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Der Schwarze Limbus    

24. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

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De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I
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 Kommentar über die verwerfliche, doch ob ihrer unerklärbaren Komplexität durchaus als interessant zu bewertende Fluchmagie der Hexen und Hexer, welche sich selbst sind geneigt zu nennen 'Kinder Satuarias'

Nachdem wir unlängst genauer auf die verschiedenen uns bekannten Formen der satuarischen Fluchmagie eingegangen sind, wollen wir uns im Folgenden nun mit den diversen Techniken des Verfluchens beschäftigen, einem Gebiet, welches für uns noch immer weitgehend im Dunkeln liegt, da die wenigsten Hexen und Hexer sich gewillt zeigen, solcherlei Geheimnisse mit ihrer Gemeinschaft Fernstehenden auch nur ansatzweise zu teilen.

Selbst in gelehrten Kreisen herrscht noch immer die Meinung vor, seitens einer Hexe oder eines Hexers genüge ein einfaches 'Anathema sit!', und schon sei das Schicksal des unglücklichen Verfluchten besiegelt. Oh sancta simplicitas! Wer allen Ernstes annimmt, zu einer Verfluchung brauche es nicht mehr als den Willen zu selbiger, der irrt, wie man sich nur irren kann, denn Fluchen, man möge mir die Wahl meiner Worte verzeihen, ist in gewisser Weise wahrhaft eine Kunst, das müssen wir nolens volens anerkennen, und als solche will sie auch erlernt und beherrscht werden.

Zum einen bedeutet das nun also, daß durchaus nicht jede Hexe jeden Fluch beherrschen wird, daß es im Gegenteil wahrscheinlich sogar keine einzige Tochter Satuarias geben mag, die eben dies wirklich und wahrhaftig von sich behaupten könnte.

Zum anderen muß der satuarischen Gemeinschaft aus eben diesem Grunde jedoch wohl auch ein gewisses, intuitives Verständnis für magietheoretische Betrachtungsweisen unterstellt werden. 'Asinus ad Lyram!', höre ich da viele unter Euch ausrufen, werte Collegae. Doch obgleich sich die verschiedenen Fluchtechniken gewisslich nicht in das vergleichsweise beengte Muster einer hesindegefälligen Thesis werden pressen lassen, so scheinen die Kinder Satuarias doch mannigfaltige Wege gefunden zu haben, um durch bestimmte Verhaltens- und Vorgehensweisen einen spezifischen magischen Effekt zu erzielen, wie ihn die satuarischen Flüche nun einmal darstellen. Es ist dies ähnlich wie mit den uns bekannten Ritualen der Magica Conjuratio, bei welcher zum Erzielen desselben arkanen Effektes ebenfalls eine Vielzahl an rituellen Möglichkeiten offenstehen, die sich in vielfacher Weise voneinander unterscheiden mögen; genannt seien hier exemplarisch nur die schier endlosen Kombinationsmöglichkeiten von Paraphernalia, welche doch ebenfalls auf die verschiedenste Weise zum Gelingen einer Invokatio beizutragen vermögen.

So wurde mir unter anderem von einer Hexe berichtet, der es nicht möglich war, einem Menschen den 'Hexenschuß' anzuhexen, wenn es ihr nicht zuvor gelang, ihm kräftigst in den Rücken zu spucken. Ein reisender Händler erzählte mir wiederum, er habe in einer Herberge im Süden unseres Kontinents einen Sohn Satuarias durch die dünnen Wände seines Zimmers hindurch belauschen können, wie er einen Fluch, der seinem Opfer offensichtlich den Schlaf rauben sollte, in 7x7 Verse gekleidet habe, die zu großen Teilen Anrufungen seiner Gottheit beinhaltet haben sollen. Eine Vertreterin der Schwesternschaft des Wissens verriet mir hingegen, sie pflege bei der Vorbereitung von Verwünschungen verschiedene zerriebene Kräuter und Hölzer im Feuer zu verbrennen, um die für die Verfluchung benötigten astralen Energien freisetzen zu können. Die Techniken des Verfluchens scheinen also durchaus vielfältig und für Verallgemeinerungen prinzipiell ungeeignet zu sein, doch ohne Zweifel gibt es sie und sind sie notwendig, um das magische Phänomen eines satuarischen Fluches hervorzurufen.

Bezüglich der letztendlichen Übertragung von Verwünschungen auf das auserwählte Opfer verfügen wir allerdings schon über wesentlich zuverlässigere Wissensgrundlagen. So werden Flüche nach allgemeiner Überzeugung des Volkes hauptsächlich von den sogenannten Hexentieren überbracht, auf welche die jeweilige Verwünschung in einem vergleichsweise kurzen und, wie bereits erwähnt, meist individuell gestalteten Ritual übertragen wird. Kreuzt das Hexentier nun den Weg des Opfers oder blickt es den Unglücklichen auch nur an, so fällt die astrale Ladung gleichsam von ihm ab und fährt auf direktem Wege in den nun Verfluchten, bei dem sich die spezifischen Auswirkungen der Hexerei entweder sofort, oder aber binnen des nächsten Praioslaufes bemerkbar machen dürften.

Es darf allerdings als gesichert gelten, daß den Hexen und Hexern auch noch andere, wenn auch offenbar wesentlich kraftaufwendigere Möglichkeiten der Verfluchung zur Verfügung stehen. Am bekanntesten und verbreitetsten ist wohl die Verfluchung im Zorn, von der vielfach angenommen wird, daß die verfluchende Hexe schlicht und einfach eine entsprechende Verwünschung gegenüber dem Opfer äußern müsse, um den jeweiligen Fluch auf selbiges zu übertragen.

Diese Behauptung ist jedoch, Praios und Hesinde sei es gedankt, unhaltbar, sind es doch schließlich nicht die ausgesprochenen Worte allein, die in Wahrheit zur Übertragung des Fluches führen, sondern vielmehr die intensiven Gefühle von Haß, Zorn, Wut und Verzweiflung, die es der Hexe unter beträchtlicher Kraftanstrengung erlauben, den Weg eines langwierigen Rituals zum Erreichen ihres unheiligen Zieles zu umgehen.

Des weiteren hört man gelegentlich von angeblich verfluchten oder verwunschenen Gegenständen, welche den Erzählungen nach den ersten, der sie berührt, ins Unglück zu stürzen vermögen. Zu erklären sind diese Phänomene für mich durch das schlichte Fehlen eines Hexentieres, weswegen der oder die Verfluchende geneigt sein mag, sich einen anderen Gegenstand zu erwählen, auf den die jeweilige Verwünschung dann übertragen wird. Ein solches Ritual dürfte allerdings wesentlich kraft- und zeitintensiver sein, weswegen es auch aller Wahrscheinlichkeit nach weniger häufig praktiziert werden wird, da sich zudem die Schwierigkeit ergibt, wie man das verfluchte Objekt dem zu Verfluchenden zukommen lassen soll, ohne, daß es zuvor ein anderer als der Verfluchte selbst berührt.

Unzählige Märchen und Schauergeschichten berichten uns außerdem davon, wie gefährlich es sein kann, eine Hexe in den Besitz bestimmter persönlicher Dinge wie dem eigenen Haar, geschnittenen Nägeln, ausgefallenen Zähnen oder gar einiger Tropfen Blut kommen zu lassen, da diese Utensilien es den Kindern Satuarias angeblich ermöglichen sollen, selbst aus größter Entfernung und ohne das Opfer je gesehen zu haben, die entsprechende Verwünschung wirksam werden zu lassen. Obgleich diesen Geschichten meist ein gehöriges Maß an abergläubischen Übertreibungen anhaftet, welche der Göttin gefälliges Wissen niemals zu ergänzen, sondern stets nur zu trüben vermögen, sollte man diese Erzählungen nicht allesamt als Ammenmärchen und dummen Volksglauben abtun, denn auch ich stieß bei meinen Forschungen auf Hinweise, die durchaus für die Möglichkeit derartiger Rituale sprechen, wenngleich diese dann wohl ebenfalls ein gehöriges Maß an astraler Kraft verschlingen dürften und allem Anschein nach zudem nur des Nachts und auf ein schlafendes Opfer gewirkt werden können.

Zuletzt seien in dieser Aufführung noch die unheiligen Hexenfeste genannt, auf denen die Kinder Satuarias zuweilen zusammenfinden und gemeinsam ungeliebten Gegner ihrer Lebensweise einen Fluch anhängen sollen. Derartige Verfluchungen dürften wohl als die mächtigsten anzusehen sein, ist ihre Wirkungsdauer doch zuweilen scheinbar unbegrenzt, was zwar auch bei von einzelnen Hexen ausgesprochenen Flüchen vorkommen mag, jedoch obschon des enormen Kraftaufwandes in einem mehrköpfigen Zirkel natürlich weitaus einfacher und effizienter zu bewerkstelligen sein dürfte. Diese permanenten Flüche sind jedoch nicht mit den magischen Effekten zu verwechseln, welche eine Tochter Satuarias durch die längerfristige direkte Berührung ihres Opfers auszulösen vermag, und die selbiges zwingen können, eine bestimmte Aufgabe für die Hexe zu erledigen, denn hierbei handelt es sich erwiesener Maßen 'nur' um einen speziellen Zauber aus dem Bereich der Magica Controllaria, der von keinerlei auffälligen Nebenerscheinungen bei dem Verzauberten begleitet wird und dem sich ein starker Geist vergleichsweise häufig erfolgreich zu widersetzen vermag, was bei den 'echten' Hexenflüchen nicht der Fall ist, weswegen man es auch tunlichst vermeiden sollte, diesen Zauber mit eben diesen synonym gehen zu lassen, obschon es zwischen diesen magischen Phänomenen gewiß einige auffallend synchron verlaufende Parallelen geben mag. Einem wahrhaft permanent Verfluchten wird nämlich gewöhnlich auch binnen weniger Tage eine Aufgabe gestellt, die ihm entweder persönlich überbracht oder mittels einer Vision mitgeteilt werden muß und deren gewissenhafte Erfüllung oft der einzige Weg für den Unglücklichen sein mag, sich jemals wieder von dem auf ihm lastenden Fluch zu befreien, sofern sich kein auf dem Gebiet der Magica Contraria äußerst bewanderter Magus oder gar ein Geweihter der Zwölfe findet, der diese unheilige Last vorzeitig von seinen Schultern zu nehmen vermag.

Und eben dies, nämlich der Schutz vor und die Aufhebung von satuarischer Fluchmagie, wird das nächste Mal unser Thema sein, wenn der geneigte Leser auch weiterhin gedenkt, meinen bescheidenen Ausführungen über meine gesammelten Erkenntnisse auf diesem Gebiet gewogen zu sein und aufmerksam folgen zu wollen.

Rukus Ambrosius, Magus

von: Frank Brosow
Erschienen in Opus no. 11 am 28.3.1999 als Reaktion oder Fortsetzung zu De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I - 1.
Zu diesem Artikel erschienen folgende Reaktionen oder Fortsetzungen: Leserbrief zu De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I, 2, De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I - 3.

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