlichem Wege, und die Elementarbeschwörer mögen mir verzeihen, und mit ähnlichem Resultat. Macht es einen Unterschied, ob ein Je-Chrizlei-Ura oder ein Dschinn der Erbauer eines Gebäudes war? War die Schlacht für die Gewinner eine andere, wenn sie ihr Ziel durch die Kraft der Daimonen oder durch die der Elementaren erreichten? De facto führt alles zum gleichen Resultat, wenn der Geist beider Beschwörer gleich ist.

Kann man pure dämonische Kraft in eine Richtung lenken, ähnlich einem Kampfzauber, und damit nur eine kurze Brücke zur 7ten Sphäre erschließen?

Auch hier will ich den Vergleich zu den Elementarsprüchen anführen, wo es verschiedene Beispiele dafür gibt. Ist im Tlalucs Odem, Siech und Krank schon ein Ansatz dessen vorhanden, so ist es sicher, dass sich auch die anderen Domänen nach Kraft anzapfen ließen und somit eine Rotte an neuen Kampfsprüchen entstände.

Ist es möglich nur reine Kraft einer Sphäre zu beschwören?

Wie im Falle der Kampfzauber müsste dies möglich sein. Pure Kraft, die länger bestehen sollte, so wie bei Dämonen, müsste wieder in einem Netz gebunden werden, da sie sich ansonst verflüchtigen würde und dann würde wiederum kein Unterschied bestehen. Der einzig andere Weg, wie ich vermute, besteht darin, direkt in das Sphärengefüge einzugreifen und einen Riss zu schaffen, der die Kraft abfließen oder hereinfließen lassen würde. Doch sind die bisherigen Versuche damit meist in totalem Chaos geendet.

Kann man Kraft addieren? (ad exemplum: kann man 10 Zants zu einem Karmoth vereinen?) 

Auch hierzu kann ich leider noch keine genaue Auskunft geben. Der Weg dafür wäre also in theoreticum: Ein neues Netz würde gespannt, die anderen zehn würden ausgesaugt und in das eine gepresst. Die zuvor schon beherrschte Kraft würde in einem neuen Körper womöglich auch beherrscht bleiben und damit hätte man statt einer großen Armee einen mächtigen Streiter. Dieser Versuch ließe sich in diesem Fall auch umkehren. So könnte man eine riesige Armee in unglaublichem Aufwand schaffen, die nur durch ihre Masse kämpfen würde und jeder einzelne Streiter keine Macht hätte.

finis: Nun möchte ich noch weiteren Rednern die Gelegenheit geben zu sprechen. Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und hoffe, wiedereinmal in dieser Runde zu sprechen und dann die hier noch ungelösten Fragen zu beantworten. Am Schluss möchte ich noch eine Frage hinzufügen, bei der der Götterfürchtige unter euch mir verzeihen möge, doch denkt es im Theoretischen zu Ende:

Nach oben genannten Erkenntnissen lässt es den Schluss zu, dass auch die Kraft anderer Sphären beschwörbar ist. Lässt sich also auch Kraft der 5ten Sphäre beschwören? Können wir dann also die Götter zu Diensten zwingen, die ihren moralischen Grundfesten wiedersprechen?

So sprach 
Dratchur Meredin Hazar
p. t. Magister und Magicus zu Brabak, Fuerst v. Kagôrah 
auf dem Allaventurischen Beschwörungskonvent zu Brabak

* bustirapus (bosp.) = Grabraeuber, Leichenfledderer

Erschienen in Opus no. 102 am 1.4.2001.
Zu diesem Artikel erschienen folgende Reaktionen oder Fortsetzungen: Reactio ad "Die Netze der Kraft", Reactio ad "Die Netze der Kraft".

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