Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

20. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Venit, Nirraven, Venit

Bericht des Magister Extraordinarius Darian von Kreuzenwacht über die Vernichtung eines gar mächtiger Beschwörung dienenden schwarzen Basaltblocks.

Der Firnelf war hinter dem Gebüsch in der Nähe des alten Schlachtfeldes in Deckung gegangen, von wo aus er das Treiben am Rande des Gebeinfeldes beobachten sollte. "Wirf nur einen Blick darauf und komm dann so schnell wie möglich zurück", hatten sie gesagt. Es wurde still um ihn herum. Sein Gefährte an seiner Seite stieß erschrocken die Luft aus. Als er herumfuhr, sah der Firnelf die zwei in lange wallende Gewänder gekleideten Gestalten, die hinter ihnen erschienen waren, in der einen Hand eine Peitsche, in der anderen einen schrecklichen Säbel schwingend.
Er wich dem herunterfahrenden Schwert aus und brachte sich mit einem schnellen Sprung nach hinten vorerst in Sicherheit. Entsetzt musste er mit ansehen, wie der Pfeil, den er auf den Kopf des Geschöpfs abgefeuert hatte, die Kapuze durchschlug und weit hinter den beiden im Wald verschwand. Die Peitsche des Dämonen wickelte sich um sein linkes Bein, das sofort von schmerzhaften Krämpfen durchzuckt wurde. Der Säbel in der anderen Hand begann sich zu strecken, und eine zweite Peitsche schoss auf ihn zu. Trotz des schmerzhaften Peitschenhiebes, der ihn auf die Brust traf, konzentrierte der Elfenkämpfer sein Mandra und jagte dem Dämon ein Geschoss aus astraler Kraft in den Leib. Die Kutte wurde von der Wucht des Schlages nach hinten gerissen und begann sich in Rauch aufzulösen, noch bevor sie den Boden berührte. An der Stelle, an der der Dämon vernichtet worden war, begann alles Gras zu verdorren. Erschöpft machten sich die beiden angeschlagenen Späher auf den Weg zurück zum Lager.
Die Helden überzeugten den Baron von der Dringlichkeit der Aktion, des Magiers Sternenkunde hatte ihn gewarnt und dem Golgariten wurde von seinem Herren eine Vision geschickt. Der Baron schickte ein Dutzend Soldaten aus, die als Ablenkungsmanöver das Lager mit den Wachen der Beschwörer angriffen, während eine kleine Gruppe sich um die Beschwörung kümmerte. Der Magier hatte sich vorsichtshalber mit einem "Armatrutz" und einem "Gardianum" geschützt, als Bewegung in die zwei mal sieben Gestalten kam, die rings um den schwarzen Basaltblock standen. Dieser war im Boden versenkt und an seiner Oberfläche war ein Heptagramm hineingemeißelt worden. Eine der Gestalten hob seine Hände. "Venit, Nirraven, Venit", klang durch die Nacht. Der Elf lies seinen "Pfeil der Luft" fahren, der unter der Kutte der Gestalt dort einschlug, wo wohl sein Gesicht sein müsste. Sieben Gestalten hoben ihre Dolche und durchtrennten die Kehlen der anderen Hälfte, deren Blut das Heptagramm langsam ausfüllte. Ein zweiter Pfeil des Elfen fällte den Beschwörer. Vier der noch Lebenden zogen Waffen unter ihren Kutten hervor und kamen auf die Gruppe zu. Einer kümmerte sich um den Gefallenen, ein anderer folgte den vieren langsamer. Darauf hatte der Magier gewartet, und er entließ den "Ignisphaero" auf die herannahenden Kämpfer. Zwei der Gestalten gingen in dem gleißenden Feuerball unter, ein weiterer wurde von der Wucht der Explosion von den Füßen gerissen, nur einer entkam dem flammenden Inferno mehr schlecht als recht durch einen beherzten Sprung zur Seite. Doch Augenblicke später war der Golgarit über ihm...
Erschöpft sank der Magier auf ein Knie herunter und musste mit Schrecken ansehen, wie sich zwei zuckende Lichtkugeln aus den Augen der weiter hinten stehenden Gestalt lösten und auf ihn zueilten. Sekunden später explodierte der "Kulminatio" und löschte den astralen Schutzschild aus, den der Magier um sich aufgebaut hatte.
Nachdem der Golgarit den verbliebenen Kämpfer niedergestreckt hatte, wandte der gegnerische Kampfmagier ihm seine Aufmerksamkeit zu. Aus seinem Stab schlug ein Blitzschlag in die Kettenrüstung des Ordenskriegers ein und warf diesen von den Füßen. Allerdings schien dies den Magier einen Großteil seiner Kraft gekostet zu haben, und er begann den Rückzug anzutreten.
Gerade wollte der Elf den finsteren Kampfmagier fällen, als er Bewegung hinter dem Basaltblock ausmachte. Der Beschwörer, den er zuvor niedergestreckt hatte, war wieder auf den Beinen. Doch jetzt war es deutlich, dass dieser seine Seele einem Dämon geweiht hatte, denn alle Haut war von seinem Gesicht abgeblättert und hinter den leeren Augenhöhlen brannte ein dämonisches Feuer. Der Schuss des Elfen ging fehl, Augenblicke später brachen aus dem Boden um die Helden herum Tentakel, skelettierte Arme und zähneknirschende Mäuler heraus. Während die Helden versuchten sich aus dem "Pandämonium" zu befreien, veränderte sich etwas bei dem Stein... Eine Fontäne aus grauem Rauch schoss aus der Mitte hervor, und kleinere Fetzen von Nebel lösten sich an der Spitze und drifteten in Richtung des Schlachtfeldes, wo die unbestatteten Gebeine der Verteidiger von Graufurten ruhten. Aus dem fahlen Lichtschein, der die Fontäne umspielte begann sich ein gewaltiges Flügelpaar zu lösen. Der Paktierer brüllte etwas in der Sprache der Magier und den verbliebenen Angreifern war es, als würden ihre Herzen in der Brust von einer kalten Hand ergriffen und zusammengepresst. Doch nur ein Flackern in der Fontäne antwortete den Befehlen des Paktierers, einer der Flügel streifte ihn mit einer ausholenden Bewegung und schleuderte den Körper ins Gebeinfeld. Ein Zittern lief durch den Basaltblock, und die Fontäne begann zu versiegen. Mit ihr verschwanden auch die beiden mächtigen Flügel. Als ein Riss sich durch den Felsblock zu fressen begann, keimte Hoffnung auf, dass alles vorüber wäre. Keiner war unverletzt, der Magier und der Elf bis aufs Äußerste erschöpft.
Doch aus dem Gebeinfeld kam eine Kreatur auf sie zu, wie sie nur Thargunitoth selbst in den Sinn gekommen sein kann. Die Gebeine des Paktierers waren mit den Skeletten mehrer toter Kämpfer verschmolzen, sogar die Brustkörbe zweier Pferde konnte man in dem mehr als trollgroßen Geschöpf erkennen. Wutentbrannt über einen solchen Frevel am Herren Boron griff der Golgarit die Kreatur an, den geweihten Rabenschnabel gegen das untote Gebein schwingend und die Worte einer Liturgie zum Ruhme Borons und Rondras auf den Lippen. Das Monster, das einst der Paktierer gewesen war, musste die gewaltigen Schläge des Ordenskriegers wehrlos hinnehmen, doch kurz bevor der wankende Koloss dem Griff Sumus nachgab, erhob er den gewaltigen Schenkel, der ihm als Waffe diente, und ließ diesen auf den Krieger herunterfahren. Nach dem schweren Treffer mit der Bewusstlosigkeit ringend nahm der Golgarit alle Kraft zusammen und ließ seinen Rabenschnabel auf das Rückgrat der Kreatur herunterfahren. Mit einem ächzenden Laut begruben die Knochen des gefällten Ungetüms den graugewandeten Ordenskrieger unter sich...

Mit letzter Kraft war es dem Magier noch gelungen, dem fast leblosen Körper seines Gefährten wenigstens ein wenig Kraft zurückzugeben und seine Seele für dieses Mal von
Golgaris Rücken zu zerren.

Glücklich ist ein Land, das solche Helden sein eigen nennt...

Magister Extraordinarius Darian von Kreuzenwacht,
Präfekt des heiligen Drachenordens zur Wahrung allen Wissens unserer göttlichen Herrin HESinde

von: Marc Cotter
Erschienen in Opus no. 176 am 3.2.2003.

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