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Der Schwarze Limbus    

21. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

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Besinnt euch, collegi et collegae, wieder auf das Wesentliche!

"In letzter Zeit erreichen uns immer häufiger Nachrichten über geschätzte Kollegen, (...)" die "sich in den pelzverbrämten und bestickten Gewändern von Kaufleuten, in bunten Geckenhosen (...) einherbewegen.
Ist solches Verhalten ohnehin schon schandbar, da es doch dem Ansehen des Einzelnen wie auch dem unserer gesamten Profession Schaden zufügt, indem es uns Schimpf und Spott aussetzt, so wagen es jene Verblendeten auch noch, diese Freiheit der Kleidungswahl als
neurohalistisch zu bezeichnen und so das Ansehen unseres hochgeachteten Meisters in den Schmutz zu ziehen."

Wie also bereits Meistermagus und Wissensbewahrer Sirdon Kosmaar des
Instituts zu Punin im Jahre 1010 BF aufzeigte, so verfällt der einstmals gute Ruf der Magier zusehends mehr und mehr.
Doch nicht nur in puncto Gewandung zeigt sich ein deutlicher und nicht übersehbarer Verfall der Sitten. Nein, auch in der Ausbildung der magi et magae an unseren Akademien sind gravierende Mängel beobachtbar. Es scheint mir klüger, dies zwar aus eigenen Erfahrungen zu berichten, dabei aber auf die Nennung der jeweiligen Akademien zu verzichten. (Anm. d. Autors)

Es wird immer mehr darauf geachtet, dass die adepti et adeptae eine Vielzahl an Thesen und Formeln beherrschen, - auch will ich nicht bestreiten, dass sie dieser Sprüche wahrlich Herr sind - doch auf die Ausführung der korrekten Gesten und auf das Rezipieren der Formel wird nur noch selten geachtet.
Bestes Beispiel hierfür scheint mir doch der Verfall einer alten, ehrwürdigen Tradition zu sein. Noch vor wenigen Jahren wurde jedem adeptus und jeder adepta der Hilffreyche Leytfaden des Wandernden Adepten mitgegeben, ein Brevier, das auf vorzüglichste Art und Weise und äußerst Hesinde-gefällig obendrein erklärt, wie sich ein magus, eine maga außerhalb der Akademiemauern zu verhalten hat.
Im folgenden möchte ich aus eben jenem Büchlein zitieren:

I* AM ANFANG stehe stets und immer die moralische Selbstprüfung des Zauberkundigen. Nur aus ihr folge der Entschluß, in das Walten der Welt magisch bewegend einzugreifen.

Welcher magus oder welche maga überdenkt denn wahrhaftig den Sinn und
Zweck seines/ihres Zaubers, unter besonderer Bezugnahme der Zauberwirkung auf die Welt? Und wenn dies geschieht, so wahrhaftig nicht unter moralischen Aspekten, doch vielmehr unter der Frage, ob es sich auch
lohnt, den Zauber anzuwenden, ob sich dabei für den Anwender irgendeine Art von Nutzen ergibt oder auch unter Berücksichtigung seiner noch vorhandene Kraftreserven.
Das Zaubern um des Zauberns Willen ist uns verloren gegangen, das Zaubern für die Forschung und das Zaubern als magica adiuvanda - als Unterstützung.

II* ALS NÄCHSTES besinne sich der Zauberkundige auf die magische Formel oder Handlung, in welchselbige die Zauberwirkung eingebunden ist.

Nun, hat denn schon jemand versucht sich länger als nötig auf den Zauber zu konzentrieren, die Formel ein weiteres Mal im Geiste durchzugehen? Üblicherweise geschieht dies doch in der Mindestzeit. Es wäre interessant, dazu ein Forschungsprojekt zu starten - ergibt sich eine doppelte Zauberwirkung aus doppelter Konzentration(sdauer)? Wird die Wirkung verdoppelt?

III* HIERNACH SPRECHE der Zaubernde die Formel aus, ohne Scheu und so laut und vernehmlich, dass sie von jedermann zu verstehen sei.

"Ohne Scheu" spreche der Zaubernde die Formel! Diese durchaus sinnvolle
Einfügung soll das Selbstbewusstsein des Zaubernden stärken, er/sie soll sich - ähnlich wie durch die Gewandung - als magus/maga ausweisen und dies mit dem nötigen Stolz.
Dies verhindert schon allein zwei Missstände:
primo wird die Anwendung hinterlistiger Zauberei vermieden
secundo wird die Anwendung trügerischer Hexerei unterbunden, da solche Art der Magie oft gar kein Rezitieren benötigt.

Natürlich findet dieses vorzügliche Werk noch seine Fortsetzung, doch ich möchte jeden magus und jede maga zur weiteren Lektüre anregen.
Mir bleibt nur noch der Aufruf an alle hochgeschätzten collegi et collegae an den Magierakademien: Besinnt euch wieder auf das Wesentliche!

Großmeister Erilarion Androstaal, Ergründer der Sphären, Theoretiker über
die Ordnung der Welt

Als Anhang diesem Werk beigefügt habe ich noch eine Stelle aus dem CODEX ALBYRICUS, die einem jeden magus und einer jeden maga wohlbekannt sein sollte:
"Als Magier und Magierinnen im Sinne dieser Definition gelten all jene, welche die arkanen Kräfte an einem der unter 2.4 genannten Institute geschult und geübt, gleichfalls unter Supervision demonstriert und somit ihre Kenntnis bewiesen haben.
Zum Zeichen ihrer Rechte und Pflichten sollen sie die Siegel ihrer Akademie in ihrer Hand tragen und an ihrer Kleidung als von arkaner Profession kenntlich sein.
An Hand und Hals, Leben, Leib, Freiheit und Besitz gerichtet werden sollen sie nicht nach des Greifen Recht und nicht nach der Fürsten Recht, sondern nach der Gilden Recht, wie allfolgend beschrieben..."

von: Philipp Schumacher
Erschienen in Opus no. 1 am 16.1.1999.

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