Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

21. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

Titelblatt
Compilationen
- Artikel hinzufügen
Archiv
Compages
Suche
meistbetrachtete Artikel
zufälliger Artikel
Umfragen
Redaktion

Menü verstecken


Entdeckung wundersamer Geoden-Hexerei
von Thelador Kenet

Gar Wundersames habe ich in diesem Text zu berichten, handelt er doch von den Mysterien der Zwergendruiden, auch Geoden geheißen. Denn, so glaube ich, hatte ich das Glück einem zu begegnen (bzw. aus der Ferne zu beobachten) und seiner Magie ansichtig zu werden.
Doch den geneigten Leser möchte ich nun nicht weiter auf die Folter spannen und ihm von diesem bemerkenswerten Ereignis erzählen.

Es war an einem sonnigen Abend vergangenen Monats, als ich ein wenig durch die Wälder der Umgebung auf der Suche nach ein wenig Erholung und Ruhe wanderte, als ich plötzlich eine rauhe Stimme hörte. Sie konnte nicht weit sein, dachte ich mir, doch ich konnte keine einzelnen Worte verstehen. Ich wirkte schnell einen EXPOSAMI um die Herkunft auszumachen und spürte nur ein Lebewesen von annähernd menschengroßer Gestalt. Ich ging dem leise nach und kam auf eine Lichtung. Und dort sah ich ihn: einen Zwerg, mit langen braunen Haaren, gewandet in eine wollene Kutte und kein festes Schuhwerk sondern nur Sandalen tragend. Mir war sofort klar, dies konnte keiner der axtschwingenden Kämpfer sein, von denen so viele Geschichten erzählt werden, auch war es kein Priester, da er ohne Ornat war. Es konnte nur einer der geheimnisumwitterten Zwergendruiden sein! Das Besondere war jedoch - daß er sich mit einem Stein unterhielt! Nun gut, eigentlich war es eher ein Felsen, war der "Stein" doch etwa genau so groß wie der Zwerg selber. Endlich konnte ich auch die Worte verstehen (ich mußte mich aber ziemlich anstrengen, da der Zwerg einen seltsamen Dialekt sprach, und mein Zwergisch ist auch nicht mehr das beste). Jedenfalls tat der Geode so, als könnte der Stein ihn verstehen! Gespannt lauschte ich nun dem Monolog, denn der Fels antwortete natürlich nicht. Der Fels sollte nicht eingeschnappt sein und die Kindereien lassen, er möge doch endlich wieder "Gestalt annehmen" und zurück zu Dabrasch gehen, um sich mit ihm zu versöhnen. Schließlich seufzte der Geode laut und wandte sich vom Fels ab, drehte sich genau in meine Richtung. Ich war mir sicher, daß er mich gesehen hatte und verschwand schnell im Dickicht. Ich sprach sofort einen SPURLOS, TRITTLOS und einen GEWANDTHEIT und schon war ich auf der anderen Seite der Lichtung. Ich traute meinen Augen nicht: Inzwischen war der Fels verschwunden, dafür aber ein zweiter Zwerg (genauso wie der andere gekleidet) anwesend! Sie unterhielten sich leise und blickten in die Richtung meines alten Versteckes. Vorsichtig wartete ich ab...
Plötzlich schwiegen die Zwerge, wenige Momente später schnellte der neue Zwerg um und deutete auf mein Versteck. Ich lief sofort los und wollte mir wieder ein neues Versteck suchen, doch ich merkte, daß mir die Geoden direkt auf den Fersen waren. Auch dies führe ich auf ihre große, uralte Macht zurück, haben doch Zwerge viel kürzere Beine, außerdem bin ich recht gut durchtrainiert, wenn ich das sagen darf.
Jedenfalls holten die Zwerge mich noch im Wald ein und stellten mich. Ich wußte nicht, was ich von ihnen erwarten sollte: die meisten Zwerge sind offene und fröhliche Gesellen, doch über Zwergendruiden kennt man nun wahrlich wenige Fakten, man erzählt sich von finsteren Beherrschern aber auch von Freunden der Elemente. Nun, ich schien zum Glück an letztere Sorte geraten zu sein. Jedenfalls fragten sie mich gar nicht, warum ich sie beschattete, sondern warum ich weglief. Nach einigen kurzen Wortwechseln durfte ich sie zu ihrem Lager in einer naheliegenden Höhle begleiten.
Dort führten wir ein langes und intensives Gespräch, daß ich hier gekürzt wiedergeben möchte. Zur Erläuterung sei gesagt, daß der erste Zwerg Dugobalosch und der zweite Cendrasch heißt.

Ich: Sagt, als ich kam sah ich nur Dugobalosch und einen Felsen, und Dugobalosch sprach mit diesem. Als ich dann ein neues Versteck suchte und schließlich wieder hinsah, war der Felsen verschwunden, dafür aber Cendrasch aufgetaucht. Was ist da passiert?
Dugobalosch: Nein, es ist weder ein Felsen verschwunden noch ein Zwerg erschienen. Denn der Felsen ist in uns und wir sind im Felsen.
Ich: also hat Cendrasch sich in einen Felsen verwandelt?
Cendrasch: Hörst du nicht zu? Ich habe mich nicht verwandelt, ich bin der Felsen so wie der Felsen ich ist. Ich habe mich nicht verwandelt, ich habe nur meinen Körper verändert...
Ich: Also eine Illusion?
Cendrasch: ...und meine Form gewandelt. Denn wie uns die Geschichte lehrt, entstanden wir Zwerge aus Gestein, und wenn wir daraus gemacht sind, warum sollten wir nicht wieder welches werden können?
Ich: Das heißt, Geoden können ihren Körper nach Belieben in Stein verwandeln?
Dugobalosch: Du bist wie alle menschlichen Gelehrten, du hörst nicht zu! Wir verwandeln uns nicht! Um aber deine Frage zu beantworten: ganz so einfach ist es nicht, und es ist nicht allen Geoden möglich. Denn unter den Geoden gibt es nur wenige, die das Andenken Angroschs in ihrem Herzen bewahren und Ihn als Schöpfer der Zwerge in Erinnerung behalten. Meistens sind dies Zwerge, die sich dem Erz oder dem Feuer verschrieben haben, selten auch Diener des Humus. Wir sind in der Lage, mit unserem Glauben an Angrosch und Seinem Blut als Fokus mit seinem Körper in dieser Welt eins zu werden.
Ich: Ich verstehe, ihr seid also eine Minderheit bei den Geoden, weil ihr Angrosch verehrt. Doch was meint ihr mit Blut Angroschs?
Cendrasch: Das Blut Angroschs ist das Obsidian, Vulkanglas. Es gibt viele Zwerge, die einen Stein aus Obsidian wie diesen hier (er hielt einen faustgroßen Stein hoch) in Gedenken an unseren Schöpfer mit sich führen. Doch nur die, die Ihm treu blieben, vermögen es, Seine Macht sich zu nutzen zu machen. Verliert man den Glauben, kann man auch den Stein nicht mehr weihen.
Ich: Dann zieht ihr Eure Kraft aus einem Stein?
Cendrasch: Der Stein ist nur Ausdruck unseres Glaubens und Fokus der Kraft Sumus. Denn nur Sumus Kraft gebunden in Angroschs Wille ist wirksam.

Hier wurden die beiden Zwerge plötzlich viel schweigsamer und unterhielten sich mit mir nur noch über heilkräftige Pflanzen. Ich hatte das Gefühl, daß sie mir schon viel mehr erzählt haben, als sie eigentlich wollten.

Um mehr über diese geheimnisvolle Macht zu erfahren, mit der es den Geoden offenbar möglich ist, sich in Gestein zu verwandeln, werde ich mich auf eine Studienreise begeben. Vielleicht finde ich ja sogar die Meisterformel des DURCH ERZ oder des GRANIT UND MARMOR?

Thelador Kenet; Akademie der illusionären Phantasmagorien der schwarzen Schule zu Tjolmar, 18. EFF 29 Hal

Erschienen in Opus no. 10 am 21.3.1999.

Suche in 575 Opus-Artikeln

ein oder mehrere Begriffe
alle Artikel anzeigen

Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2006 Spielerverein der Freunde des Gepflegten Rollenspiels