Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

20. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

Titelblatt
Compilationen
Archiv
Compages
Suche
meistbetrachtete Artikel
zufälliger Artikel
Umfragen
Redaktion

Menü verstecken


Von den zauberkräftigen Dingen der Zwerge

Nach reiflicher Überlegung präsentieren wir Euch, geneigte Leserin, geneigter Leser, den Beitrag eines Zwergen aus dem Brillantvolke, welcher nun schon seit geraumer Zeit in den Händen der Redaktion weilt. Wir hatten Bedenken, da der Artikel nicht aus der Hand eines Zauberkundigen stammt und der Verfasser ganz offensichtlich auch kein in arkanen Belangen gebildeter Zwerg ist. Doch schließlich entschieden wir uns dennoch dafür, den Artikel hier zu veröffentlichen, weil er erstens zum Themenbereich dieser Opus-Ausgabe passt und weil er zweitens doch auch zur Vielfalt an Meinungen hier in dieser Postille beiträgt. (Die Kommentare zum Artikel dienen der Erläuterung und stammen von mir selbst.)

Viel Vergnügen mit dem folgenden Artikel

Meister Eborëus Zachariad


Bei Angrosch, nun endlich hat sich ein Kundiger gefunden, der meine Rogolan-Runen ins Garethi übersetzen kann! Ein großes Glück für die Leser dieser Magie-Schrift, denn wie konnten sie die Zeit bislang nur überstehen, ohne dass einer aus dem altehrwürdigen Volk der Zwerge seinen Beitrag geschrieben hatte?

[Die geneigte Leserschaft sei darauf hingewiesen, dass der Artikel alleine deshalb so lange unübersetzt blieb, weil sich niemand fand, der die doch recht undeutlich gekritzelten Runen des Zwergen entziffern konnte.]

Auch wir Zwerge haben und hatten zahlreiche magische Dinge in unserem Besitz - nicht nur diese spitzohrigen Elfen, die sich feige in ihren Wäldern verstecken! Von einigen dieser magischen Dinge will ich euch armen kurzlebigen Kinderchen, die ihr euch ja kaum an eure Urgroßväter erinnern könnt, nun berichten.
Und so will ich wohl beginnen, wie es sich gehört, mit der Nennung meines Namens sowie der Namen meiner nächsten Sippschaft und Vorfahren. Ich heiße Turungol, Sohn des Tronderasch, Sohn des Trembosch, welcher ein Bruder des bekannten zwergischen Helden Gerambalosch, Sohn des...

[Man möge uns verzeihen, dass wir die folgende Familienchronik an dieser Stelle nicht wiedergeben wollen noch können.]

...Doch beim Barte meines Urgroßväterchens, eben jener entfernte Verwandte von mir erzählte mir von einem gar sonderbaren und ganz offensichtlich magischen Ding, welches unsere altehrwürdigen Urahnen noch während der Drachenkriege kannten und teilweise auch besaßen. Die Rede ist hier vom sogenannten Zauberspiegel, einem besonderen Hilfsmittel des siebenmal verfluchten Echsengezüchts. Mein berühmter Urahn Grubax, Sohn des Genderasch, war es nämlich, welcher einen dieser Zauberspiegel aus dem Hort eines Drachen stehlen und in die Hallen unserer Zwergenbinge bringen konnte. Der Spiegel war reichlich mit Edelsteinen verziert und das Innere wurde von einem goldenen Rand umfasst. Der Griff war feinste Handwerkskunst, wie sie ein Brillantzwerg nicht besser herstellen hätte können. Einige Verstoßene [vermutlich sind hier die Geoden gemeint] unseres Volkes wurden herbeigerufen und sie berichteten meinem Urahn, was es mit diesem Spiegel auf sich hat:
So erklärten sie uns, dass alles Schlangengezücht, welches den Echsen auf Schritt und Tritt folgt, seinen eigenen Anblick im Zauberspiegel nicht ertragen und ihn fliehen muss. Und so zog mein Urahn aus und er trieb viele dieser scheußlichen Wesenheiten wieder dorthin zurück, von wo sie gekommen waren. Doch der Zauberspiegel wirkte nicht nur zum Guten, nein, es gibt auch Schauerliches über ihn zu berichten. So musste er bei Todesfällen ein jedes Mal, noch bevor der Tod eintrat, verhüllt werden, um nicht die Seele des Toten in sich gefangen zu nehmen. Das beste jedoch an dem Zauberspiegel war, dass uns die Verstoßenen berichteten, er solle in der letzten Stunde eines jeden Jahres Zukünftiges zeigen und somit einen Blick auf das gewähren, was noch bevorsteht. Ich denke auch ihr kurzlebigen Menschen könnt euch jetzt vorstellen, weshalb mein Urgroßväterchen stets der reichste aller Zwerge war.

Zu den bekanntesten der magischen Zwergendinge gehören sicherlich unsere zauberkräftigen Runen, über die bereits Altväterchen Brodosch, Sohn des Ballasch, einmal gesagt hat: "Von der Macht der Schrift hat nie ein Volk größer gedacht und sie höher gestellt als die Zwerge." Unsere Runenschrift also solche gleicht ja schon wahrer Magie, denn die Übertragbarkeit von Mitteilungen an räumlich oder zeitlich entfernte Verwandte ist doch schon Wunder genug.
Doch kennen wir ebenfalls die Geheimnisse um die verschiedensten Zauberkräfte von Runen, sofern sie nur in richtiger Gestalt und Anordnung gemalt werden. So gibt es beispielsweise die 'Sieg-' oder die 'Schutz-Runen', welche auf Waffen und Schilde gemalt werden, um die Kampfeskraft zu erhöhen oder den Kämpfer zu schützen. Dies mag euch Menschen seltsam erscheinen, stellt ein gerüsteter Zwerg doch für euch ohnehin ein unüberwindliches Hindernis dar, doch früher - im Kampf gegen die Drachen - waren solche Runen von großem Nutzen.
Eine andere Runenart sind die 'Ast-Runen', die zum Heilen Verwendung finden, sowie die 'Elementar-' oder 'Binde-Runen'. Ja, und auch 'Bier-Runen' zum Brauen und Lagern des zwergischen Gebräus gibt es. Mit aller Vehemenz muss ich jedoch an dieser Stelle die Spekulationen über die Existenz solch schwachsinniger Zeichen wie etwa einer 'Brandungs-Rune' oder gar einer 'Mut-Rune' zurückweisen - derlei Dinge benötigen wir Zwerge genauso wenig wie spitze Ohren oder stumpfe Äxte.

Aber wir Zwerge können nicht nur in den magischen Dingen mit diesen spitzohrigen Feiglingen mithalten, nein, wir sind auch die besten Pflanzenkenner Aventuriens. Während der Zeit der Drachenkriege mussten sich unsere Urahnen oftmals jahrhundertelang in den unterirdischen Stollen und Bingen verstecken, während draußen am Himmel das Drachenfeuer brannte. In dieser langen Zeit erlernten einige Zwerge die hohe Kunst der Pilzzüchterei, denn nur Pilze wachsen ohne Licht. Selbstverständlich haben wir keinerlei duftende oder schön anzusehende 'Blumenpilze' gezüchtet, aber wer hätte es denn schon jahrhundertelang in einer nach Blumen duftenden Zwergenbinge ausgehalten! Dafür hatten unsere Vorfahren Leuchtpilze, Speisepilze, Holzpilze, Lederpilze und natürlich Bierpilze. Eine besondere Pilzzucht aber gelang einer meiner Urahnen, der Zwergin Grimba, Tochter der Artula. Mithilfe eines aufwendigen und bis heute in unserer Sippe geheim gehaltenen Rezepts konnte sie einen wurzelartigen Pilz züchten, der bald überall als Springwurz oder auch Spreng-Wurtzel bekannt war. Die Wirkung dieser Pflanze übertrifft die jedes elfischen Krautes bei weitem, vermag sie es doch, jedwedes Schloss zu knacken. Nicht dass dies bei der Schlosserkunst der Zwerge nötig wäre, aber dennoch, für manche Situationen doch ungemein hilfreich, eine solche Pflanze bei sich zu haben.

Natürlich gäbe es noch von zahlreichen anderen magischen Dingen aus dem Zwergenvolke zu berichten, doch mir tut von dem vielen Schreiben schon die Hand weh, und so belass ich es nun und danke Angrosch, dass er uns mit solcherlei Wundern beschenkt hat!

Turungol, Sohn des Tronderasch

von: Philipp Schumacher
Erschienen in Opus no. 176 am 3.2.2003.

Suche in 575 Opus-Artikeln

ein oder mehrere Begriffe
alle Artikel anzeigen

Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2006 Spielerverein der Freunde des Gepflegten Rollenspiels