Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

20. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Aus den 'Gesprächen Rohals des Weisen über Ethik und Moral' (XVII.)

Auszüge aus dem gleichnamigen Kollektan
aller der Rohalszeit entstammenden Bände 
der 'Gespräche Rohals des Weisen' 
in freier Transkription, 
verfasst in der Sprache des Volkes, 
getätigt durch Lizentiatus Vitus Ehrwald,
Abgänger der Herzog-Eolan-Universität zu Methumis,
so geschehen im Jahre 2515 Horas zu Gareth 
mit gnädiger Unterstützung des Pentagontempels 
der Herrin Hesinde

Über die Schöpfung

Meister, sagt, welchen Sinn haben die Schöpfung und ihre innere Ordnung?

Es ist erstaunlich, dass manche Menschen soviel Energie darauf verwenden, das Gefüge der Sphären verstehen wollen, wo es doch schon schwer genug ist, sich in den Straßen und Gassen der Kaiserstadt zurechtzufinden. Sie bedenken nicht, dass der Plan der Schöpfung vielleicht gar nicht vorsieht, dass die Menschen mit ihrem begrenzten Geiste ihn verstehen. Es gibt mehr Dinge innerhalb und jenseits der Sphären, als euer bescheidener Verstand sich zu erträumen vermag, denn ihr könnt die Dinge stets nur auf menschliche Weise begreifen, und das wird ihnen nicht immer gerecht. Eine verbreitete Theorie besagt, wenn jemals irgend jemand herausfindet, warum das Gefüge der Sphären da ist und wozu es da ist, dann wird es auf der Stelle verschwinden und durch etwas noch Bizarreres und Unverständlicheres ersetzt werden. Es gibt eine andere Theorie, nach der genau das schon geschehen ist.

Über das Schicksal

Meister, sagt, existiert so etwas wie Schicksal oder Vorsehung, und wenn ja, wie kann es dann noch freie Entscheidungen zu ethischem Handeln geben?

Der Mensch hat die fatale Neigung, nur etwas Niederschmetterndes Schicksal zu heißen, und das, wobei seine Berechnungen versagen, nennt er Zufall. Tatsächlich mischt das Schicksal die Karten zum Spiel des Lebens, doch der Mensch ist es, der damit spielen darf. Es mag einer ein schlechtes Blatt auf die Hand bekommen, mit dem er nur schwer das Spiel wird gewinnen können, doch das Ziel liegt nicht im Sieg, sondern im Spielen selbst. Jeder Mensch trägt selbst die Verantwortung für all seine Handlungen, ungeachtet seiner Lebensumstände. Doch auch diese könnten besser sein, denn die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, nur nicht für jedermanns Gier. Die Menschen neigen dazu, Erfolg eher nach dem Ausmaß ihres Reichtums zu bestimmen, als nach dem Maß ihrer Menschlichkeit. Diese jedoch ist des Menschen einziger echter Wert.

Über die Sichtweise der Welt

Meister, sagt, sollen wir stets das Beste, oder stets das Schlechteste erwarten?

Ein Pessimist sieht in jeder Möglichkeit die Schwierigkeiten, ein Optimist in jeder Schwierigkeit die Möglichkeiten. Oft irren sich beide, doch der Optimist lebt froher, denn er führt Rückschläge auf Veränderbares zurück. So ihr zu lange in einen Abgrund blickt, blickt der Abgrund irgendwann auch in euer Herz hinein, das von Trübsal zerfressen euch zum schlechten Ratgeber wird. Türen werden nicht nur zugeschlagen, es gehen auch Türen auf; bloß macht das weniger Lärm. Verhaltet euch nicht gleich dem Zyniker, der von allem den Preis, von nichts jedoch den Wert kennt und dessen mangelnde Wahrnehmung die Dinge nur so sieht, wie sie sind, statt so, wie sie sein sollten. Der Ärger ist als Gewitter gedacht, nicht als Dauerregen; er soll die Luft reinigen, nicht die Ernte verderben. Viel Kälte ist unter den Menschen, weil sie nicht wagen, sich so herzlich zu geben, wie sie sind. Ein Lächeln auf dem Marktplatz hat schon so manchen Selbstmord verhindert.

Erschienen in Opus no. 117 am 19.8.2001 als Reaktion oder Fortsetzung zu Aus den 'Gesprächen Rohals des Weisen über Ethik und Moral' (XVI.).
Zu diesem Artikel erschien folgende Reaktion oder Fortsetzung: Aus den 'Gesprächen Rohals des Weisen über Ethik und Moral' (XVIII.).

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