Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

16. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

Titelblatt
Compilationen
- Artikel hinzufügen
Archiv
Compages
Suche
meistbetrachtete Artikel
zufälliger Artikel
Umfragen
Redaktion

Menü verstecken


De Natura Daimonii

Von Chaos und Brodem – Abhandlung über die Wesenheiten der Siebenten Sphäre
verfasst von Meister Barius von Charypso
Magister der Academia Limbologica

Partum quartum
Der Herr des eisigen Weges, der ewige Jäger, Nagrach, der frostige Verderber der Seelen

Selbst hatte ich noch nie direkten Kontakt zum eisigen Verfolger, habe ihn oder einen der Seinen noch nie selbst beschworen noch war ich je bei einer Beschwörung anwesend – bis zu dem Zeitpunkt, als durch eine Fügung der Götter ein verwitterter Nivese Namens Arjuk während einer Expedition in den Norden mit dem Auftrag einen seltenen Stein zu finden direkt in meine und meiner Begleiter Hände schneite:
Kälte – alles was ich noch spürte oder woran ich noch denken konnte war die Kälte und der Schmerz in meinen Gliedern. Meine Hände waren gefesselt und ich war schon viele Male in den kalten Schnee gefallen, beinahe nicht mehr in der Lage mich auf den eigenen Beinen zu halten. Doch sie trieben mich immer weiter. Ich konnte kaum meine eigene Hand vor den Augen sehen. Der Schneesturm war so stark, dass nur noch eine weiße Wand mich zu umgeben schien. Doch dann sah ich plötzlich wie vor mir der Umriss von etwas äußerst Großem erschien. Zuerst erkannte ich es nicht, doch als wir näher kamen wurde es immer deutlicher: Ein gewaltiger Wasserfall mitten im Nichts einer endlosen Eiswüste. In der Kälte war selbst der gewaltige Wasserfall vor uns zugefroren und eine schier undurchdringbare Wand aus haushohen Eiszapfen versperrte uns den Weg. Da trat der geheimnisvolle Schamane vor und legte seine bloße Hand auf das Eis des Wasserfalls. Minuten stand er dort unbewegt. Nicht einmal zu atmen schien er noch, als plötzlich das Eis unter seinen Händen zu krachen begann und wie durch einen übermenschlichen Hammer getroffen die Eiswand vor dem Schamanen in tausend Splitter zerbarst. Der Weg war frei. Mit einem rauen Stoss trieb mich mein Bewacher wieder vorwärts und in Eile durchschritten wir das geschaffene Tor um in eine riesige eisige Höhle zu kommen. Es war völlig finster darin, aber meine Begleiter schienen dennoch ihren Weg unbeirrt zu finden und trieben mich in schnellem Tempo voran. Ich weiß nicht, wie lange wir dort gingen, aber es war lange genug, dass ich völlig die Orientierung verloren hatte, als plötzlich ein kleiner Lichtschein aus der Ferne zu sehen war. Wir gingen auf ihn zu und wie sich herausstellte, war es eine Öffnung, eine Öffnung die auf ein riesiges freies Feld aus Schnee und Eis führte. Dort war es völlig windstill doch erstaunlicher Weise noch um vieles kälter als noch Stunden zuvor inmitten des Sturms. Doch schien die Kälte hier anders zu sein. Sie schien nicht nur von außen sondern auch in gewisser Weise von innen zu kommen. Mehrere Menschen waren an dem Ort versammelt, zu dem ich gebracht wurde: Es war eine riesige Eisspalte inmitten eines in den Schnee gezeichneten Sterns. Die anwesenden Leute waren allesamt in weiße Pelze gekleidet und trugen bläulich funkelnde Steine an ihrer Stirn. Ihre Gesichter waren hinter schneeweißen, regungslosen Masken verborgen, sodass jeder von ihnen so leblos anartete wie die Eiswüste selbst. Ich wurde von meinem Begleiter direkt an die tiefe Eisspalte gebracht und dort an einen aus dem Schnee ragenden Pfosten gebunden. Ich hatte keine Ahnung was mit mir zu geschehen hatte aber ich ahnte dass etwas hier vor sich ging von dem ich lieber nicht gewusst hätte – und ich ahnte dass ich ein zentraler Teil dieses Etwas sein sollte. Und dennoch empfand ich keine Angst – Die Kälte in all meinen Gliedern schmerzte so sehr, dass selbst die Angst wie all meine Gefühle und Gedanken wie eingefroren waren. Stundenlang muss ich dort an diesem Pfosten gestanden haben, denn vor Kälte und Hunger schwanden mir die Sinne. Als ich wieder erwachte war ich immer noch an der selben Stelle, doch ein lautes Gebrüll und Gestöhne war von allen Seiten um mich herum zu vernehmen. Ich sah mich mit geschwollenen Augen um und konnte nur schwerlich erkennen wie 7 der zuvor erkannten Gestalten an den Enden des in den Schnee gezeichneten Sterns Aufstellung genommen hatten und gewaltige, seltsame Laute von sich gaben. Auch andere Gefangene waren auf einmal da. Direkt neben mir stand eine Frau, ebenfalls an einen Pfosten gefesselt und zu meiner Linken ein anderer Mann. Er schien noch immer von Sinnen zu sein. Ich bekam Angst – nicht die Angst mein Leben zu verlieren – die hatte ich schon seit Tagen überwunden, als ich mich bereits im Schneesturm mit meinem Tod abgefunden hatte und begann ihn gar nicht als so schlimm zu empfinden – nein ich hatte Angst, dass etwas Schlimmeres als der Tod hier auf mich lauern könnte. Und ich hatte recht. Denn mit einem Mal begann es zu zischen und eine Wolke aus Eis und Schnee brauste mit lautem Krachen und Heulen aus der Eisspalte vor mir empor. Die undurchdringliche Wolke war kälter und gewaltiger als alles was ich je gesehen hatte. Unendlich schnell schien sie sich wie ein Orkan um ihre eigene Achse zu drehen und bestrebt zu sein alle um sich herum in sich aufzusaugen. Meine Sinne erstarrten und eisiger Frost durchzog all meine Glieder, als ich sah, dass das vor mir nicht nur eine Wolke aus Schnee war: Zwei leuchtende, leblose aber riesige Augen erschienen plötzlich in ihrem Inneren und ein Schlund aus Eis und Frost tat sich unter denselben auf, der alles zu verschlingen suchte. Ohrenbetäubendes Gebrüll brach hervor und die Augen starrten auf die dargebotenen Opfer, als ich plötzlich bemerkte, dass meine Fesseln durchschnitten wurden. Mit einem Mal war mir bewusst, was ich zu tun hatte. Ich wandte mich um und begann zu laufen. Und die anderen Gefangenen taten es mir gleich. Ich fragte mich nicht warum ich freigelassen wurde, noch wie es den anderen gelungen sein konnte, sich zu befreien, ich nahm nichts mehr rund um mich wahr – denn ich wusste, dass ich nun um mein Leben und um meine Seele zu laufen hatte. Ich rannte voller Schmerz in den Beinen und immer wieder hörte ich hinter mir das Gebrüll dieses Unwesens und die Schreie anderer Menschen – gar meiner Mitgefangenen. Ja so musste es sein – denn ich war plötzlich allein – alle anderen hatte ich zurückgelassen, doch das Heulen des Dämons konnte ich noch immer in meinem Rücken hören. Meine Kräfte wurden schwächer und meine Sinne begannen zu schwinden. Ich rief ein Gebet an alle Götter und im Besonderen an den Herren des Nordens und während ich dabei war, mein Leben endgültig aufzugeben, erhörte er mich. Vor mir erschienen die Schemen von 4 Männern. Ich wusste nicht, ob ich dort Hilfe finden konnte, doch ich lief direkt auf sie zu und warf mich vor ihnen in den Schnee. Sie schienen nicht allzu überrascht, denn sie schenkten mir keine Aufmerksamkeit – vielmehr starrten sie hinaus in die Richtung, aus der ich gekommen war. Und dann hob einer von ihnen einen Stab. Das Heulen hinter mit wurde immer lauter und Kälte zog erneut in mir auf, je länger ich am Boden lag – da hörte ich eine Stimme schreien: "Cede Daimon – in Nomine Deorum!" Und dann sah ich wie die vier Unbekannten ihre Hände nach vorn streckten und mit einem Male war die Luft erfüllt mit Flammen. Ein Meer der feurigen Glut ergoss sich aus ihren Fäusten – und dann schwanden mir erneut die Sinne….“

Ad Primum: Was ist Nagrach?
Wie man schnell vermutet und vielleicht sogar weiß, wenn man meine letzten Artikel gelesen hat, ist Nagrach ein Erzdämon der Elementares. Als in seinem Wesen und in vielen anderen Dingen vergleichbar mit der schon in ihrem Sein beschriebenen Charypsa. (siehe dort)
Wie alle Elementares ist er eng an sein Element – in diesem Fall an das ewige Eis gebunden – und so sehr er es hasst, so sehr braucht er es, um auf dieser Welt Gestalt annehmen zu können. Ihm gegenüber stehen zum einen der Herr des Elements Eis und auch das ganze Element mit all seinen Repräsentanten, sowie der Gott Firun. Wie alle Elementares vergleicht man Nagrach nicht nur mit einem Element, dem er zugetan ist, sondern auch mit einer diesem Element zugeschriebenen Eigenschaft und Tätigkeit. So ist es die menschliche Eigenschaft des Starrsinnes, welche die Nagrachsche Essenz im Menschen darstellt, die wie alle daimonischen Essenzen (Hass, Neid, Gier...) laut mancher Forscher vom Namenlosen selbst in unsere Herzen gepflanzt worden sein soll. Die bevorzugte Tätigkeit, die Nagrach eigen ist, ist die Jagd. Wie auch der Herr Firun wird Nagrach für die gute Jagd gerufen, doch ist es wie bei allen Daimonen so, dass seine Jagd nicht dieselbe ist, wie die göttliche: Er strebt im ersten Sinne danach die Opfer zu quälen, sie zappeln zu lassen und dann vor allem sie zu töten. Während die Firunsche Jagd stets Mittel zum Zweck (und zwar Nahrung und Kleidung zu gewinnen) ist, ist die Nagrachsche Jagd Selbstzweck, wie der Gelehrte sagt.

Ad Secundum: Die Domäne des Eises
Wie bei vielen Elementares, sind auch bei Nagrach eine Vielzahl von untergebenen Dämonen bekannt und man kennt auch in seiner Domäne die Möglichkeit Daimoniden zu bilden – also seine Dämonen an die 3. Sphäre zu binden. (Was meiner Erfahrung nach fast ausschließlich bei elementaren Dämonen möglich ist.) Im Allgemeinen kann man sagen, dass Nagrach einer der bekanntesten, meistbeschworenen und scheint's am besten verstandenen Dämonen sogar unter den Elementares ist. Diese sind, wie schon erwähnt, in ihrer Gesamtheit, obwohl dem menschlichen Geist weniger nahestehend als die Mentales, weit besser verstanden als alle anderen Dämonen. Vielleicht liegt dies auch daran, dass der Mensch den Aufbau der Elemente und der Welt an sich manchmal besser versteht, als seinen eigenen Geist. Eine Erfahrung die mir immer einleuchtender erscheint.

Ad Tertium: Die Nagrachsche Beschwörung
Wie bei allen Erzdämonen ist auch hier von einer direkten Beschwörung Nagrachs selbst in jedem Falle abzuraten, wenn auch gesagt wird, dass er schon einige Male nach Dere gerufen worden sein soll.
Die Gefahr, die eine Beschwörung aus der Domäne des Nagrachs jedoch mit sich bringt, ist meist, wie bei allen Elementares, recht gut abzuschätzen und vorherzusehen, weswegen eine recht ungefährliche Beschwörung möglich sein sollte. Ganz im Gegenteil zu den Dämonen der Mentales, die man so wenig versteht, dass man kaum über wirksame Schutzhilfen verfügt. Auch stellen die Elementares zumeist mehr Gefahr für den Körper als für die Seele des Menschen dar. Während im Gegensatz dazu die Mentales fast nie eine Gefahr für das Leben darstellen, weswegen sie von manchen als ungefährlich eingestuft werden. Diese jedoch können den menschlichen Geist besetzen und in den Wahnsinn oder gar in einen ungewollten Pakt ziehen – weshalb ich sie als die Gefährlichsten von allen betrachte.

Was ist nun zu beachten? Einiges, was für eine sichere Beschwörung eines Nagrachschen Dämons nötig ist, sieht man schon im obigen Bericht:
1. Das Element:
Zunächst ist es unabdingbar, das das Element Eis in ausreichendem Masse zugegen sein muss, was nicht in jedem Falle einfach ist.
2. Die Zeit:
Die Jahreszeit sollte stets der Winter, die Zeit des Eises sein, wenngleich nicht im Mond des Firun. Als Tageszeit ist die kälteste Stunde – also die Zeit kurz vor Tagesanbruch zu wählen.
3. Die Zahl:
Die Zahl des Nagrach ist die Fünf: sie steht für das fünfte Element, Eis und Kälte. Sie ist nicht teilbar, also stark und standhaft in sich selbst. Ihre Vielfältigen enden immer wieder mit 5 oder mit 0. Also wenig abwechslungsreich und eintönig. 0 ist die Zahl der Kälte, der Starre, des Nichts und des Leblosen, Eigenschaften, die gerade dem Nagrach eigen sind. Auch ist die fünfte Stunde des Tages die kälteste.
4. Die Paraphernalia:
Als Paraphernalia sind im Besonderen Jagdgegenstände aller Art geeignet, mit denen bereits Wild oder besser noch Menschen erlegt wurden. Außerdem dienen Jagdtrophäen, wie Felle und Häute (auch menschliche) als besondere Wertgegenstände in der Nagrachschen Beschwörung. Der Stein des Nagrach ist der Eiskristall, oder wenn nicht verfügbar, ein möglichst aufwendig geschliffenes Glaswerk.
Der Beschwörer selbst sollte immer seine Menschlichkeit verbergen und versuchen hinter einer weißen Maske mit der Eintönigkeit der Eiswüste eins zu werden. Feuer am Ort der Beschwörung, auch um Licht zu entfachen, ist nicht anzuraten. Auch sollten Pflanzen und andere lebende Dinge entfernt werden.
5. Opfer:
Die Verwendung frischen Blutes ist sicherlich nicht zielführend, auch sollten keine Opfer zu Gunsten Nagrachs getötet werden.
Was jedoch ein zentraler Teil der Beschwörung ist, ist wie schon im Bericht gelesen, die Jagd: es sollte dem Dämon immer zumindest ein Opfer angeboten werden, dem eine lächerliche Möglichkeit der Flucht angeboten werden sollte. Die Jagd sollte immer stattfinden, doch zugleich immer aussichtslos für das Opfer sein, denn Nagrachsche Dämonen zehren besonders aus der verzweifelten letzten Hoffnung einer im Prinzip schon gefangenen Beute, aus deren Angst und deren Willen zu überleben. Dies macht die Nagrachschen Dämonen gar in besonderer Weise dem Beschwörer gefügig und soll die Beherrschung um Vieles erleichtern. Sollte das Opfer jedoch durch widrige Umstände tatsächlich dem verfolgenden Dämon (eigentlich nicht denkbar) entkommen, muss der Beschwörer mit ausgesprochener Wut des Jägers fertig werden.

Ad Quartum: Der Pakt
Um in einen Pakt mit Nagrach zu treten bedarf es wie bei allen Elementares einer direkten Absicht etwas solches zu tun. (Im Gegensatz zu den Mentales, in deren Pakt man auch ungewollt „hineinrutschen“ kann). Auch ist der seine einer der milderen Pakte, denn er verleiht dem Beschwörer wahrhaft große Vorteile und Kräfte und lässt den selben für verhältnismäßig lange Zeit in seiner eigenen Existenz. Dennoch ist in jedem Fall nicht damit zu scherzen, denn wer einmal in den Fängen des Jägers ist, kann diesen schier unmöglich wieder entkommen und wird zuletzt doch untergehen.
Ein Nagrachscher Paktierer ist vor allem daran zu erkennen, dass es ihn stets in die Kälte zieht. In armen Räumen oder am Feuer wird man ihn kaum entdecken. Auch ist er stets vom Gedanken der Jagd getrieben: Von der Überzeugung immer wieder neues und Größeres zu erlegen und auch von der Überzeugung stets selbst gejagt und verfolgt zu sein. Dies veranlasst ihn häufig immer wieder seinen Aufenthaltsort zu wechseln und ständig umherzuziehen.
Die Augen eines Paktierers des Eisigen sind stets wie der Herr der Kälte selbst: starr, leblos und scharf wie eine Pfeilspitze.

Meister Barius von Charypso

von: Daniel Junker
Erschienen in Opus no. 166 am 11.8.2002 als Reaktion oder Fortsetzung zu De Natura Daimonii - Amazeroth.

Suche in 575 Opus-Artikeln

ein oder mehrere Begriffe
alle Artikel anzeigen

Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2006 Spielerverein der Freunde des Gepflegten Rollenspiels