Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

16. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Der Weg des Blutes
Eine Abhandlung über die Verbindung von Leben und Geist

von
Meister Barius von Charypso, Magister der Academia Limbologica

Fünftes Kapitel

Balsam Salabunde, die gesamte Magica Curativa, eine Kunst, verbreitet und geachtet im gesamten Weltenrund, die Macht eines jeden Magus, die verbotenen Pforten des Lebens zu öffnen, aber auch die wohl schwärzeste Spielart der geistigen Künste, die Magie des Blutes - all diese Wege der Magie haben eines gemeinsam: Sie vereinigen die Macht des Geistes mit der Kraft des Lebens bzw. überwinden deren unüberwindbare Grenzen.
Die eine Form der Magie wird nun schon solange praktiziert, wie die andere gefürchtet ist, und doch konnte mir bis heute noch niemand erklären, und ich habe viele Diskurse geführt - mit vielen - wie es möglich ist, diese Schranken zu öffnen, worin diese Schranken bestehen, ja was „astrale Energie“ und „Kraft des Lebens“ überhaupt sind. Daher habe ich mich selbst aufgemacht dies zu ergründen, auch wenn ich fürchte, dass für einen Sterblichen dies gar nicht zu ergründen ist.

Das erste Kapitel erschien in Opus no. 15, das zweite und dritte in Ausgabe 27 bzw. 28, das vierte erstmals in Opus no. 30, Sonderausgabe.

So stellt sich nun also die Frage, wie es denn möglich ist die Energie, die in Form der Lebens­kraft an unser Blut gebunden ist, von diesem Blut zu lösen und anschließend in unsere Aura aufzu­nehmen.

Ad primum:
Einfacher ist es, als man meinen mag, die Lebensenergie vom Blut eines Wesens zu lösen. Gar von selbst geschieht dieser Vorgang. Alles, was man zu tun hat, ist es, das Blut vom Körper zu trennen und einige Zeit frei an der Luft zu lassen. Es wird augenblicklich seine Flüssig­keit verlieren und zu einer festen roten Masse erstarren. – Ein Zeichen, dass die Energie aus dem Blut entfleucht ist, sich im wahrsten Sinne in Luft aufgelöst hat.

Ad secundum:
Nun ist es allerdings nicht unser Wunsch die Lebensenergie vom Körper eines Lebewesens zu trennen und dann einfach verschwinden zu lassen. Wir wollen die Energie, die frei wird, für magische Zwecke benutzen. Dies ist die wahre Kunst der Magie des Blutes.
Zwei Wege stehen uns nun offen. Zum einen können wir versuchen die freigewordene Energie einfach aufzusaugen und zu unserer Astralen Kraft zu addieren. Dies jedoch ist schier unmöglich und auch mir bisher noch nicht gelungen. Wahrscheinlich bräuchte man besondere Hilfs­mittel, die es ermöglichen, die freie Lebensenergie in unsere Aura zu transferieren.
Einfacher ist es jedoch die Energie direkt in dem Augenblick, da sie aus dem Körper des „Opfers“ entweicht in einen Zauberspruch einzuweben. Man umgeht damit den komplizierten Vorgang, die Lebenskraft in die eigene Aura aufnehmen zu müssen. Leider kann man meist nur einen geringen Teil der befreiten Kraft in den Zauber einbinden, da der Rest viel zu schnell entfleucht. Um dies zu verbessern habe ich mir nun einige Methoden ausgedacht. Im Prinzip gilt es zwei Dinge zu versuchen: Es muss möglichst viel Energie aus dem Blut befreit werden und man muss darauf achten, die Umweltbedingungen so zu wählen, dass diese frei­werdende Kraft nicht zu schnell entfliehen kann:

Wie kann ich möglichst viel der Lebenskraft vom Blute eines Opfers befreien?

»... Ruhe vor dem Sturm. Der dritte Tag war zu Ende gegangen und mehr Verluste hatten wir hinnehmen müssen denn an beiden Tagen zuvor. Wir wussten, dass die Nacht, die Zeit der Erholung kurz sein würde. Schon viel zu weit hatten uns die Feinde in den Dschungel von Altoum zurückgeschlagen. Unsere Befestigung war mehr als schlecht und mein dürftiges Feldlazarett war gefüllt mit toten und solchen, die dem Tode nahe standen. Mir war bewusst, dass wir einen weiteren Tag nicht durchhalten würden. Die Führer des Sklaven­aufstandes hatten sich schon seit einer Stunde zur Besprechung zurückgezogen. Ihr Häuptling hieß Ennoiak. Er war ein großgewachsener Eingeborener der Insel. Fast alle hier im Lager waren Mohaha – bis auf mich und wenige Thorwaler, auf deren Otta ich gereist war, bevor uns Piraten in der Meerenge von Sylla und Charypso überfielen und anschließend als Sklaven verkauften. Der Gestank der verwesenden Körper begann mehr und mehr meine Sinne zu trüben und beinahe wollte ich alles liegen und stehen lassen und mich einfach den Gardisten Charypsos ergeben, als ich lautes Schreien vom Befestigungswall hörte. In der Meinung wir würden wieder angegriffen lief ich hinaus, doch es waren keine Angreifer, die sich dem Lager näherten. Es waren zwei Mohaha, die einen dritten auf ihren Schultern trugen. Sie näherten sich langsam vom Wald her den Wachen. Als diese die Ankömmlinge erkannten, schrieen sie etwas für mich, obwohl ich die Sprache der Mohaha gelernt hatte, unver­ständ­liches in den Innenhof des Lagers. Alle Mohaha gerieten in Aufruhr und begannen sich zu verstecken, andere fielen auf die Knie. Nur der Häuptling stellte sich mit erhobenem Haupt den Ankömmlingen entgegen. „Sei gegrüßt Erma­drum!“ Der angesprochene alte Mann stieg sodann vom Rücken seiner Träger und ging ohne ein Wort zu verlieren auf die Mitte der Lagerplatzes zu. Er war mit bunten Farben bemahlt und durch Nase und Augenlider hatte er sich Stäbchen aus Holz und Elfenbein gebohrt. Verschiedenste Ketten, Schalen und Zähne schmückten seinen Körper. „Den Geist des ewigen Feuers müssen wir rufen. Nur er wird die Feinde vernichten! Hier soll es sein!“ Darauf hin begannen alle Mohaha Holz und Steine herbeizuschaffen und entzündeten ein Feuer in Mitten des Lagers. Rund herum legten sie Steine mit den sonderbarsten Formen und vor dem Feuer errichteten sie einen Altar aus Holz und Fels.  

Nachdem alles bereit war, stellte sich der Schamane vor den Altar und begann rituelle Gesänge anzustimmen. Die anderen setzten sich rund ums Feuer, trommelten auf verschiedensten Gegenständen und tanzten zu den seltsamen Klängen des Priesters. Plötzlich verstummte dieser und ein Mann aus der Mitte der Tanzenden trat hervor. Er war stark und tapfer und hatte sich schon oft im Kampfe bewährt. Nun stand er seiner letzten Prüfung gegenüber. Ohne zu zögern legte er sich auf den steinernen Altar und schloss die Augen. Der Schamane begann mysteriöse Zeichen auf seinen Körper zu malen. Dann griff er in einen Beutel und holte den Zahn eines Feuergottes, wie er sagte, hervor. Er hielt ihn in die Höhe und rief einen Namen immer und immer wieder. „Alvafess, Alvafess – nimm Dein Opfer!“ – Der Drachenzahn in den Händen des Priesters sauste mit selbigen hernieder und stieß mit ungebändigter Wucht in den Körper des Kriegers. Das Blut spritzte. Wie durch ein Wunder fuhr der Schamane mit seinen Händen unter die Haut und die Knochen des Mannes und zog dessen Herz mitsamt dem darin steckenden Zahn hervor und präsentierte es den anderen. „Irhimooch!“ Erschallte es aus seinem Mund, und dann warf er das Herz in die Glut des Feuers. Dieses flackerte auf und eine spitze Flamme schoss in den Himmel „Wer ruft mich hier gekrümmt sodann zu sehen meinen Feuerbann. Welch Stimme schallte hier zu mir?“ „Irhimooch!“ „So sei es denn – du willst es so!“ Die Flammen begannen immer höher zu züngeln, die Erde bebte, als plötzlich ein Knall erschallte, der Boden sich auftat und ein Schwall von Feuer, heißem Gestein und Lava in den Himmel schoss. In einem Feuer­sturm hagelten brennende Steine auf des Feindes Lager herab. Lichterloh entbrannte es sodann und noch viele Stunden war die Insel erleuchtet vom hellen Feuer und Asche fiel wie Schnee zur Erde und begrub die Leichen des Kampfes...«

So siehe wie viel Macht und Kraft in einem frischen Herzen liegt, wenn du es nur richtig nützt.
Der größte Erfolg lässt sich erzielen, wenn man nicht das Blut in einem Gefäß aufbewahrt und während des Zaubers (am besten eignen sich Beschwörungen, da die freiwerdende Kraft in diesem Fall in den Limbus, der ja geöffnet wird, entfliehen kann und somit die Öffnung erleichtert) vergießt, sondern Organe verwendet, aus denen man das Blut sodann herauspresst oder durch wenige Schnitte mit dem Messer befreit. Ausge­zeichnet eignen sich dafür blut­reiche Organe wie Herz, Gehirn oder unter Umständen auch die Milz, die Leber, oder die Niere. Vor allem erstere bieten sich bei Beschwörungen an, da sie selbst auch als Paraphernalia verwendet werden können.

»...und des Blut des Menschs isch fimf mal besser wia vum Fiech...«

So eignet es sich auch für Beschwörungen und Magie des Blutes allgemein, jedoch die Götter behüten dies wirklich zu tun, denn ewig schlecht ist der, der es wagt sich gegen Boron zu stellen.

Wie kann ich die freiwerdende Kraft daran hindern zu schnell zu entfleuchen?

Die Zeit sollte keinesfalls am Tag sein, da die Strahlung des Herren PRAios die freiwerdende Energie sofort wieder neutralisiert und vernichtet.

»...wenn der dunkle Mond, Madas Antlitz im Schatten, über den Himmel des Todes steigt...«

Es sollte möglichst Neumond sein, da die Energie sonst entlang der Strahlung Madas fortfließen kann.

»...und Marbo nur auf Dere blickt...«

Wenn Marbo in den Gestirnen erscheint, ist es dem Beschwörer einfacher seine Aura zu öffnen – eine gute Voraussetzung.

»...da wird das Blut in den Adern der Lebenden zu brodeln beginnen und seine Kraft wird sich befreien und voll Macht wird der sein, dessen Hände sie zu nutzen wissen...«

Man sollte sich selbst für die Energie fokussieren, indem man heilige Steine der MAda oder HESinde trägt. Auch das Horn eines Einhorns, der Stachel des Manticor, das Haar eines Kobolds, die Schuppe des Basilisken, der Zahn des Vampirs und der Flügel einer Fee scheinen gute Leiter zu sein, um Energie aufzunehmen.

»...doch die Geister des Los und die Kinder der Sumu sind gierig und rauben das Leben des Menschen zum eigenen Bedarf...«

Auch sollte der Ort des Rituals weise gewählt sein: Keine anderen Geistwesen sollten in der Nähe sein, die sich selbst der Kraft bedienen wollen. Schlecht sind daher Wald, Stadt und andere fruchtbare Gegenden. Wüste, Berg, Höhle und Einöde eignen sich dafür umso besser.

Aber Magus sei gewarnt, ist Wissensdurst in dir entbrannt. Lass dich nicht verführen an dies Wissen leicht und ohne Scham zu rühren. Wisse: Der Schamane, von dem ich erzählt, kam noch in der selben Nacht ums Leben. Ein Wind kam nämlich auf und trug manches des feurigen Gesteins, das vom Himmel auf die Feinde fiel, auch zu uns. Und der Geist nahm zu sich ins Feuer den Schamanen und noch drei der Mohaha, denn Geister heißen nicht gut, wenn ein Mensch die Gesetze der Götter vergisst.

von: Daniel Junker
Erschienen in Opus no. 31 am 29.8.1999 als Reaktion oder Fortsetzung zu Der Weg des Blutes - Teil IV.

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