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Der Schwarze Limbus    

22. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

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Aufnahme der neuen Scolaren an der Academia Limbologica

Aus der Rede des Lehrmeisters Eborëus Zachariad an die neuen Scolaren:

Mit gestrenger Mine betritt Eborëus den Raum, in dem sich mittlerweile alle Neuankömmlinge eingefunden haben. Als die jungen Scolaren den adeptus bemerken, verstummen sie und blicken voll Ehrfurcht zu ihm hinaus. Eborëus stellt sich zum Rednerpult, verschränkt die Arme, wobei er sich auf das Pult abstützt, und beginnt mit lauter Stimme und ernster Mimik zu sprechen:

"Scolaren! Ich möchte mich nicht länger mit einführenden Worten aufhalten, die ihr ohnehin bereits von den anderen Lehrmeistern zur Genüge vernommen habt. Ich möchte gleich in medias res gehen und euch einiges über die kommenden Jahre, die nur manche von euch bis zum Ende hier verbringen werden, sagen.
Ihr werdet euch während eurer Ausbildung an der Academia Limbologica etliche Ziele stecken müssen, die ihr nur durch Fleiß und harte Arbeit erreichen werdet können. Ihr werdet diese Ziele niemals aufgeben und hart daran arbeiten, dass ihr sie auch immer erreicht. Eure Ziele müssen Prinzipien sein, Prinzipien des Lebens: Einmal gesteckt und aufgestellt, dürft ihr sie niemals wieder verändern! ..."

Eborëus legt eine kurze Pause ein, in der sich seine Gesichtszüge deutlich entspannen, sodass er weitaus freundlicher dreinblickt als zuvor - dann fährt er mit sanfter Stimme fort:

"So oder ähnlich hätte eine Begrüßungsrede ausfallen können, die euch an anderen Akademien und von anderen Lehrmeistern vorgetragen worden wäre. Doch ich möchte nun, dass ihr vergesst, was ich soeben gesagt habe, und stattdessen möchte ich, dass ihr euch eine Geschichte anhört. Meister Achmed ibn Mhukkadin al Ghunar, der novadische Lehrmeister, den einige von euch sicherlich schon kennen gelernt haben, hat uns durch die unnachahmliche Art und Weise der Tulamiden - äh, ich meine natürlich: Novadis - des Öfteren schon bewiesen, wie lehrreich Märchen, Mythen, Sagen und Geschichten sein können. So höret denn über eine Ausfahrt einiger junger Adepten."

Eborëus verlässt das Rednerpult, schreitet vom Podest herab und setzt sich mitten in den Kreis der neuen Scolaren. Dann beginnt er zu erzählen:

"Es war einmal eine Gruppe junger Adepten, die eines Tages von der Residenzstadt Vinsalt aus eine Ausfahrt in die Landschaft unternahmen. Am Abend, als die Zeit der Rückkunft schon nahe war, fuhr die Reisekutsche, mit der die vier unterwegs waren, plötzlich langsamer, sodass man glauben konnte, man habe Vinsalt, ein paar Stunden zu früh, schon erreicht. Es ruckte einige Male, so als wisse der Kutscher nicht so recht, was er tun, ob er anhalten oder ob er weiterfahren solle, schließlich aber blieb die Kutsche auf freiem Feld stehen.
Die harmlose Gesellschaft, die vom Tag müde war, blieb zunächst still. Einige schlugen die Augen auf, einige machten sie wieder zu und legten die Köpfe zurück in die gepolsterten Ecken. 'Das Stadttor wird schon geschlossen sein', sagte einer, als nichts geschah. 'Eine Kuh steht auf der Straße', meinte ein anderer. 'Typisch Horasreich', sagte der dritte, der aus Weiden kam.
Aber auf die Frage des vierten zum geöffneten Fenster hinaus, was der unplanmäßige Halt zu bedeuten habe, sagte der Kutscher, der neben der Straße die Kutsche entlangging: 'Wir können nicht weiter; die Stadt ist nicht mehr da, wo wir hin wollten.' "

Erwartungsvoll blickt Eborëus in die Runde, während er die Geschichte und ihren nicht sofort klar erkennbaren Sinn auf die jungen Scolaren wirken lässt. Dann erhebt er sich und verkündet mit lauter Stimme:

"Denkt über diese Geschichte gut nach. Überlegt euch, wie es sich mit euren Zielen verhält, die ihr aufzusuchen oder zu erlangen gedenkt. Nicht dass es euch eines fernen Tages so ergeht, wie dieser Reisegruppe, deren Ziel nicht mehr da war, wo sie hin wollte."

Mit diesen Worten verlässt Eborëus den Raum, ein Lächeln im Gesicht ob der eifrigen Diskussionen im Lehrsaal.

adeptus maior Eborëus Zachariad

von: Philipp Schumacher
Erschienen in Opus no. 149 am 7.4.2002.

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