ACADEMIA LIMBOLOGICA publicat
Opus veritatis scientiæque
seit Praios 29 Hal


Der Namenlose

Die fünf Tage zwischen dem alten und dem neuen Jahr, die Tage des Namenlosen, sind für jeden Aventurier - sieht man einmal von Schwarzmagiern, Nekromanten und Anhängern des verfluchten Gottes ab - eine unheilvolle und verwunschene Zeit, bezeichnet sie doch das schändliche Wirken des Namenlosen, der das göttliche Gefüge der 12 x 30 Tage stört und eine Spanne der Dunkelheit von 5 Tagen für sich und seine üble Gefolgschaft beansprucht.
Während die Rechtgläubigen die fünf verfluchten Tage keinem Namen nennen, wissen die Anbeter des dunklen Gottes sie durchaus zu bezeichnen. In den lästerlichen Schriften ihres Glaubens nämlich heißt es, das jeder einzelne Tag des Jahres einem Dämon der Unterwelt gehört und nach ihm benannt ist.
Beginnend mit dem ersten Tag des Jahres, an dem der schwächste dieser Dämonen herrscht, nimmt die Kraft des jeweiligen Tagesherrschers stetig zu. Die mächtigsten sind die fünf Dämonen, welche die Tage des Namenlosen regieren. Die Namen der Dämonen laute: Isyahadin (der 1. Tag), Aphestadil (der 2. Tag), Rahastes (der 3. Tag), Madaraestra (der 4. Tag) und schließlich Shihayazad (der 5. Tag).
Anders als man denken könnte sind diese Dämonen nicht dem Namenlosen untertan, wohl aber finden beide recht oft gefallen am Treiben des anderen, und so mag es dem Recht- wie dem Irrgläubigen so erscheinen, als könne der Namenlose über die finstere Brut der jenseitigen Sphären nach seinem Willen verfügen.
Laut alter Überlieferung heißt es, dass der Namenlose sich in der Zeit zwischen den Jahren aus dem Schlaf erhebe, in dem ihn seine göttlichen Geschwister während der vergangenen zwölf Monde gebannt haben, und ungehindert und frei mit seinen Kreaturen auf Seelenfang geht. Wenn sich aber einmal genug Seelen dem Namenlosen anvertraut haben, so ist die Zeit seiner Herrschaft über Dere gekommen.
Die Zwölfe sind während der fünf Namenlosen Tage geschwächt in  Erinnerung an das zähe, kräfteraubende Ringen mit ihrem Widersacher. Es liegt in dieser Zeit allein bei den Gläubigen sich und ganz Aventurien Kraft ihres Glaubens vor dem Griff des dunklen Gottes zu schützen.
Ebenso wie der Namenlose aber während seines Schlafes bedingt in die Geschicke der Menschen eingreifen kann, sind auch die Götter natürlich nicht vollkommen machtlos in dieser Zeit, doch ihre Kraft ist stark eingeschränkt.
Erstaunlicherweise sind es nicht nur die Rechtgläubigen, die nach dem Gebot ihrer Götter keinen Namen für den Unheilvollen Gott haben. Auch die Anbeter der dunklen Gottheit wissen ihn nicht zu benennen, es sei denn als "Herrscher der Herrscher", "der wahre Herr", "allmächtiger Herr", "Beherrscher der Welt", etc. Zwar trägt der Namenlose einen Namen, ebenso wie die Zwölfgötter, doch dieser gibt ihn nicht preis: große Macht steckt in dem Namen einer jeden Wesenheit, sei sie göttlich, dämonisch, oder menschlich, sei sie Tier, Pflanze oder Element. Die man die Zwölfe nennt, sie haben nichts zu fürchten und können ihren Namen wohl nennen. Jener aber, der ohne Namen ist, er umgibt sich mit Trug, Verrat und Tücke. So wagt er es nicht seinen Namen zu nennen, auch nicht jenen, die sich ihm zu Füßen werfen, weiß er doch auf was für trügerischen Grunde ihre Ehrerbietung gebaut ist. Nur einem einzigen Menschen auf Deres weitem Felde teilt er sich mit, das ist der oberste der Oberen seiner Diener, der, dessen Geist und Leib ihm ganz und gar gehören, jener, der sein Seelenheil für immer verloren hat ist der Wegbereiter des Herrn der Herren oder auch des einzigen Herren, wie seine Gläubigen sagen. Das ist sein oberster Priester. Dieser nun wird als einziger den Namen seiner Gottheit erfahren auf das er den dunklen Gott leibhaftig anzurufen versteht und ihm den Weg in die Gefilde der Menschen weisen kann, so die Zeit gekommen ist.
Die namenlosen Priester, die Geweihten seiner Kirche, haben sich zudem einer geheimen Ordnung unterworfen, die etwa mit den Einweihungsgraden einer liebfeldschen Loge vergleichbar ist. Jedoch konnte nur die Bezeichnung des Geweihten 4. Grades in Erfahrung gebracht werden: Sephirim Isyahadan. Die verderbte Anhängerschaft des Namenlosen vermag es auch, frevelhafte "Wunder" zu wirken. Hier sind uns die Namen zweier überliefert: Schwindende Zauberkraft und Namenloser Zweifel. Doch die genauen Auswirkungen sind unbekannt, wie so vieles andere auch, denn die Anhängerschaft des Namenlosen hält sich im Verborgenen um dem gerechten Zorn der Rechtgläubigen zu entkommen.

Magister Morion Garlech von Silas

"Der, der niederkniet wird auferstehen!
Denn herrschen wird nur er und töricht die, die sich im widersetzen!"

Erschienen in Opus no. 66 am 7.5.2000 als Reaktion oder Fortsetzung zu Sehet, namenloses Grauen und Verblendung!.



An Magus Borgana ibn Walut Almawed:
Nicht die offene Schlacht oder der laute Schrei ist es der zum Erfolge wider die Schwarzen Lande führen wird sondern die List und die Schweigsamkeit des Phex ist es. - Oder um es anders auszudrücken: Den Vogel, der am Morgen schreit, frisst am Abend die Katze.

Anonym

Erschienen in Opus no. 66 am 7.5.2000 als Reaktion oder Fortsetzung zu Erwachet, Collegae et Collegi, Erwachet!.



Ad "Die Elemente" von Collega Rassul al-Scheik, 
publicat in Opus veritatis scientiæque, Ausgabe LIX
von Magus Thundar Hurlemanoff

Werter Collega Rassul al-Scheik, werte Leser,
Zunächst bitte ich um Nachsicht, dass diese Reactio meinerseits so verspätet erfolgt, doch befand ich mich zum Zeitpunkt des Erscheinens justament jenes Opus auf den ich mich beziehe zum Behufe von Nachforschungen auf Reisen. Der höchst ansprechende Artikel bedarf jedoch - aus meiner Sicht der Dinge - einiger wichtiger Anmerkungen, die ich hiermit nachtragen möchte. Genug der Vorrede - tempore esentia luxuria est.

Keineswegs ist es so, dass - wie es die weitverbreitete Meinung zu sein scheint - die Kraft das 7. Element ist, sondern vielmehr handelt(e) es sich um die Kittsubstanz der Weltordnung, wie ich zu belegen versuchen will.
Auf der einen Seite trennte Los vermittels ihr - manifestiert als Limbus - die Sphären, auf der anderen Seite verband er sie auch durch justament sie. Wie der Maurer die Steine durch den Mörtel trennt und zugleich der Mauer zu Bestand verhilft, so setzte Los die Kraft ein. Den heißt es nicht in einem Passus im Codex Dimensionis: "Groß ist die Kraft, denn es ist LOS' Macht von Anfang an mit ihr gewesen, als sie wie ein breiter Fluss die Welten der Götter und die der Dämonen voneinander trennte." (einzusehen an der Akademie zu Punin).
Entgegen den sechs Elementen welche unzweifelhaft von Sumu ausgehen, hat die Kraft ergo ihren Ursprung in Los - wie ja auch der Collega richtig bemerkte. Warum kann man sie nicht als eigenständige Macht auffassen? Warum kann nicht akzeptiert werden, dass die Weltordnung sich nicht in ein starres und möglichst simples Denkmodel pressen lässt? Warum wird stets versucht anhand der Zahlenmystik (sei es nun die Zahl 7 oder die 2x2x2 der Maraskaner - wenn man das Sikaryan als 8. Element postuliert) die allein dem Kleingeist der Bewohner der 3. Sphäre entsprungen ist zu argumentieren? Wenn - laut Rassul al-Scheik - die Kraft keinen Platz im Elementargefüge hat (wo ich ihm voll zustimme), warum so frage ich muss man sie dann just in dieses zu pressen suchen?
Dem verfluchten Dämonenmeister und seinen Schergen gelang es vermittels eines komplexen Apparates durch Störung der Harmonie der Elemente riesige Mengen an freier Kraft zu erzeugen. Ähnliches ist - in wesentlich kleinerem Umfang - auch von der Edelsteinmagie und einem Ritual druidischen Ursprunges bekannt. Die Zerstörung von Materie (vulgo im Endeffekt von Dingen elementaren Ursprungs) führt also zur Freisetzung von freier Kraft. Besonderen Erfolg scheint dies immer dann zu versprechen, wenn die zu zerstörende Materie in sich eine starke Ordnung aufweist. Ergo: Wenn durch die Zerstörung von Ordnung Kraft frei wird, so hat die gebundene Kraft augenscheinlich immer noch (trotz Madas Frevel) die Aufgabe die Ordnung zu stabilisieren - wenn nicht sogar die Schaffung dieser Ordnung erst zu ermöglichen. Durch Madas Frevel wurde die erste freie Kraftmenge "geboren" und zwar justament in dem Moment als sie Teile der bisherigen Weltordnung zerstörte. Dieses ungeheure Potential - das in der höchsten aller Ordnungen steckt und steckte - ist es, das wir heute nutzen.
Auf die Cantiones die stets aufs Neue als Beweis angeführt werden, dass es sich bei der Kraft um das verlorene siebte Element handeln soll möchte ich ebenfalls kurz eingehen:
Primo hat die Hexalogie der elementaren Bewegung nichts mit dem PLANASTRALE gemein! Bei den Sprüchen der elementaren Bewegung handelt es sich um die Schaffung einer Fortbewegungsmöglichkeit durch oder über das betreffende Element wo ansonsten eine Fortbewegung nicht oder nur sehr schwer möglich wäre. Der PLANASTRALE hingegen schafft lediglich eine Öffnung zum Limbus. Die Bewegung innerhalb des Limbus jedoch erfolgt ohne Wirkung eines Zaubers (ist sie doch auch für nicht Begabte ohne Blutmagie,... möglich). Diesen Punkt könnte man problemlos beweisen, wären die nötigen Zauber nicht - aus naheliegenden Gründen (Zahl dämonischer Präsenzen im Limbus) - durch die Gilde restriktiven Beschränkungen unterworfen worden. Wenn man nämlich vermittels TRANSVERSALIS den Sprung in den Limbus vollführt, stehen einem die selben Bewegungsmöglichkeiten offen wie nach einem PLANASTRALE - und nach allgemeinem Consensus endet ja die Wirkung des TRANSVERSALIS mit der Ankunft am Zielort. Im übrigen müsste ja ansonsten via PLANASTRALE auch in der dritten Sphäre einen Bewegung "über", "auf" oder "entlang" des "Elements" - sprich den Kraftlinien - möglich sein, da sich die Zauber einer Hexalogie immer stark gleichen.
Secundo ist es zwar so, dass die Hexalogie der elementaren Zerstörung (ZORN DER ELEMENTE), der FULMINICTUS und auch der IGINSFAXIUS in der Tat einige erstaunliche Ähnlichkeiten in ihrer Kernthesis aufweisen. Jedoch findet man eine ähnliche Matrix auch im KULMINATIO wieder. Ergo ist es viel eher wahrscheinlich, dass die Zerstörung - und das ist ja letztlich die Wirkung all dieser Zauber - von Materie beziehungsweise. der Ordnung innerhalb dieser Materie (und somit bei Lebewesen der Möglichkeit die Kraft des Lebens zu speichern - was ja letztlich die Schadenswirkung ausmacht) immer nach dem gleichem Prinzip vollbracht wird und sich die Cantiones aus diesem Grunde ähneln. Ja, ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass der FULMINICTUS eine Art Kernthesis für alle genannten Schadenszauber ist, da er ohne Umweg direkt durch die Einwirkung der Kraft wirkt, während alle anderen Canti - wenn nicht ausschließlich dann zumindest auch - über Sekundäreffekte Schaden verursachen.
Diese Thesis wird übrigens durch die Heilwirkung des REVERSALIS [Fulminictus] gestützt. Die anderen Schadenszauber rufen ja bekannterweise weiter Schaden über andere - dem konträrem Element zugeordnete - Effekte hervor (IGNISFAXIUS wird zum "AQUAFAXIUS",...).
Tertio halte ich es für weit mehr als verfrüht und spekulativ von einer "Heptalogie" der elementaren Explosionen zu sprechen wo noch nicht einmal die Formeln für die "ordinären" sechs Elemente bekannt sind.
Quarto ist es mir leider nicht möglich mich zu einer potentiellen Hexa- oder Heptalogie der elementaren Wirbel zu äußern - es sei denn rein spekulativ. Zwar ist mir der AUGE DES LIMBUS sehr wohl geläufig, doch war es mir bisher nicht vergönnt einen der "klassische" elementaren Wirbel zu erlernen - gerne würde ich mich jedoch dazu mit einem oder mehreren Kundigen treffen um auch hierzu Nachforschungen anzustellen.
Ad quintum: Der "populäre" GARDIANUM unterscheidet sich in einem nicht ganz unwichtigen Punkt eindeutig - wie ich meine - von den elementaren Wänden: Er stellt keinerlei Hindernis für stoffliche Gegenstände dar! Eher könnte man ja noch den ARMATRUTZ oder aber den FORTIFEX (der übrigens im Gegensatz zum GARDIANUM tatsächlich Analoga in den Matrices zum WAND AUS... aufweist - was wohl so ähnlich zu bewerten ist wie bei den Kampfzaubern) als mögliche "siebte Wand" ins Gespräch bringen. Fragt sich nur was war zuerst - demnächst mag einem der Collegae die Kombination des ARMATRUTZ und des GARDIANUM gelingen und die Formel wird vielleicht in 50 Jahren als "wiederentdeckte" WAND AUS KRAFT gepriesen werden.
Ad sextum: Zuerst dachte ich tatsächlich der OPUS hätte einen "Brief aus Selem" veröffentlicht, doch inzwischen bin ich mir sicher, dass Magus Rassul al-Scheik sich hier in der "Hitze des Gefechts" einfach verschrieben haben muss. Ein solcher Lapsus könnte nicht nur die Reputatio beschädigen sondern auch einige unangenehme Fragen durch die Gilde oder gar die Inquisition nach sich ziehen - sicherlich zumindest im Wiederholungsfall. Der HASELBUSCH - der mir persönlich recht gut bekannt ist - ermöglicht "lediglich" die Verwandlung von Pflanzen innerhalb des natürlichen Rahmens. Sei das nun die Verformung derselben oder die vorzeitige Blüte. Der MUTABILI hingegen ermöglicht die Perversion alles losgegebenen Lebens. Er beinhaltet - nach allen verfügbaren Erkenntnissen - Anrufungen an eine Erzdämonisch Wesenheit. Diesen unsäglichen Cantus so zu verharmlosen, ihn zu bagatellisieren, ihn "klein-zu-reden" ist mehr als bloßer Leichtsinn.
Ad septimum: Auch hier gilt, dass "man das Fell des Säbelzahntigers erst verkaufen kann, wenn man ihn erlegt hat". Die Fähigkeit ihr Element zu entdecken haben nur die Elementarwesen und ob sie dazu eines Zaubers bedürfen wage ich einmal getrost zu bezweifeln. Wahrscheinlich verfügen sie lediglich über einen andere Sinneswahrnehmung als wir.
Wo wir gerade bei Elementarwesen sind, möchte ich zum Schluss noch die Gelegenheit nützen darauf hinzuweisen, dass jenen Entitäten die gemeinhin als "Mindere Geister" bezeichnet werden immer an Übergängen von zwei oder mehr Elementen ineinander zu finden sind. So zum Beispiel an Wasserfällen wo das Element Wasser durch das Element Luft in feinste Tröpfchen zerteilt wird. Wie alle "verwandten" Entitäten, so lässt sich zwar auch bei ihnen einen gewisse gespeicherte Kraft nachweisen, doch empfinde ich es als mehr als gewagt, dies zum Anlass zu nehmen sie zu "kraftlosen Dienern der Kraft" zu machen. Schließlich definieren sie sich durch die unterschiedlichen Elemente aus denen sie bestehen in unterschiedliche "Klassen" und nicht durch die Kraft an sich die ihnen innewohnt. Mit gleichem Recht könnte man (wie ich es neulich bei zwei Scholaren belauschen konnte) alle Elfen als ehemalige "Dschinne der Kraft" bezeichnen (aus dem "Licht" hervorgegangen, alle zauberkundig, extrem langlebig und in tulamidischen Landen werden sie auch als Dschinim angesehen [Volksaberglaube]). Wobei (was die Minderen Geister angeht) ich wohl zugeben will, dass die Frage was zuerst war - Kraft oder Elementargemisch - nicht beantwortbar sein dürfte.
Ich schließe folglich meine Ausführungen mit der Feststellung, dass die Kraft weder den selben Ursprung noch andere Gemeinsamkeiten mit den Elementen an sich hat und folglich auch nicht als "siebtes Element" zu betrachten und einzuordnen ist.

Hochachtungsvoll und mit der Hoffnung auf einen regen Austausch von Wissen zu diesem Gebiet verbleibt.
Magus Thundar Hurlemanoff

Postscriptum: Die Überlegungen zu einer Trennung der Elemente Humus und Eis und ihre Erhebungen zu Prinzipien des Lebens und des Todes kann und will ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Nach meinen Erfahrungen aus der Praxis ist es vielmehr so, dass sich selbige genau wie die anderen Elemente verhalten - insofern erscheint mir die Diskussion darüber müßig, da der Versuch das Gedankenexperiment an Beweiskraft bei weitem übersteigt.

von: Florian Kreuzinger
Erschienen in Opus no. 66 am 7.5.2000 als Reaktion oder Fortsetzung zu Die Elemente.


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