Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

21. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

Titelblatt
Compilationen
Archiv
Compages
Suche
meistbetrachtete Artikel
zufälliger Artikel
Umfragen
Redaktion

Menü verstecken


ACADEMIA LIMBOLOGICA
Die Pforte

Beilage zu Opus no. 27, der 26. Firun 29 Hal.

Wer sich fragt, was rund um die Pforte unter der Bibliothek geschieht und warum der Prozess der zwei Magi Rukus Ambrosius und Thundar Hurlemanoff noch nicht begonnen wurde, der wird wohl Einsicht erlangen, wenn er hört, was in der Akademie geschehen ist... 

Die Sonne steht hoch über den Goldfelsen, spiegelt sich in den metallbeschlagenen Türmen der prächtigen, in tulamidischem Stil erbauten Akademie. Geschützt vor den kühlen Firunwinden wandert der Großmeister der Akademie durch den Säulengang.
"Ah, Meister Erilarion, gut das ich euch treffe!" Magister Thundar Hurlemanoff war eben dabei die Akademie nach einem gehaltenen Vortrag auf eigene Faust zu erkunden. "Ich hoffe ihr habt Gefallen an meiner Vorlesung gefunden? Ich habe mit Absicht dieses Thema, das mir sehr am Herzen liegt, gewählt. Man kann gar nicht zu gut vorbereitet sein, wenn es um die Bannung dämonischer Entitäten geht. Aber das war es nicht, worüber ich mich eigentlich mit euch unterhalten wollte. Ich wollte euch fragen, ob es vielleicht möglich wäre die ominöse Pforte, die sich in den Gewölben unter der Bibliothek befindet, in Augenschein zu nehmen. Ihr müßt meine Neugier entschuldigen, doch es wäre einfach unvorstellbar eure Akademie besucht zu haben, ohne das große Mysterium innerhalb der Mauern studiert zu haben; und vielleicht vermag ich es ja, euch bei der Auflösung des Mysteriums behilflich zu sein."
"Nun, in den Keller zieht es euch also..." Großmeister Erilarion Androstaal streicht sich nachdenklich über seinen Bart. "Tja, was soll ich sagen? Ihr seid weit herumgekommen und habt gewiss schon viel erlebt, doch seid gewarnt: Bevor sich Meister Barius nicht zu dem Ganzen geäußert hat, würde ich mich an eurer Stelle nicht noch einmal in diese finsteren und stillen Gewölbe wagen... Aber ich sehe schon, ihr habt eure Entscheidung wohl längst getroffen und habt gewisslich auch all die Risiken abgewogen - ich kann euch nur raten, zuvor noch einmal den Hesindeschrein aufzusuchen."
Etwas besorgt aber schließlich doch mit einem Lächeln sieht Großmeister Erilarion den Magus an.
"Aber natürlich, verehrter Erilarion, werde ich zuvor im Hesindetempel die Hilfe der Göttin erflehen - wie stets vor meinen Questen. Denn Ohne I
HRE Hilfe stünde ich heute nicht hier.
Doch um eines möchte ich Euch noch bitten: gebt mir einen Führer an die Seite, der mir den Weg zeigt - es scheint ja immer noch nicht ganz einfach zu sein, bis zur fraglichen Pforte zu gelangen. Ja, und noch etwas: Wenn es mir möglich erscheint die Pforte zu öffnen - ist mir der Versuch gestattet? Natürlich werde ich anschließend einen getreulichen Bericht ablegen - was auch immer geschieht."
"Ich werde das noch überdenken", antwortet der Großmeister.
Nach dem Gespräch mit Erilarion begibt sich Thundar stante pede zum Schrein der Göttin um sie um I
HREN Schutz, IHREN Beistand und die nötige Weisheit bei seinem Vorhaben zu bitten. Als Opfer verspricht er ein Buch über seine Erlebnisse anzufertigen und legt noch das Säckchen von Erilarion, die ihm erteile Kostenvergütung für die beschwerliche Reise, in die Opferschale. Anschließend meditiert er noch für knappe zwei Stunden.
Der Großmeister berät sich inzwischen kurz mit Sheddja, worauf diese Magus Thundar im Hesindeschrein aufsucht.
"Man bat mich, euch in die Bibliothek zu begleiten" sagt sie, als Thundar mit seinen Gebeten geendet hat. "Mittels eines O
CULUS kann man schwache Linien der Kraft in der Bibliothek erkennen und sich an ihnen orientieren. Auch ist die blaue Flamme eines FLIM FLAM als solche zu erkennen, wenn sie auch nichts zu beleuchten vermag. Die Pforte zu öffnen dürfte nicht nur ein schwieriges, sondern auch ein gefährliches Unterfangen sein. Wir bitten, die Pforte erst einer genauen Untersuchung zu unterziehen und dann alle weiteren Pläne dem Rat der Akademie zu erläutern, bevor sie umgesetzt werden. Wann wollt ihr euch in die Bibliothek begeben?"
Thundar sucht kurze Zeit nach den passenden Worten. "Welch Freude und welch Ehre: Das hübscheste Mitglied der Akademie will mich begleiten und führen! Ich danke euch vielmals." Sheddja ist zuerst erstaunt über dieses unerwartet geäußerte Kompliment, dann schleicht sich leichte Röte in ihre Züge. "Ich hatte es mir fast gedacht, dass ein sofortiger Öffnungsversuch nicht erwünscht ist, aber ich wollte die Frage nicht ungestellt lassen", fährt Thundar fort. "Nun, wenn ihr nichts dagegen habt, so würde ich gerne heute noch aufbrechen - wenn eure Pflichten es zulassen auch gerne gleich jetzt. Mehr als den Beistand der Göttin zu erflehen und meinen Rucksack mitzunehmen gedachte ich nicht an Vorbereitungen zu treffen, da ich ja ausgeruht bin. Also, lasst uns zur Tat schreiten!"
Thundar bietet Sheddja sodann seinen Arm an und verläßt den Hesindeschrein. Schon nach wenigen Herzschlägen hat er alles beisammen und Sheddja führt ihn zum Portal der Bibliothek... Sie spricht magische Worte und öffnet es, denn seit einem Vorfall mit zwei Studiosi ist die Bibliothek magisch versiegelt. Trotz strahlendem Sonnenschein herrscht darin nichts als Schwärze. Nach wenigen Augenblicken tritt Sheddja hinein, zuvor lächelt sie Thundar aber noch einmal zu und sagt: "Folgt einfach dem Licht und achtet auf euren Tritt" dann schreitet sie hinein... vor Thundar erhebt sich nun eine schwarze Wand, kein Laut dringt daraus hervor und nichts deutet darauf hin, dass dahinter nicht ein Abgrund, ein Dämonenpfuhl oder vielleicht Borons Hallen warten...
Gespannt lauschte Thundar eben noch Sheddjas Worten beim Öffnen des Portals und prägte sie sich ein. Als sie sich umdrehte und ihn anlächelte, wollte er noch erwidern: Ich werde mich einfach,... doch da war Sheddja schon in die Bibliothek getreten und Thundar beeilt sich hinterherzukommen. Die ersten paar Schritte in die Finsternis macht er möglichst schnell um Sheddja bald einzuholen. Es kostet ihn zwar einiges an Überwindung, doch Thundar verkneift sich den O
CULUS und konzentriert sich nur auf das fahle Flackern des Flim Flam vor ihm. Wenn etwas sein sollte wird er es so wohl rechtzeitig bemerken, denkt er sich. Schon oft hat er unter der Wirkung eines SILENTIUM gekämpft und gezaubert, aber in Kombination mit einer Dunkelheit...
Sobald er nahe genug heran ist, streckt er seinen Arm in Richtung des Lichts aus, tastet bis er Sheddjas Schulter gefunden hat und legt seine Hand locker darauf, was Sheddja unwillkürlich zusammenzucken lässt, schon setzt sie ihren Weg zwischen Regalen, die man sich nur in den Gedanken ausmalen kann, fort. Es geht zuerst entlang der rechten Wand, dann wird nach links abgebogen. Plötzlich stoßen Thundars langsam tastende Füße gegen einen Widerstand, vielleicht Holz... Sheddja aber setzt ihren Weg fort, so hebt auch Thundar sein Bein und schreitet über das doch recht niedrige Hindernis hinweg. Sheddjas Schulter senkt sich nun ruckartig immer weiter ab und Thundar stolperte fast über eine kleine Schwelle - der Beginn einer Treppe? Das muss der Weg zur Pforte sein! Steinerne und rutschige Treppen hinab tastet er seinen Weg hinter Sheddja her - als mit einem Aufblitzen alles Licht ist! Gleißendes blaues Leuchten erfüllte zuerst alles... Gänzlich ungewohnt ist nun das eigene Atmen, das Scharren der Schuhe und das gelegentliche Tropfen von den feuchten Wänden.

"ER HAT WAS?" hört man eine aufgeregte Stimme ausgehend vom Arbeitszimmer des Großmeisters quer durch die Gänge der Akademie hallen. Könnte man einen Blick in diesen Raum hinein werfen, so würde man einen greisen, weißbärtigen Magus in einer braunen, schlichten Robe und mit einem einfachen, schmucklosen Magierstab in der Hand wild gestikulierend vor dem an seinem wertvoll gearbeiteten Schreibpult sitzenden Großmeister auf und ab schreiten sehen. Der sicherlich annähernd 70 Götterläufe zählende Mann scheint vollkommen außer sich zu sein und ereifert sich offensichtlich mit hochtrabenden Worten und lauter, erregter Stimme über die gedankenlose Unverfrorenheit eines ihm allem Anschein nach wenig sympathischen Kollegen: "Diese pseudo-omnipotenten puniner Mäusebeschwörer haben wohl gar keinen letzten Rest an Ehrfurcht vor den Rätseln der Jahrhunderte mehr im Leibe! Was glaubt er denn, warum dieses Portal so sorgsam verschlossen wurde? Und jetzt will er es öffnen? Er allein? Ohne die geringsten Formen der antidämonologischen Absicherung? Er wird uns alle auf direktem Wege in die Niederhöllen befördern! Ich flehe euch an: Wir müssen zu ihnen! Diesem Wahnsinn muss einfach Einhalt geboten werden! Meisterin Sheddja ist in großer Gefahr! Und nicht nur sie! Dieser heißblütige junge Spund hat doch offensichtlich Flöhe unter der Robe! Am Anfang stehen für ihn weder Wort, noch Idee, noch gründliche Forschung, sondern allein die Tat! Damit wird er uns alle ins Unglück stürzen! Ich beschwöre euch im Namen der Zwölfe: Lasst uns ihn aufhalten, bevor es zu spät ist!"
Nach kurzer Unterredung, die jedoch dieses Mal ohne eingehendere Warnung vor den möglichen Gefahren verläuft, die mit der Pforte verbunden sind, begeben sich auch Rukus und Erilarion zum Eingangsportal der Bibliothek. Der Großmeister stimmt noch ein kurzes hesindegefälliges Loblied an. Als er dann die große Halle der Bibliothek betreten will, hört man eine laute, eindringliche Stimme durch den Arkadenhof klingen: "Tut es nicht! Ihr rennt in euer und unser aller Verderben!" Großmeister Erilarion scheint sich bereits auf den F
LIM FLAM zu konzentrieren, doch Rukus dreht sich nach dem hageren, großgewachsenen Mann um, der am anderen Ende des Flurs steht. Das schwarze, glatte Haar ist zerzaust, sein Spitzbart von grauen Strähnen durchzogen, seine ebenfalls schwarze und zerknitterte Robe ziert ein aufgesticktes Pentagramm. Aus unstet flackernden Augen sieht er zu den beiden Magiern herüber, das Gesicht ist blass - fast schon weiß. Für einen kurzen Augenblick treffen sich die seine und Rukus Blicke und des Fremden Augen funkeln voll Zorn. Großmeister Erilarion hat seinen Zauber beendet und bittet Rukus ohne weiteren Kommentar ihm zu folgen - er selbst verschwindet keinen Herzschlag später in der Dunkelheit. Während er das Eingangsportal zur Bibliothek durchschreitet kann er noch einmal die dröhnende Stimme hinter sich vernehmen, die ihn warnen will: "Ihr Narren, ihr wollt doch nicht etwa das Portal zu den Niederhöllen selbst..."

Erschienen in Opus no. 27 am 25.7.1999 als Reaktion oder Fortsetzung zu Die Dunkle Pforte.
Zu diesem Artikel erschien folgende Reaktion oder Fortsetzung: Die Pforte II.

Suche in 575 Opus-Artikeln

ein oder mehrere Begriffe
alle Artikel anzeigen

Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2006 Spielerverein der Freunde des Gepflegten Rollenspiels