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Eskalation in Taseba!
Korrespondenz aus dem Káhet Ni Kemi von Marbert v. Mörsdorff

Sefechnu Seba, 16. FPE 28 S.G.; Nur sechs Wochen nach dem Mord an einem Horasier durch den Thorwaler Ragnar Hjalvarson droht die Situation auf der riesenhaften Baustelle in der Hauptstadt Tasebas erneut außer Kontrolle zu geraten!
Nur mit Mühe war es Akib Gorthin Anfang Phex gelungen, die Pilger horasischer und thorwalscher Abstammung davon abzuhalten übereinander herzufallen. Obwohl insbesondere von Seiten des Borongeweihten Boromeo Uludaz von Anfang an erhebliche Zweifel an der Täterschaft Hjalvarsons vorgetragen wurden, erkannte Akib Gorthin die Zeichen der Zeit und besänftigte die aufgebrachten Horasier durch eine unverzüglich verhängte drakonische Strafe. Nach wenigen Tagen, während derer die Horasier sich beruhigt und die Thorwaler sich - angesichts der in ihren Augen ungerechten Strafe für ihren Landsmann - aufzuregen begonnen hatten, wandelte Gorthin v. Oppstein sein Urteil in die sofortige und lebenslange Verbannung des Nordmanns um.
Durch dieses geschickte Vorgehen kam er beiden Bevölkerungsgruppen entgegen. Dennoch wurden die Unterkünfte der Horasier und Thorwaler an einander entgegengesetzte Enden des riesigen Pilgerlagers verlegt und den beiden Gruppen bei den Bauarbeiten Aufgaben zugeteilt, die praktisch jeglichen Kontakt zwischen ihnen ausschlossen. In weiser Voraussicht muss sich der Akib auch an den Mehib Ni Neu-Prem gewandt und ihm die instabile Lage dargelegt haben. Denn Kal'Tan hatte kurz darauf den Laguanaorden gebeten, einige der auf den Inseln befindlichen Truppen nach Sefechnu Seba zu senden, um den auf Dauer völlig überforderten Wachen des Akibs zur Seite zu stehen. Eingetroffen sind die Kirchentruppen bis heute allerdings nicht.
Bis gestern nun herrschte eine Atmosphäre, die der Ruhe vor dem Sturm glich. Zwischen Liebfeldern und Nordmännern herrschte ein "kalter Krieg". Hasserfüllte Blicke kreuzten sich, wenn Angehörige der beiden Volksgruppen sich zufällig bei einem der abendlichen Besuche in Sefechnu Seba begegneten. Sie steigerten sich in den späteren Abendstunden zu Beschimpfungen und am frühen Morgen schon Mal in handfeste Auseinadersetzungen, die durch den Akib mit der sofortigen Ausweisung aller Beteiligten aus Taseba geahndet wurden. Da sich die Zahl der neu ankommenden Pilger und derjenigen, die ihren Dienst für beendet sehen, mittlerweile eingependelt hat und sich ungefähr die Waage hält, konnten auch die eigentlichen Arbeiten an dem Tempel - ohne größere logistische Probleme - bis zum gestrigen Tag einigermaßen voranschreiten.
Seit heute aber scheint sich das Reich des Namenlosen der blühenden Stadt im Süden Aaresys und vor allem der Baustelle am Haus des - bis gestern - immer prachtvoller erstehenden Hauses unseres Herrn Boron bemächtigt zu haben! Denn im Morgengrauen war wieder ein Horasier tot aufgefunden worden: mit einer thorwalschen Axt im Schädel!
Es dauerte nicht lange, bis die heißblütigen Einwanderer aus dem Alten Reich sich bewaffneten und in unkontrolliertem Zorn zu den Unterkünften der Thorwaler begaben. Ein blutiger Kampf entbrannte. Die rasch an den Ort der Auseinandersetzung geeilten Wachen trauten sich kaum in den auf Leben und Tod geführten Kampf einzugreifen. Erst nachdem die Thorwaler langsam die Oberhand zu gewinnen begannen und die kurz vor dem Wahnsinn stehenden Horasier den Rückzug antreten mussten, hinderten die Bewaffneten des Akibs die beinahe berserkerhaften Hjaldinger daran, den Liebfeldern nachzusetzen. Doch die Wut der ins Mark getroffenen Seeleute ist wohl nicht mehr zu bremsen. Nachdem sie davon abgehalten worden sind, sich direkt über ihre Feinde herzumachen, haben sie sich deren Werk als Ziel gewählt: wie ein Schwarm Heuschrecken über ein noch nicht abgeerntetes Feld herfällt, so haben sie begonnen, alle Teile des Bauwerks, die von horasischen Arbeitern, Handwerkern oder Steinmetzen hergestellt worden sind, kurz und klein zu schlagen - denn: "Kein Handschlag der Frevler soll am Haus des Herrn Boron zu sehen sein!"
Damit jedoch hatten sie den Bogen überspannt. Unmittelbar nachdem das Hilfsgesuch seiner Hochwürden Uludaz bei Akib Gortin eingetroffen war, befahl dieser die Aushebung der Bürgerwehr. Während die wenigen Wachen des Akibs auf der Baustelle ihr Möglichstes taten um schlimmeren Frevel zu verhindern, konnte die Bürgerwehr erst gegen Abend massiv eingreifen. Angesichts des geballten Aufmarsches aller bewaffneten Bürger der Stadt ließen die Thorwaler schließlich von ihrem Werk ab. Der sonst so ruhige Boromeo Uludaz forderte zwar umgehend die Bestrafung der Meute, ließ sich jedoch damit beruhigen, dass das Lager der Thorwaler zukünftig unter der Bewachung der Bürgerwehr stehe.
Während der folgenden Nacht vibrierte die Luft im Pilgerlager geradezu vor Spannung, und im Morgengrauen kam es schließlich zu einer letzten Eskalation. Denn nachdem einige Thorwaler sich mit ihren "Bewachern" von der Bürgerwehr eine Prügelei geliefert hatten, befahl Akib Gorthin die Verhaftung aller Unruhestifter. Dadurch kam es im Pilgerlager beinahe zu kriegsartigen Zuständen, als die Wachen des Akibs und die Bürgerwehr gegen die Thorwaler und auch gegen einige Horasier vorgingen um deren jeweilige Wortführer zu verhaften. Nachdem viele Menschen in den Kämpfen teilweise schwer verletzt worden waren, musste sich Akib Gorthin damit begnügen, nur die bekanntesten Hitzköpfe und Aufrührer gefangen zu nehmen, um sie so schnell wie möglich von der Insel zu schaffen und vor ihren Richter zu bringen. Inwiefern die restlichen Thorwaler und Horasier ihren gegenseitigen Hass nun unter Kontrolle halten können, wird die Zukunft zeigen.

von: Marco Schrage
Erschienen in Opus no. 111 am 10.6.2001.

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