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Der Schwarze Limbus    

15. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Antworten an Madajan Nandusstolz
Reaktion zu Opus no. 126 - den Artikel einsehen...

Mein werter Kollege,

Ich hörte mal einen Garethja sagen, dass wir Maraskaner an Arroganz nur durch die Elfen übertroffen werden. An dieser Stelle möchte ich doch diese Zeilen darauf verwenden, um jenem Mann mitzuteilen, dass ich mit Eurer Person dessen These widerlegen kann.

Ich muss sagen, Ihr offenbart wieder einzigartige Ideen in Eurem Brief. Es ist leider bedauerlich, dass ich nicht schneller antworten kann, doch ich befinde mich zur Zeit auf einer längeren Reise von der Heimat der Beni Bornrech durch die Mittellande. Und bedauerlicherweise sind Boten auch nicht mehr das, was sie mal gewesen sind. Aber das macht zur Zeit nichts zur Sache.

Wenn ich Eure Briefe so lese, dann habe ich das Gefühl, dass Ihr in den Gossen Al'Anfas aufgewachsen seid, denn von gepflegter Diskussion kann man bei Euch nicht sprechen. Ihr hört Euch nicht die Argumente des anderen an, sondern greift Euch willkürlich Sachen heraus, um sie gefällig zu widerlegen und reißt sie dabei aus dem Zusammenhang.

Und etwas weiteres fehlt Euch: Toleranz. Ihr gewinnt eine Diskussion nicht dadurch, dass Ihr den anderen beleidigt und sei es noch so phantasievoll. Dass Ihr Euch selbst als "Garether" bezeichnet ist richtig, aber Ihr vergesst es völlig, dass unterschiedliche Sprachen und Dialekte die Welt erst vielfältig machen. Ich bin auch nicht unfähig, Euren Namen richtig zu schreiben, werter Madajian, aber wenn Ihr etwas von unserer Welt wüsstet, dann wäre Euch vielleicht in den Sinn gekommen, dass es eine Gepflogenheit unseres Volkes ist, fremdländische Namen unserem Sprachgebrauch anzupassen. Dies gehört zu der Kultur unseres Volkes, Abfälligkeiten möchte ich mir verbitten. Schließlich lästere ich auch nicht über Eure fade Küche.

Ich habe auch nie die Existenz der Elemente oder der - wie Ihr sie nennt - hohen Drachen geleugnet. Dies ist ein Vorwurf aus Eurem Brief, den ich nicht verstehen kann. Auch weiß ich nicht, wie sich mein Glauben widerspricht, denn er ist stimmiger als der Eurige.

Zudem muss ich wieder mit Bedauern sehen, dass Ihr Euch mit einem Thema nicht genau befasst, ehe Ihr es zu widerlegen gedenkt. Der "Irrglaube" meines Volkes stützt sich auf mehr als nur die Tatsache, dass die Welt schön ist. Objektive Schönheit, wie Ihr sie versteht, ist wahrlich nicht zu erfassen und ich gebe Euch recht, wenn Ihr vermeint, dass derjenige, der die Schönheit als Gesamtes erfassen will, zwangsläufig bei den Noioniten landet.
Unser Verständnis von Schönheit ist subjektiv geprägt. Immer. Viele Menschen habe ich getroffen, die sich vor Insekten ekeln. Andere wälzen sich mit Freude im Dreck. Was der eine Mensch als schön empfindet, muss für den anderen nicht zwingend dasselbe sein.
Aber - und das könnt auch Ihr nicht leugnen! - es muss alles, was der Schöpfer (egal, wie er genannt wird) erschaffen hat, in seinen Augen schön und vollkommen sein. Oder wollt Ihr etwa behaupten, dass der Schöpfer die Welt nicht perfekt geschaffen hat? Alles erfüllt seinen Zweck und seinen Plan.
Entstellend sind dagegen die Wesen des Äthrajins, die Dämonen. Sie wollen die Schöpfung vernichten. Sie sind hässlich und abscheulich, das werdet selbst Ihr zugeben. Und so muss alles, was sie vernichten wollen, schön sein, auch wenn wir Sterbliche es mit unserem begrenzten Horizont nicht begreifen können.
Ist ein Glaube, der die Schöpfung als vollkommen anerkennt, ein Irrglaube?

Unser Glaube beinhaltet aber weitaus mehr. So wissen wir um eine stete Wiedergeburt, bis der Diskus Gror erreicht hat. Ihr sprecht von zwölfgöttlichen Paradiesen, von Alveran. Beides sind Vorstellungen einer Erlösung. Allerdings wissen wir um die Wiedergeborenen. Habt Ihr Alveran schon einmal gesehen?
Ein Glaube, der Hoffnung gibt - kann dies dummes Geschwätz sein?

Den Dualismus habt Ihr schon einmal widerlegen wollen. Ich gebe zu, dass es nicht immer einfach ist, etwas als paarig anzusehen. Aber darin offenbart sich noch mehr unseres Glaubens - die Welt wurde rätselhaft erschaffen, uns wurde nicht für alles eine Erklärung mitgegeben. Aber wenn wir uns den Rätseln stellen, dann lernen wir, die Welt zu begreifen.
So die Frage: Wieso soll ein Glaube, der die Gläubigen auffordert, sich mit der Schöpfung zu beschäftigen, Wahnwitz sein?

Ich verurteile Euren Glauben nicht. Denn in seinen Grundzügen ist er derselbe. Wir stehen auf derselben Seite, gegen denselben Gegner. Ich verurteile auch nicht den Glauben der Mohas, auch wenn Ihr das sicher machen werdet. Denn in der Frage des Glaubens geht es nicht um Wahrheit, sondern darum, auf welcher Seite wir im Kampf um die Schöpfung stehen.


Doch nun zurück zum eigentlichen Thema. Ich soll Euch also beantworten, wo die Zitadelle des Geistes gestanden haben mag. Nun, wisst Ihr, wo die der Magie stand? Wisst Ihr, wo die anderen sechs Zitadellen stehen? Von uns kann dies keiner beantworten! Das sind Rätsel, die noch gelöst werden müssen. Ein jeder kann Theorien aufstellen, aber einen Eintrag auf der Landkarte gibt dies noch lange nicht, weil keiner von uns je eines dieser Machtzentren gesehen hat. Diese Frage als überflüssig zu bezeichnen, war falsch von mir formuliert, das gestehe ich ein. Überflüssig ist sie nicht, nur noch nicht beantwortet.

Euer Schluss, dass es sich bei dem legendären Stein der Weisen um die Zitadelle handeln mag, erscheint mir stimmig. Dieses Sinnbild ist mir noch gar nicht aufgefallen - vielleicht mag es aber auch daran liegen, dass ich mich mit dieser Sage nicht so intensiv bisher beschäftigen konnte. Aber ich möchte es in meiner These nicht ausschließen, dass Ihr recht habt.

Magie ist etwas nicht Stoffliches, da habt Ihr auch recht. Dies muss aber nicht ausschließen, dass es ein achtes Element gegeben hat. Da Geist sowie Magie beide nicht stofflich sind, macht sie das paarig.

Ob nun der Karfunkel ein Splitter der Zitadelle des Geistes ist oder nicht, lässt sich nicht nachweisen, auch wenn es gut möglich ist. Leider kann keiner von uns mehr etwas über die damaligen Verhältnisse sagen. Aber mir scheint, dass wir in einer Richtung auf dem selben Nenner sind, uns dann aber entfernen, leider.

Was ich getrennt betrachte, betrachtet Ihr als Einheit, wenn ich Euch richtig verstehe. Bevor ich näher darauf eingehe, möchte ich erst einen anderen Hinweis loswerden: Jener, dass Element und Contraelement sich zwingend gegenseitig auslöschen müssen. Es stimmt in gewisser Weise, nur ist es nicht zwingend. Nehmen wir Eis und Humus. Löschen sie sich im Winter gegenseitig aus? Was ist mit Bergen, die in luftiger Höhe stehen?
Geist und Magie können sich gegenseitig auslöschen. Schon mehrmals sah ich Magier, die sich übernommen haben, deren Geist der magischen Kraft nicht gewachsen war - und die als lallende Idioten zurückblieben. Dann wiederum sah ich aufrechte Männer und Frauen, die durch schiere Konzentration Zauber und Zauber eines mächtigen Magiers abgewehrt haben - keiner der Sprüche zeigte sein Wirkung.
Gegensätzliche Elemente löschen sich nicht gegenseitig aus. Es ist vielmehr so, dass das stärker konzentrierte Element über seinen Gegenpart dominiert. Dies kann bis zu einer "Auslöschung" des schwächeren Elementes reichen: Viel Wasser löscht Feuer, viel Feuer verdampft Wasser. Starke Winde schleifen Felsen, Felsen bieten Schutz für dem Wind. Eis lässt Lebewesen eingehen, Pflanzen durchbrechen das Eis. Machtvolle Magie löscht einen Geist aus, ein starker Geist widersteht Zaubern.
Aber dies sind Extrema: Das dominierende Element kann auch das andere Element sozusagen lenken. So kann man durch Felsbauten Winde in Kanäle lenken. So etwas ähnliches macht der kraftvolle Geist eines Magiers, wenn er die Magie bändigt.
Was man nicht vergessen darf, ist, dass beide Elemente nicht mehr gebunden sind und dadurch nicht mehr den gleichen Gesetzen unterliegen, wie die anderen sechs Elemente. Das, was sie noch gemein haben, ist ihre gegenseitige Beeinflussung: Man braucht einen großen Geist (so wie die von Euch erwähnten Drachen), um mächtige Magie zu weben, um die frei herum schwirrende Kraft in gewollte Bahnen zu lenken. Gleichwohl braucht man aber auch ein gutes Zaubertalent, um einen freien Geist (einer anderen Person) gefangenzuhalten. Das lässt sich nun mal nicht abstreiten.

Was Pyrdacor angeht (der übrigens nicht Pyr Drakon geschrieben wird, nur mal am Rande, da Ihr so viel Wert auf korrekte Schreibweise legt): Ich habe nie behauptet, dass der Gedanke falsch ist, dass er sich aus freien Stücken dem Bruderlosen angeschlossen hätte. Aber von dieser Erkenntnis seid Ihr wahrlich weit entfernt und Euch das auch noch nahezulegen, würde wohl den Rahmen dieses Briefes sprengen.

Natürlich seht Ihr Nandus als Sohn Schwester Hesindes und Ucuri als Sohn Bruder Praios. Ebenso wie Ihr Schwester Rondra als ehrenhafte Kriegerin seht. Das ist Euer Glaube und Ihr könnt mir nicht behaupten, dass Ihr beweisen könnt, dass dies die Wahrheit ist. Deswegen nennt es sich schließlich auch Glaube. Glaube kommt von glauben, das wiederum bedeutet "nichts Bestimmtes wissen". Keiner von uns, noch irgendein anderer Sterblicher kann die Wahrheit und Richtigkeit seines Glaubens beweisen. Aufrecht ist er allerdings in dem Moment, in dem er für die Schönheit der Welt eintritt und nicht dagegen. Das allerdings haben unsere beiden Weltbilder gemein - und deshalb ist auch keiner der beiden zu verurteilen! Auf ihre vollständige Richtigkeit hin mag man sie anzweifeln. Vielleicht mag irgend jemand dieses Rätsel lösen und uns Erkenntnis schenken. Vielleicht werden wir es erst am Ende des Fluges erfahren. Hauptsache ist, dass wir dafür streiten, dass das Ende erreicht wird!

Und noch ein Wort zu Mada: Zu einer Halbgöttin habt erst ihr sie erhoben. Für mich ist sie eine von den Zwölfgeschwistern erhobene Sterbliche, die ihren Frevel bedauerte und mit ihrem Opfer die Magieelementare gerettet und ein neues Volk geschaffen hat. Das mag sie wie eine Göttin erscheinen lassen, aber es bleibt eine subjektive Beurteilung. Auch wenn viele eine Ansicht teilen, ist sie dadurch schon lange nicht objektiv.

Frevel nenne ich ihre Tat sehr wohl - und das mit Recht. Natürlich freuen wir uns alle wie die Mungos, dass wir Zaubern können und sehen diese Kraft als Segen an. Man kann sehr viel Gutes mit ihr bewerkstelligen, also warum soll Madas Tat ein Frevel gewesen sein. Schließlich können wir erst dadurch zaubern!
Nun, aus einer solchen Einstellung spricht eine große Arroganz und Verblendung. Geblendet von den sich uns offenbarenden Möglichkeiten verkennen wir, dass dieser Zustand nicht gewollt gewesen ist. Hätte Rur - oder wie Ihr ihn nennt: Los - gewollt, dass alle Sterblichen zaubern können, dann hätte er es von Anfang an so eingerichtet. So wurde die Welt aber nicht geschaffen. Mada ging mit ihrer Tat gegen das vor, was der Schöpfer erschaffen hat. Ein Verbrechen an der Schöpfung also. Und so etwas bezeichne ich immer noch als Frevel.
Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass gleichsam mit dem Guten, das Magie vollbringt, auch das Schlechte möglich ist - und auch diese Möglichkeit wird zuhauf genutzt, wie man an den Haffajas und den anderen dunklen Schergen sieht. Wobei wir wieder bei dem Dualismus wären.

Verblendet möchte ich mich nicht bezeichnen. "Nicht alles erkennend" trifft es besser, aber das sind wir alle. Mich stört allerdings Eure falsche Arroganz, Euer unmessbares Selbstlob und diese ständig mitschwingende Selbstverherrlichung. Solche Charakterzüge passen meines Ermessens eher zu den Dienern des Bruderlosen. Versteht mich nicht falsch, ich möchte Euch nur vor Eurem Fall warnen.

Außerdem sehe ich davon ab, Euch die Blutfehde zu erklären, was eigentlich meine Pflicht sein müsste, nachdem Ihr mich als bruderlosen Gefolgsmann bezeichnet habt. Aber ich sehe es eher gutmütig und verstehe in der Beleidigung das kulturell-sprachliche Unvermögen, das Ihr bereits zuhauf an den Tag gelegt habt.

Ich bete für Euch!
Keideran der Erleuchtete
Magister Minor Accademia Magica Transformatorica Festumiensis

Erschienen in Opus no. 127 am 28.10.2001 als Reaktion oder Fortsetzung zu Antworten von Madajan Nandusstolz.

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