Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

21. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Vorlesung des Magus Tiron Talaiama über die elfische Sicht der Magie
Hohe Akademie des Lebens zu Baburin

"Seid gegrüßt zu meiner jetzt schon zweiten Vorlesung an dieser Akademie. Für alle, die mich noch nicht kennen, mein Name ist Tiron Talaiama und ich bin an dieser Akademie zur Zeit zum Zweitstudium eingeschrieben. Meine erste Ausbildung zum Magier erhielt ich beim Kampfseminar Andergast, und ich hoffe, dass ich nach meiner zweiten Ausbildung auch einen festen Lehrstuhl an einer Akademie bekomme.

Nun aber zu der heutigen Vorlesung: Es geht um die elfischen Ansichten der Magie.
Dabei kann ich allerdings fast nur auf meine eigenen Gedanken und die Erfahrungsberichte von einigen Elfenfreunden von mir zurückgreifen; es ist also gut möglich, dass andere Mitglieder aus meinem Volk mir widersprechen mögen, aber das lässt sich wohl nicht vermeiden.

Die drei Völker der Elfen, namentlich den grinfeya, den biunfeya und den lairfeya ist eins gemeinsam: Sie alle betrachten die Magie nicht als Wissenschaft, sondern als intuitive Begabung, vergleichbar mit der Jagd oder auch der Musik. Es ist ja bekannt, dass alle Elfen die Kunst des Zauberns beherrschen, ohne dass sie jahrelang irgendwelche Bücher wälzen müssen. Im späteren Leben gibt es ein paar, aber nur sehr wenige der Elfen, die sich entschließen, die Magie weiter zu erlernen und auch von der menschlichen, Entschuldigung, der wissenschaftlichen Seite zu betrachten.
Um zu erklären, wie die Elfen ihre Magiekenntnisse erlernen und erweitern, muss ich aber noch eine andere Eigenart des Elfenvolkes erklären. Sie alle, ob sie aus der Eiswüste, den Auen oder den großen Wäldern kommen, haben eine Gemeinsamkeit: Sie versammeln sich häufig mit allen Sippenmitgliedern, um ihre Seelen zu vereinen und so eins zu werden.
Das kann man sich vereinfacht so vorstellen:
Die gesamte Sippe versammelt sich am schönsten (und ruhigsten) Platz (z.B. eine schöne Waldlichtung, an Flussufern, die von vielen Blumen umgeben sind, Eishöhlen, in denen sich das Licht in allen Farben des Regenbogens bricht oder ähnlich prachtvollen Orte) und beginnt sich an den Händen zu fassen, ihre Leiber zu berühren und einige von ihnen singen oder summen eine liebliche Melodie. Andere horchen in sich hinein und bereiten sich so auf den Bund mit ihren "Geschwistern" vor. Es dauert oft Stunden, bis ein jeder dazu breit ist, seinen Geist mit dem der anderen Sippenmitglieder zu verbinden. Doch Zeit ist etwas, dass man dabei total vergisst, und eigentlich spielt sie dabei auch keine Rolle. Doch irgendwann ist der Moment gekommen, wo ein jeder Elf seinen Geist vom Körper löst und die Nähe der Seelen von seinen Brüdern und Schwestern sucht und findet. Sie spielen so sozusagen mit den anderen Seelen, berühren sich, bis sie schließlich verschmelzen. In diesem Moment kann ein jeder die Gefühle, ob Freud oder Leid, aber auch die Gedanken der anderen erkennen und teilen, als wenn es die eigenen Gefühle sind! Dann ist es erreicht, das salasandra. Ein jeder Elf oder auch ein anderer Magiekundiger gibt in diesem Moment sein Wesen für eine gewisse Spanne auf, um Teil eines viel höheren Wesens zu sein. Es ist nicht möglich, diesen Zustand genauer zu beschreiben, aber wenn einer von Euch jemals einen Elfen als echten Freund gewinnt, mag es sein, dass auch er einmal das salasandra miterleben kann!

Um jetzt wieder zu Tatsachen zu kommen: Das salasandra ist vergleichbar mit dem Zauber UNITATIO GEISTESBUND, aber niemals kann man mit diesem Zauber eine Verbindung von solch einer Intensität erschaffen.
Es ist auch möglich, im salasandra zu zaubern, und so mögen auch viele Kunstwerke aus meinem Volk entstanden sein; es ist aber nicht möglich, im salasandra Kampf- oder andere Zauber gegen Feinde zu sprechen, denn das salasandra erreicht man nur, wenn man total ungestört und ohne Hast ist. Auch geht es unserem Volk nicht darum, möglichst viele mächtige Zauber zu sprechen, sondern die Nähe des Gefährten zu spüren und seine Gefühle zu teilen.
Zwar können nur Magiekundige am salasandra teilnehmen, aber sie geben in diesem Moment nicht von ihrer Kraft auf, so lange kein Zauber gewoben wird.

So erlernen auch die kleinsten der Elfen schon die Magie. In dieser Verbindung "spürt" er sozusagen das Wesen eines Zaubers. Er spürt die Art des Wirkens, und er kann sich ein Beispiel an den Gedanken seines "Lehrers" nehmen, um zu wissen, wie dieser Zauber gewirkt wird. So kommt es auch, dass die Elfen für das Erlernen ihrer Sprüche keine Bücher benötigen. Das Wissen wird von Generation zu Generation so weitergegeben, und kein Elf, der nicht an einer Akademie war oder einen Lehrmeister hatte, könnte aus einer einfachen Thesis ohne weiteres einen Spruch herleiten, andererseits, sie wissen auch alles, was sie zum (Über-) Leben in der Natur brauchen, und nur selten zieht es einen von uns in die staubigen Hörsäle oder Bibliotheken der Menschen, nur um ihnen nachzueifern, denn eines ist uns dann bewusst: Jede Lücke ist für die Sippe ein schmerzlicher Verlust, der nur schwer überwunden wird. Und auch jeder noch so törichte Elf wird sich im Laufe seines Lebens darüber im klaren sein, was er sich und vor allem seiner Sippe mit seinem Verschwinden angetan hat."

Magus Talaiama wird zusehends trauriger. Er scheint für wenige Minuten gedankenverloren am Rednerpult zu stehen, und eine Träne läuft ihm schimmernd über das Gesicht.
Dann räuspert er sich kurz, und sein Gesicht wird mehr schlecht gespielt wieder fröhlich:

"Nun, das war es erst einmal, was ich dazu sagen wollte, wenn es keine Fragen gibt, würde ich mich gern in mein Gemach zurückziehen, danke!"

Ohne noch weiter auf eine Antwort zu warten, begibt er sich aus dem Hörsaal in Richtung seines Zimmers.

Erschienen in Opus no. 61 am 2.4.2000.

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