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Der Schwarze Limbus    

20. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Leserbrief zu De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I, 2

An die Redaktion des Opus

Sehr geehrte Collegae,

Da Ihr Interesse an meinen Kommentaren zu den Schriften von R. Ambrosius wohl gegeben ist und ich eine Suppe, die ich mir einmal eingebrockt habe, wenn dann schon gründlich auslöffle (mir sei dieser Vergleich verziehen), habe ich erneut einen Leserbrief verfaßt. Denn auch in dem aktuellen Artikel (Opus vom 27 Efferd 29 n. Hal, "De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I, 2") meines geschätzten Collega sind einige Ungereimtheiten enthalten.

Mit herzlichen Grüßen und aufrichtigem Dank für die Ihnen entstandene Mühe,
Thundar Hurlemanoff


Werter Collegus Ambrosius,

Als ich Euer aktuelles Werk - "De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I, 2" - las, dachte ich mir zuerst, daß ich Euch wohl zuvörderst die Gelegenheit geben sollte, zu meinen Vorwürfen Stellung zu beziehen, bevor ich Euch mit neuerlichen konfrontiere. Dann jedoch hegte ich die Befürchtung, daß man mein Schweigen als Zustimmung deuten könnte, und das wollte ich dann doch verhindern. Zwar ist Euer zweiter Teil schon etwas besser geraten, als der erste, aber dennoch gibt es einiges dazu anzumerken.
Um Ihnen, werter Collegus, und auch den Lesern des Opus die Gelegenheit zu geben die beiden Texte direkt zu vergleichen, will ich versuchen mich an Eure Gliederung anzulehnen.

Zu Eurem Einleitungssatz habe ich ja schon das letzte Mal Stellung genommen, und ich will es Euch zu Gute halten, daß Ihr den Text wahrscheinlich schon der Redaktion sandtet, bevor Ihr die Gelegenheit hattet meinen Brief zu lesen; es also nicht Eurer Starrsinnigkeit zuschreiben.
Schon im ersten Abschnitt Eures Briefes jedoch kann und muß die Kritik einsetzen. Ihr scheint Euch da mal wieder zu lange in der Schenke herumgetrieben zu haben! Es ist einer Hexe sehr wohl möglich "aus dem Stand heraus" einen "Fluch" zu wirken. Die auszuführende Technik mag von "Fluch" zu "Fluch" und auch von Hexe zu Hexe verschieden sein - je nachdem von wem sie den Fluch lernte, aber ist das gleich so erstaunlich, daß man dies als Grund sieht, einige - zugegeben ganz nette - Geschichten in ein wissenschaftliches Traktat einzubauen? Inspiziert allein die Thesis des A
NALÜS ARCANSTRUKTUR genauer, und Ihr werdet regionale Unterschiede feststellen. Noch deutlicher sichtbar wird es bei elfischen Sprüchen: Je nachdem ob sie von einem elfischen Lehrmeister erlernt wurde, oder von einem Gildenmagier, unterscheidet sich die Art wie sie gesprochen werden. Doch nicht alleine die Art des Wirkens, auch das Arkane Liniennetz unterscheidet sich geringfügig. So berauschend neue Erkenntnisse sind das nun wirklich nicht mehr. Wenn ich dann kurz darauf auch noch Eure erneute "Propaganda" lese: "[...] Fluchtechniken gewisslich nicht in das [...] Muster  [...] Hesindegefälligen Thesis [...]". Warum sollte die eine Art der Göttin eher gefällig sein als die andere? Sind den die trockenen, gereimten Sprüche und die dabei überlieferten Gesten HESinde gefälliger als gesungene Elfenzauberei? Was ist falsch daran, wenn ein Druide oft keinen Ton von sich gibt, während er zaubert? Ja habt Ihr denn noch nie unter der Wirkung eines SILENTIUM zaubern müssen? Wenn ja: War das dann auch nicht HESinde gefällig? Ich glaube vielmehr, daß es nicht HESinde gefällig ist, wenn dauernd irgendwelche beschränkten Menschen - und das sind wir in diesem Sinne alle! - beschließen, was der Göttin zu gefallen hat und was nicht!
Mit der nämlichen Begründung könnte nun auch ein Druide unsere Rituale - die Erschaffung von Stab, Kugel, Schwert und Schale und die auf diese gelegten Zauber - als nicht der Sumu gefällig bezeichnen, da sie ihm vorenthalten bleiben. Es ist doch schön, wenn sich nicht ganz Dere in ein Schema pressen läßt. Habt ihr denn nicht erkannt, daß die Abwechslung das ist, was den Göttern auf jeden Fall gefällig sein muß? Sonst ähnelten wir uns nämlich wie ein Ei dem anderem - und selbst Eier haben verschiedene Formen und Farben. Geht heraus aus Eurer Studierstube (ohne gleich die nächste Kaschemme zu betreten und macht die Augen auf - ihr könnt dabei mehr lernen als Ihr es in Eurer Stube je fertig brächtet.
So Ihr dann in Eure Stube zurückgekehrt seid, überlegt Euch doch einmal den Unterschied zwischen Paraphernalia und einem Ritual. Paraphernalia sind nichts anderes als die Würze. Beschworen wird eine dämonische Wesenheit an sich immer gleich. Ihr werdet also erkennen müssen, daß Euer Vergleich hinkt; man kann eine solche Entität sogar ohne Kenntnis des genauen Namens und ohne eine einzige, ihm gefällige Substanz beschwören - praktisch natürlich keineswegs zu empfehlen. Diese "Vielzahl an rituellen Möglichkeiten" gibt es also eigentlich nicht. Das Ritual bleibt stets das gleiche! Wie bei den Hexenflüchen eben auch...

Es folgen einige der von Euch augenscheinlich vielgeliebten Volksmärchen - die sicherlich ab und an auch einen wahren Kern haben, auf die einzugehen ich mir aber erspare. Nur soviel: Ihr solltet vielleicht in weiteren "wissenschaftlichen" Publikationen davon absehen, dauernd Volksglauben zu zitieren (es sei denn natürlich die Publikation hätte eben diesen zum Thema). So finden sich zum Beispiel in "Druidentum und Hexenkult - Die Macht des eisernen Willens" ebenfalls Hinweise auf die Rolle des "Hexentieres"; und aus einem solchem Werk zu zitieren steht einem Magus wohl ohne Zweifel weit besser an, als ständig die Überzeugungen der Plebs zum besten zu geben.

Immerhin scheint Ihr entweder ab und an richtige, eigene Schlüsse zu ziehen, oder aber ihr habt tatsächlich "Angst - ein menschliches Phänomen" gelesen. Ihr habt natürlich damit recht, daß bei einer Hexe - genau wie ein Magier auch, nur noch viel stärker und offensichtlich auch verstärkend - die Zauberei von den Gefühlen abhängt, die in ihr wirken. Zumal wenn diese Gefühle stark sind. Zu ergänzen wären bei Eurer Aufzählung noch Liebe und Abscheu, aber auch Boshaftigkeit im schelmischem Sinne.
Auch im nächsten Abschnitt, wo Ihr permanente "Flüche" abhandelt, zieht Ihr eigene Schlüsse, die wahrscheinlich sogar stimmen; aber könnte es nicht auch sein, daß einer Hexe diese "Bestrafung" meist einfach als zu hart erscheint? Ja, daß sie sich vielleicht erst noch mit ihr Gleichgesinnten beraten will, ob das Strafmaß angemessen erscheint? Das wäre erst noch zu erforschen.

Im folgenden Absatz jedoch habt Ihr Euch wieder von Eurer oberflächlichen Seite gezeigt. Wie könnt Ihr nur behaupten kraft Eurer "Forschungen auf Hinweise, die durchaus für die Möglichkeit [...]" sprechen Rituale vermittels Haaren, Nägeln, Zähnen oder gar Blut abzuhalten? Einmal abgesehen davon, daß sich in diversen alten Büchern seitenlange Abhandlungen über das Unbrauchbar machen von Haaren, Zähnen und Nägeln für die Ritualmagie findet (z.B. "Essentia Obscura - Das Wesen des Unbekannten" - um nur eines der bekannteren zu nennen) scheint Ihr ja nicht einmal "unsere" eigenen, gildenmagischen Rituale zu kennen, geschweige denn die der Druiden! So erfordert die rituelle Fertigung der Schale ja auch das Auswaschen mit eigenem Blut; von den Druiden hingegen ist uns ja bekannt, daß diese vermittels einer Haarlocke oder ähnlichem eine Art Beherrschung über das Opfer ausüben können (auch hier hilft, HESinde sei Dank, der universelle BEHERRSCHUNGEN BRECHEN, so man die Beherrschung erst einmal erkannt hat). Was für Forschungen waren das also, die Ihr hier wieder betrieben habt?

Zu guter letzt gibt es zu den "Hexenfesten" noch einiges zu sagen! Etwas weniger prosaisch betrachtet haben Hexenfeste vor allem einmal einen einzigen Sinn und Zweck: Vermittels eines großen Rituals wird während dieses Festes die Flugfähigkeit der Hexen bis zu ihrem nächstem Treffen sichergestellt. Es geht dort - das möchte ich keineswegs bestreiten - bisweilen auch recht "RHAjagefällig" zu, womit nicht nur die Kleider gemeint sind. Ansonsten jedoch werden dort vor allem Erfahrungen ausgetauscht, Geschichten erzählt, gemeinsam gegessen, getrunken, getanzt und gelacht - kurz es ist einfach eine Feier zu der "Hex" sich trifft. (Ähnlich einem unserer Konvente, nur regelmäßiger und nicht so knöchern-verstaubt.) Was daran nun schon wieder unheilig sein soll, ist mir ein Rätsel. Allerdings habe ich mir selbst von einigen Hexen berichten lassen, daß es durchaus auch andere Feste geben soll; es soll pervertierte Zirkel geben, bei denen der Ausdruck unheilig wohl recht treffend ist. Allein alle über einen Kamm scheren zu wollen ist sicher nicht korrekt (auch unter den Gildenmagiern gibt es Gestalten, die man wohl wirklich nur mehr als unheilig bezeichnen kann).
Zu den auf den "Festen" gewirkten Zaubern bleibt noch zu sagen, daß gerade der von Euch, werter Ambrosius, erwähnte Zauber oft bei Treffen Gebrauch findet (- wohl sogar weitaus häufiger als irgendwelche mächtigen, permanent wirkenden Flüche). Dieser Spruch stellt eine effektive Methode zum Schutz der Gemeinschaft dar. So werden anwesende Personen, die nicht der Gemeinschaft angehören, wie zum Beispiel Musikanten, dadurch (im übrigen recht effektiv) daran gehindert, Einzelheiten wie Ort, Zeit, Namen der Anwesenden und ähnliches zu verraten. Auch ist dieser Zauber wohl schwerer aufzuheben als so mancher Fluch, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Flüche jedoch lassen sich in ihrer Wirkung - als Tip für die restlichen Leser - außer von einem Geweihten der Zwölfgötter und einem äußerst bewanderten Magus natürlich auch von einer bewanderten Maga und außerdem oft auch von Druiden oder eben Hexen aufheben.

Mit kollegialen Grüßen,

Thundar Hurlemanoff
Absolvent der Academia Arcomagica
Scholaque Arcania Puniensis
- zur Zeit auf Reisen -
Post bitte an: elementarist@geocities.com

von: Florian Kreuzinger
Erschienen in Opus no. 12 am 5.4.1999 als Reaktion oder Fortsetzung zu De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I - 2.
Zu diesem Artikel erschien folgende Reaktion oder Fortsetzung: Commentariolus zum Leserbrief (zu De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I, 2).

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