ACADEMIA LIMBOLOGICA publicat
Opus veritatis scientiæque
seit Praios 29 Hal


Der Leib-Seele-Dualismus der maraskanischen Philosophie
aus den Dialogen des Plaziber von Jergan

Noch niemals wurde - soweit mir das bekannt ist - der maraskanische Glaube und die damit verbundene Philosophie in einem nennenswerten Werk oder einer größeren Postille genauer betrachtet und beleuchtet. Dieses nun nachzuholen will ich versuchen und somit zumindest ansatzweise riesige Lücken in unserem heutigen Philosophieverständnis auffüllen. Zu diesem Zwecke suchte ich vor kurzer Zeit den (mir bislang gänzlich unbekannten) maraskanischen Denker und Philosophen Plaziber von Jergan auf. Zusätzlich jedoch will dieser Artikel an die hervorragenden Ausführungen über den Leib und die Seele im letzten Opus anschließen und soll somit gleichermaßen zu einer anderen, aber doch nicht so verschiedenen Sichtweise führen.
Ich werde im folgenden nun weder allgemein noch für mich persönlich geltende Wahrheiten aufstellen, noch werde ich jene maraskanischen und dadurch für den geneigten Leser zutiefst befremdlichen Überlegungen verurteilen, ich werde lediglich das wiedergeben, was ich aufgrund des von mir geführten Gespräches erfahren konnte. Ich finde jedoch, dass es dieses höchst interessante systema philosophia der Maraskaner verdient hat endlich Aufnahme in den Kreis der erlauchten Theorien finster gesonnener Borbaradianer und licht-strahlender Praioten zu finden - wo genau denn nun sein Platz sei, das überlasse ich jedem Leser und jeder Leserin selbst.

Zunächst einmal steht in jeglicher Phase und Richtung maraskanischer Philosophie von vornherein fest, dass man es nicht mit einem Monismus, sondern mit einem Dualismus zu tun hat. Von Plaziber von Jergan, einem wandernden Philosophen, wird vorausgesetzt, dass Körper und Seele voneinander verschieden sind. Nach dieser Auffassung ist dasjenige, was die Identität von mir als Mensch ausmacht, nicht die konkrete Gestalt meines Körpers, auch nicht (von den Zwölfgeschwistern geschenkte) bestimmte Fähigkeiten wie z.B. die Magie, sondern das, was man als Seele (hier gibt es im Maraskanischen eine relative Vielfalt der begrifflichen Differenzierungen) bezeichnet.
Dem Körper kommt in diesem Verständnis nur eine Aufgabe als Vehikel, als Instrument für die Seele zu - gewissermaßen das Fahrzeug, dessen sich die Seele bedient um sich zu äußern, um ihre Handlungen in dieser Sphäre zu tätigen. Der Leib ist demnach also ein, wenngleich auch nur temporäres, Gefängnis der Seele.
Die Frage nach der Unsterblichkeit, welche ja in sämtlichen philosophischen Systemen einen besonderen Stellenwert einnimmt, bezieht sich natürlich hier nur auf den Status der Seele und nicht auf den des Körpers. Schon alleine deshalb, so lehrt uns Plaziber von Jergan, sei es für einen Maraskaner vollkommen un-EIN-sichtig (das EIN wird von den Maraskanern gerne als Schimpfwort verwendet, z.B. wenn etwas EIN-malig ist), warum er nach einer Verlängerung seines körperlichen Daseins streben sollte, oder gar - so wie das viele fanatische Magier des Zwölfgötterglaubens tun - nach einer Möglichkeit diesen seinen Körper in alle Ewigkeit zu behalten. Schließlich wird die unsterbliche Seele eines jeden einzelnen ja ohnehin wiedergeboren.

Leicht könnte man nun annehmen, dass der Maraskaner in seiner Philosophie das Körperliche als etwas Schlechteres im Vergleich zur Seele sieht, dem Leib demnach also einen pejorativen Charakter zuschreibt. Schenkt man jedoch Plaziber von Jergan Glauben, so ist dies nicht der Fall. Denn, so erläutert er, in allem Geschaffenen steckt die Schönheit der Welt. Dieser ominöse und oftmals auch abwertend verwendete Begriff von der Schönheit der Welt bedeutet in der maraskanischen Philosophie sehr viel: Er sagt aus, dass Rur, Schöpfer und Schöpferin des Weltendiskus und Bruderschwester Grors, allem von ihm/ihr Geschaffenen das Abbild seiner/ihrer Schönheit mit auf den Weg gegeben hat. Und schon alleine deshalb kann der Körper, das Leibliche oder Materielle, nichts Schlechtes an sich sein. Denn in jedem Ding steckt das Abbild seines Schöpfers - und damit steckt in allem Geschaffenen (was die Dämonen ausnimmt!) ein Abbild der Schönheit der Welt - allein: es muss oftmals erst gefunden werden! Insofern ist es für Plaziber von Jergan auch undenkbar, dass in einem von Rur geschaffenen Gegenstand mehr oder weniger an Schönheit enthalten sei als in einem anderen (womit er sich ja auch gegen die sonderbaren Lehren des Zaboron von Andalkan wendet, welcher sagte, dass die Schönheit der Welt durch gewisse Personen gemindert werde und diese deshalb umbringen ließ).

Dieser Dualismus von Leib und Seele zieht sich naturgemäß durch das gesamte maraskanische Weltbild, betrifft also ebenfalls den Bereich der Wahrnehmung: Der Mensch, so Plaziber von Jergan, nimmt seine Umgebung auf zwei unterschiedliche Weisen wahr. Einmal nimmt er das Körperliche, das Dingliche wahr, also alles, was elementar ist, und zum zweiten nimmt er das Geistige wahr, dasjenige, was seine Seele betrifft. Nach konkreten Wahrnehmungsformen befragt, zählte mir Plaziber einige interessante Phänomene auf, welche jeweils unter die eine oder andere Weise der Wahrnehmung fallen, sodass ich zu dem Schluss gekommen bin, dass es zwischen unserer Teilung der wahrnehmbaren Welt in Nayrakis (von Los Stammendes, Geistiges) und Sikaryan (von Sumu Geschaffenes, Körperliches) und der maraskanischen Teilung in Leib-Seele erstaunliche Parallelen gibt. - Eine logische Folgerung, wie mir der Philosoph Plaziber mitteilte, denn dies zeige nur überdeutlich die Zweiheit hinter der Zweiheit, welche ich nun ansatzweise erkannt hätte...

Meine Vermutung ging - bis zu diesem Zeitpunkt des Gespräches - dahin, dass die Mittelreicher und die Tulamiden, aus welchen ja die Marasakner "entstanden sind", bei ihrer Flucht nach Maraskan jeweils die Aspekte ihrer beider Glaubensformen und Philosophien miteinander verbanden: die Zwölfgeschwister als klares Relikt des Zwölfgötterglaubens, die Zahlenmystik um die Zahl 2 ein deutlicher Verweis auf den tulamidischen Einfluss - und dass dann die feindliche Natur der Insel ihr übriges dazu getan habe, dass das entstanden sei, was wir heute als maraskanische Philosophie kennen.
Also fragte ich Plaziber von Jergan, ob denn dieser Dualismus der Maraskaner nicht etwa davon herkomme, dass jeder Glaube und jede Philosophie etwas brauche, was ein Weiterleben nach dem (körperlichen) Tod garantiere. Er antwortete mit einem "Nein".
Doch als ich erneut nachfragte, ob der Dualismus dann etwa nicht aus der Angst eines jeden einzelnen vor seiner endgültigen Vernichtung geboren wurde, so antwortete er mir: "Gewiss doch ist dies einer der beiden Gründe dafür. Die Geburt nämlich ist der zweite." Und er erklärte, dass das Werden und Vergehen, die Geburt und der Tod also, einen weiteren Dualismus in Verbindung zu Leib und Seele darstelle. Und wiederum gibt es eine Zweiheit hinter der Zweiheit, denn so wie der Körper beim Tod von Bruder Boron genommen und die Seele von Schwester Tsa bei der Geburt gegeben wird, so wird auch die Seele von Bruder Boron beim Tod genommen und der Körper bei der Geburt von Schwester Tsa neu gegeben.

Schließlich fragte ich Plaziber von Jergan noch, ob er denn verständliche Beweise zu geben in der Lage sei, welche die maraskanische Form der Unsterblichkeit der Seele beweisen. Und er nannte mir - wie könnte es auch anders sein - zwei Gründe:

  • Jeder, so meinte er, führe in sich bereits von Geburt an gespeichertes Wissen. Nichts Körperliches (wie die Magie z.B.), sondern eine Form von Kenntnis und Erfahrung, welche sich alleine durch das Vor-Wissen der Seele aus einem vorherigen Leben herleiten ließe.
  • Und, so führte er weiter aus, die Seele ist als Bestandteil des Körper-Seele-Dualismus etwas, was nicht in Teile zerlegt werden kann. Ein Aufhören jedoch, so seine Argumentation, kann es nur dort geben, wo es ein Auflösen in Bestandteile gibt.

So will ich nun mit jenen Argumenten schließen und hoffe damit dem geneigten Leser einen Einblick in das nicht uninteressante Gedankengebäude der maraskanischen Philosophie gegeben zu haben. Plaziber von Jergan selbst teilte mir mit, dass er demnächst auf einer Reise durch das Horasreich sein werde und dort jedermann und jederfrau, die gepackt von der Neugierde sich intensiver mit der Materie beschäftigen wollen, gerne und ausführlich Rede und Antwort geben werde.

Eborëus Zachariad
adeptus maior

von: Philipp Schumacher
Erschienen in Opus no. 114 am 1.7.2001.



Wenn Zaubern nicht mehr hilft...

Eine Abhandlung über das Gebet und seine Wirkung als Einführung der Wochengebete

4. Teil

HESinde und FIRun zum Gruße!

Es hat ein neuer Monat begonnen und so werde ich mein Brevier diesen Monat auch FIRun und seiner Tochter IFirn widmen. Vielen von uns fehlt der Zugang zu diesem gestrengen und kalten Gott. Trotzdem ist er verehrungswürdig und half schon vielen Menschen in der Wildnis aus großer Not.
Zu FIRun kann man beten, wenn man in der Einöde oder im Wald die Orientierung verloren hat oder auch, um Jagdglück, wenn der Hunger zu groß wird.

Dazu folgendes Gebet:

Oh Du großer weißer Eisbär!
Du, der du den braven Waidmann hilfst
und den Frevler an der Fauna strafst!
Mein Weg ist verloren
in der Wildnis, Deinem Reich.
Herr des Winters, lass die Schönheit des Winters
nicht mein Tod werden.
Schenke uns das Wild, das wir zum Überleben brauchen.
Sei mir gnädig, auf die Fürsprache Deiner Tochter IFirn,
die uns Derekinder liebt.
Unser Dank sei so mannigfaltig
wie die Strahlen der Eisblume.

Dieses Gebet ist von einem Jäger und Firungeweihten aus dem Norden, der es mir anvertraute. Von der Sprache her vielleicht ein wenig holprig und ohne rechtes Versmaß, aber der Geweihte – und das glaube ich auch selbst – hat mir versichert, das der Wintergott auf dies keinen Wert legt.
Für jeden, der auch längere Zeit in der Wildnis ist, ein wichtiges Gebet.

Argelia von Kuslik, Geweihte der Göttin

von: Christoph Huber
Erschienen in Opus no. 114 am 1.7.2001 als Reaktion oder Fortsetzung zu Wenn Zaubern nicht mehr hilft... (3. Teil).
Zu diesem Artikel erschien folgende Reaktion oder Fortsetzung: Wenn Zaubern nicht mehr hilft... (5. Teil).



Über die rechte Form der Magie

aus: "Codex pro mago itineris Ailinae" [boriani: "lovnu i válan-ailina"]
von Cordovan Daëlio zu Elenvina von 22 Hal. [Bisher sind nur zwei allgemein zugängliche Exemplare des LVA in Brabak wie in Punin bekannt. Aus dem Inhalt geht deutlich hervor, dass die Schrift zur religiösen "Grundausstattung" jedes ailinistischen Magiers gehört. Der Ailinismus ist den gängigen Zeugnissen zufolge (siehe limbische Schriften) als eine aus Südaventurien stammende Abwandlung des Hesindeglaubens zu verstehen, die in Almada, den Nordmarken wie auch in Windhag bis vor wenigen Jahren für deutliche Aufmerksamkeit sorgte.]

"Es steht fest, dass es sich bei der Hohen Herrin in allen drei Manifestationen um eine Göttin der Magie handelt, wobei jedoch jede Gestalt der Herrin für einen anderen Aspekt der Magie steht. Als Herrin des ersten Zeitalters gelten H'Szint und später Hesinde. Von Hesinde wird berichtet, wie Sie die Echsen in der Magie unterwies. Wie auch Ashanti, die Hohe Herrin des zweiten Zeitalters, kommt auch Hesinde Verehrung für den Bereich der Elementarmagie zu.
Die Hohe Herrin Hesinde verweigert Ihren Dienern die Kenntnis dämonischer Beschwörung wie auch aller Formen der Blutmagie. Dafür gibt Sie als einzige die Kenntnis der alten Echsenmagie, der Elementar- und Kampfmagie sowie der Satinavbeschwörungen, niemals aber die Kenntnis irgendeines satuarischen Zauberspruches.
Ashanti unterwies die Borianim und wenige auserwählte Tiere wie Kröte, Schlange und Skorpion in der Kunst der Zauberei, führte aus, wie man Geist- und Körperseele mit den Sphären in Einklang bringen könne und verhalf nicht allein der Prophetin zu Wissen über zukünftige Geschehnisse. Es ist bekannt, dass Ashantis Form der Magie auf göttlicher Bindung beruht und nur derjenige Ihrer Kraft teilhabend wird, der seine ganze Verehrung der Hohen Herrin widmet.
Wer sich auf die Hohe Herrin Ashanti beruft, dem kann Sie alle Arten von Zaubern satuarischer, druidischer und gildenmagischer Ausprägung geben, vielleicht auch firnelfischer Provenienz. Dabei verwehrt Sie jedoch die Kenntnis der elementaren Beschwörung und des Kampfes. Wenngleich Sie bereit ist, die Kenntnis bestimmter dämonischer Anrufungen zu vermitteln, so wünscht Sie doch den Verzicht auf deren Anwendung. Niemals aber würde Sie die tatsächliche Beschwörung oder Beherrschung eines FUROR BLUT oder HEPTAGON lehren!
Als Sünde gilt Ashanti der Versuch, die Sumpfgeister zu beherrschen. Solche Sünder verfolgt Sie unbarmherzig und bis in alle Ewigkeit. Als bisher letzte Manifestation der Alleswandlerin gilt uns Tríatha, die Herrin des dritten Zeitalters. Sie verleiht Ihren Anhängern nicht nur die Kraft zur Selbstverwandlung in Schlangengestalt, sondern gibt auch die Macht, Frevler und Tempelschänder permanent in Schlangen zu verwandeln. Die Hohe Herrin Tríatha lehnt jegliche Form dämonischer Beschwörung vehement ab.
In allen drei Manifestationen lehnt die Hohe Herrin jeden Versuch der Dämonenbeschwörung oder -beherrschung als Sünde ab. Einzig Ashanti erlaubt Ihren Dienern die Beschwörung als auch Beherrschung von Geistern, nicht aber der Sumpfgeister, die Sie unter Caiporus persönlichen Schutz gestellt hat.
Nachdem die Quelle der rechten Magie geklärt ist, gilt es die Praktizierer in Rechte und Unrechte einzuteilen. Allen voran die Magier dienen der Yrammis und der Sehdeni, sofern sie sich nicht als Weißmagier der Hohen Herrin Hesinde oder als Graumagier abwechselnd der Hohen Herrin Hesinde, Ashanti und der Dämonin Sehdeni unterwerfen. Kein göttingefälliger Graumagier würde jedoch jemals die Beschwörung eines Dämons ernsthaft in Betracht ziehen noch praktizieren. Schwarzmagier sind all jene, die nicht der Hohen Herrin, sondern den Dämonen und ihren Fürsten folgen sowie alle, die Geistern und Dämonen ihren Willen aufzuzwingen versuchen. Sie sind Sünder in den Augen der Hohen Herrin und oft Dämonendiener.
Während die Hexen und einstigen Diener der Hohen Herrin Ashanti, Sad’huarr oder Satuaria dienen, folgt die Priesterschaft Ashantis allein der Hohen Herrin Ashanti und der Hohen Herrin Tríatha.
Ailinistische Zauberer unterwerfen sich in allem der Hohen Herrin und meiden jegliche Beschwörung oder Beherrschung von Dämonen gleich zu welchem Behufe sowie die Beschwörung oder Beherrschung von Geistern außer zu Behufen, die der Hohen Herrin Ashanti lieb und teuer sind. Gleichfalls meidet jeder aufrechte Ailinist die hesindeungefälligen Formen der Blutmagie, wie sie der Hohen Herrin eine Gräuel sind."

von: Stephan Witte
Erschienen in Opus no. 114 am 1.7.2001.



Aus den 'Gesprächen Rohals des Weisen über Ethik und Moral' (XIV.)

Auszüge aus dem gleichnamigen Kollektan
aller der Rohalszeit entstammenden Bände 
der 'Gespräche Rohals des Weisen' 
in freier Transkription, 
verfasst in der Sprache des Volkes, 
getätigt durch Lizentiatus Vitus Ehrwald,
Abgänger der Herzog-Eolan-Universität zu Methumis,
so geschehen im Jahre 2515 Horas zu Gareth 
mit gnädiger Unterstützung des Pentagontempels 
der Herrin Hesinde

Über das Selbst

Meister, sagt, wie schaffen wir es, uns stets selbst treu zu bleiben?

Die Vorstellung, dass der Charakter eines Menschen ein fest zu umreißender Begriff sei, ist ebenso weit verbreitet wie irrig. Es ist nicht ein einziges Selbst, das in euch wohnt, sondern euer Charakter wird aus dem Chor unzähliger Einzelseelen gebildet, der jeden Tag aufs Neue in anderer Zusammensetzung eure Gesinnung bestimmt. Hütet euch also davor, von euch selbst und eurem Willen ein Bild als Einheit aufzubauen, denn es ist die Vielheit all eurer inneren Stimmen, die euch ausmacht. Im Mindesten solltet ihr euch stets bewusst sein, dass euer Handeln das Produkt eurer Gedanken, Gefühle und Triebe ist, also von Geist, Seele und Körper bestimmt wird, die alle ihr Recht einfordern und von denen ihr keine Seite unterdrücken, jedoch auch niemals unkontrolliert und ohne Aufsicht der anderen über euer Tun bestimmen lassen sollt. Dieses Gleichgewicht zu wahren ist das Geheimnis echter Authentizität.

Über den Verstand, das Gefühl und die Triebe

Meister, was ist höher einzuschätzen: Verstand, Gefühl oder Trieb?

Der Mensch ist Mensch, und das bisschen Verstand, das einer haben mag, kommt wenig oder nicht in Anschlag, wenn Leidenschaften wüten und die Grenzen der Menschheit einen drängen. Den Verstand braucht ihr, um mit Weitblick ein vollständiges Bild von einer Handlung und ihren Folgen zu erlangen, doch erst das Gefühl ermöglicht es euch, sie als gut oder schlecht wahrzunehmen, und nur ein gesunder Körper kann aus Absichten auch Taten werden lassen. Wer sich nur von seiner Vernunft leiten lässt, ist nicht vernünftig, und wer zuviel überlegt, sucht oft nur nach Beweggründen, um nicht zu dürfen. Hört daher im Zweifel stets auf euer Herz, doch bemüht gar redlich euch darum, so oft es geht auch den Verstand gelten zu lassen und dabei trotz allem nicht eure menschlichen Triebe zu verleugnen, denn Körper, Geist und Seele machen gemeinsam den Menschen aus, und das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

von: Stephan Witte
Erschienen in Opus no. 114 am 1.7.2001 als Reaktion oder Fortsetzung zu Aus den 'Gesprächen Rohals des Weisen über Ethik und Moral' (XIII.).
Zu diesem Artikel erschien folgende Reaktion oder Fortsetzung: Aus den 'Gesprächen Rohals des Weisen über Ethik und Moral' (XV.).


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