Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

20. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

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Aus den 'Gesprächen Rohals des Weisen über Ethik und Moral' (XVI.)

Auszüge aus dem gleichnamigen Kollektan
aller der Rohalszeit entstammenden Bände 
der 'Gespräche Rohals des Weisen' 
in freier Transkription, 
verfasst in der Sprache des Volkes, 
getätigt durch Lizentiatus Vitus Ehrwald,
Abgänger der Herzog-Eolan-Universität zu Methumis,
so geschehen im Jahre 2515 Horas zu Gareth 
mit gnädiger Unterstützung des Pentagontempels 
der Herrin Hesinde

Über die Wahrheit

Meister, sagt, kann die Suche nach Wahrheit überhaupt je zum Ziel uns führen?

Von denen, welche sich rühmen, die Wahrheit zu suchen, suchen die mehresten nur ein System; und wenn sie nur irgendeines gefunden haben, so sind sie zufrieden und bleiben nicht selten auf ewig darin gefangen. In Wahrheit ist Wahrheit ein Grenzwert, den der Mensch nie erreichen kann, denn ihr könnt nicht die Dinge an sich, sondern nur deren Erscheinung wahrnehmen. Wahr ist nicht immer das, was ihr wahr haben wollt, und alles, was lediglich wahrscheinlich ist, ist wahrscheinlich falsch. Daher sollt ihr nicht nach Wahrheit, sondern nach Wahrhaftigkeit streben, denn Wahrheit ist bei den Göttern allein. Wahrhaftigkeit jedoch meint Offenheit und Ehrlichkeit zugleich und verdient in jedweder Form stets Anerkennung. Dennoch gehört euer Innerstes nur euch und müsst ihr selbst entscheiden, wem wie viel davon ihr offenbart. Bedenkt jedoch, dass wohl ein halbleeres Glas zugleich ein halbvolles, eine halbe Lüge jedoch mitnichten eine halbe Wahrheit ist.

Über den Glauben

Meister, sagt, was ist der richtige Glaube?

Der Glaube ist eine starke Kraft, die aus Vertrauen und Sehnsucht Hoffnung und innere Ruhe zu schaffen vermag. Doch selbst der Glaube kann den Menschen nicht von etwas überzeugen, das seiner Vernunft zuwiderläuft. Der richtige Glaube ist daher im Unterschied zum Aberglauben ein vernünftiger Glaube, also ein Glaube an das, was auch möglich ist. Damit ist der richtige Glaube auch die Grundlage von Wissen, denn ihr könnt nicht wissen, dass ihr menschliche Wesen seid, ohne zu glauben, das es so ist. Dies macht den Glauben zu einer nicht bewiesenen Wahrheit, den Aberglauben zu einem nicht widerlegten Irrtum. Euer einziges Instrument, um beide voneinander zu scheiden, ist die Vernunft, welche es euch erlaubt, eure Erfahrungen zu ordnen, sie zu interpretieren und verlässliche Schlussfolgerungen aus ihnen zu ziehen. Den Anstoß dazu bietet der Zweifel, der eine wichtige Triebfeder menschlichen Handelns ist.

Über den Zweifel

Meister, sagt, woher wissen wir, dass die Dinge sind, als was sie erscheinen?

Der Zweifel ist wichtig, um einen Irrtum zu erkennen und um einen richtigen Gedanken zu festigen. Einen Gedanke nenne ich richtig, wenn er vernünftig ist, falsch, wenn er aus vernünftigen Gründen nicht zutreffen kann. Nicht jeder Gedanke, für den es keine Gründe oder Beweise gibt, ist unvernünftig. Manche Denker behaupten, der Mensch könnte gar nichts wissen, doch das ist falsch. Ihr wisst vielleicht nicht, ob ihr morgen tot sein werdet, doch ihr wisst, dass es entweder so sein wird oder nicht und könnt Wahrscheinlichkeiten für das eine wie für das andere angeben. Echte Wahrheit vermögt ihr nicht zu erkennen, sehr wohl jedoch verschiedene Wahrheitsgrade, die ihr gegeneinander abwägen könnt. Es ist der Zweifel, der sich gegenüber euren Überzeugungen rechtfertigen und Beweise vorbringen muss, die sie als unrichtig entlarven. Solange er dies nicht kann, ist es vernünftig, an euren Überzeugungen festzuhalten.

Erschienen in Opus no. 116 am 15.7.2001 als Reaktion oder Fortsetzung zu Aus den 'Gesprächen Rohals des Weisen über Ethik und Moral' (XV.).
Zu diesem Artikel erschien folgende Reaktion oder Fortsetzung: Aus den 'Gesprächen Rohals des Weisen über Ethik und Moral' (XVII.).

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