Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

20. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

Titelblatt
Compilationen
- Artikel hinzufügen
Archiv
Compages
Suche
meistbetrachtete Artikel
zufälliger Artikel
Umfragen
Redaktion

Menü verstecken


Magus ante Bosparan, magus in millenio secundo
Ein phänotypischer Vergleich

Teile I und II

Teil I

Die Kunst der Magie ist eine der ältesten Künste, die uns Menschen zuteil wurde; sie geht noch vor die Siedlerzeit zurück, und sie war bereits, noch ehe die ersten Menschen Aventurien betraten. Auf eine ebenso alte Tradition kann die Gilde der Magier - magi et magici, mogules magii, arcomagi, wie auch immer sie sich nannten - zurückblicken. Dieser uralten Tradition sind wir uns in der heutigen Zeit kaum noch bewusst, doch wir stehen in einer ruhmreichen Reihe mit den güldenländischen Zauberern, welche einst auch an der ACADEMIA LIMBOLOGICA wirkten, mit den Elementaristen aus dem Tulamidenlande, mit den Magiermogulen, mit den großen Weisen, mit den Kaisern Bosparans und natürlich auch mit Rohal dem Weisen und seinen Nachfolgern im Zuge der Magierkriege vor etwa 5oo Jahren. Ich gebe zu, dass dieses Erbe nicht immer ein leicht zu tragendes ist, und dass sich sein Ruhm nicht per se auf uns überträgt, vor allem nicht, wenn man an die Greueltaten vor und während der Dämonenschlachten denkt.
Doch ich meine mit Stolz und Ehrgefühl, aber auch mit Fug und Recht behaupten zu können, dass die Kunst, wie sie die Magier aller Zeiten gepflegt haben, mehr Gutes denn Schlechtes hervorgebracht hat. Man denke nur an Rohal den Weisen, aber auch an einen Urnislaw von Uspiaunen, einen Zeitgenossen des Weisen, oder an den großen Bastrabun, den zweiten Scheik-al-Scheik der Tulamiden - so viele gäbe es noch zu nennen.
Doch wenn man sich unserer Tradition bewusst werden will, so kommt man natürlich nicht umhin, sich den Anfängen der Kraft selbst zu nähern:

MAdas Frevel, so wird die Tat geheissen, welche manche verfluchen, manche preisen, welche jedoch unbezweifelbar den Ursprung, den Anfang und Beginn der Energia Astrala darstellt. Als MAda, eine Tochter der Herrin HESinde und eines Sterblichen, sah, welches Leid die Menschen in ihrer Unwissenheit und ihrem Unvermögen zu erdulden hatten, da vermeinte sie nicht mehr weiter sein zu können, und sie bat die Götter um Gnade für die armseligen Kreaturen, auf dass sie ihr Schicksal selbst bestimmen durften. Da sie jedoch allein von ihrer allweisen Mutter, dem Wächter der Nacht und der jungen Göttin erhört wurde, begann sie ob der Vergeblichkeit ihres Unterfangens dahinzuwelken. In ihrer letzten Stunde brachte sie alle ihr verbliebene Kraft auf und durchstieß mit ihrem Geiste die Sphären. Die Zitadelle der Kraft, welche heute von uns die astrale Energie genannt wird, wurde von ihr zerstört und so floss die Magie auf Dere herab.

Eine "Deliberation der Energia Astrala" nennen wir es heute, doch ich meine: Werden wir uns endlich wieder des großen Frevels, aber zugleich auch der großen Gnade bewusst, welche uns durch dies zuteil wurde; eine Gnade, Aventurien zu verändern, in das Geschehen Deres einzugreifen oder - was es viel besser trifft - sein Schicksal und damit das Schicksal Deres selbst in die Hand zu nehmen.
Dessen müssen wir ständig eingedenk sein, dass jedwedes Wirken von Magie eine Veränderung des Weltgeschehens bewirkt und daher nicht ohne vorherige Befragung seines Gewissens stattfinden darf. Denn

PRAios war erzürnt ob dieses Frevels und er nahm den Geist MAdas und band ihn an einen Stein, den er für alle Ewigkeiten an den Himmel warf, auf dass sie sehe, was sie angerichtet hatte.

So sieht MAda also einjedes Wirken der Kraft und dessen Folgen auf den Lauf der Dinge, ebenso wie es der Herre PRAios sieht. Und in der Tradition der Magier gehört es zu den vordersten Aufgaben einesjeden, MAdas Blick erfüllt mit Stolz auf sich zu ziehen, auf dass sie dem Götterfürsten mit erhobenem Haupte entgegentreten kann, ihm zu zeigen, dass das in die Menschen gesetzte Vertrauen um diese Macht nicht fehl ging.
Eius semper memor sit!

Teil II

Nachdem also nun die creatio der Energia Astrala zur Genüge besprochen ist, bleibt mir jetzt nur mehr zum wiederholten Male auf ebendiese hinzuweisen, im Sinne eines stetigen Gedenkens der Rechenschaft, welche der magus und die maga den Göttern - und zuvörderst der MAda - schuldig ist.
Es kann wohl mit überzeugender Gewissheit angenommen werden, dass bereits vor der Landung der güldenländischen Siedler mehrere Formen der Magie in Aventurien bekannt waren: Es waren dies die drachische, die tulamidische, die zwergische (korrekterweise die geodische) und die elfische Magie, welche sich allesamt voneinander unterschieden, in einer Art und Weise, wie sie heute fast undenkbar scheint. Ungeklärt bleiben jedoch bis heute die Fragen nach den rein hypotetischen Formen der nivesischen und mohischen Magie (Anm.d.Verf.: der Begriff der Magie ist hier sehr weit gefasst und schließt jegliches Wirken der KRAFT an und für sich mit ein).
Als dann vor etwa 25oo Jahren die ersten Siedler aventurischen Boden betraten, da waren diejenigen unter ihnen, welche mit der Kraft beschenkt waren, wohl am ehesten das, was man sich heutzutage unter "dem klassischen Beschwörer" vorstellt - und zwar Beschwörer im Refugio der Daimonologica. Diese beherrschten sie perfekt, wie uns das erste uns erhaltene Werk der Magie überzeugend darlegt: Das ARCANUM. Diese Kategorisierung der damals bekannten Vorkommensformen der Magie zeigt beeindruckend, wie tiefgreifend, aber auch wie beschränkt die Sicht der damaligen Magier war. Das Weltbild, welches die güldenländischen Magier von Magie, Zauberei, Cantiones, Matrices etc. entworfen hatten, sollte in den kommenden Jahrhunderten noch einige Male zutiefst erschüttert werden.
Die sicherlich als zweite Grundlage für unser heutiges Verständnis von Magie zu bezeichnende Form war die Zauberei der Tulamiden. Diese jedoch ist nicht so einfach zu begreifen und nachzuvollziehen wie das bei den güldenländischen Siedlern der Fall ist. Hier haben wir es bereits mit komplexeren magischen Mustern zu tun.
Das klassische Gegenstück zur Daimonologica stellte natürlich die Invocatio Elementharii dar. Diese beiden bilden auch heute noch die Grundsäulen, die meisterlichen Gebiete der Magie. Schon damals war es von der allweisen HESinde so eingerichtet, dass sich diese beiden Säulen ergänzten, eine jede ohne die andere nicht sein konnte, eine jede die andere stützte und das Fehlen auch nur einer der beiden das gesamte Gebäude zum Einstürzen bringen konnte.
Doch die Magie der Tulamiden beschränkte sich nicht bloß auf die Elementarbeschwörung allein. Die tulamidischen Magier waren auch große Meister in der Schaffung magischer Artefakte - wohl eine Kunst, welche sie von den Echsenwesen aus dem Bannland übernommen hatten, wie überhaupt so Vieles in der tulamidischen Magie einen echsischen Ursprung zu haben scheint.
Eine zu den oben genannten Richtungen konträr verlaufende war die elfische Magie. Diese ad primum auf die positive Veränderung der Umwelt des Elfen gerichtete Form der Magie war den güldenländischen Siedlern zuerst einmal völlig fremd - nur allzu verständlich, denn sowohl die intuitive Verwendung der Kraft, als auch die Ziele, welche die Elfen damit zu erreichen suchten, waren dem Wirken und den Zielen eines Dämonen genau entgegengesetzt.
Als die ersten Siedler mit den Zwergen Aventuriens zusammentrafen, da war wohl kaum die Magie das entscheidende Faktum, denn im Kleinen Volk gibt es seit jeher nur wenige magiebegabte Geoden, und diese leben wohl eher zurückgezogen und einsam.
Einzig die Zusammentreffen der ersten Siedler mit den größten Feinden der Zwerge, den Drachen, verliefen eher einseitig und auch für uns heute klar nachvollziehbar...

Großmeister Erilarion Androstaal

von: Philipp Schumacher
Erschienen in Opus no. 15 am 25.4.1999.
Zu diesem Artikel erschien folgende Reaktion oder Fortsetzung: Magus ante Bosparan, magus in millenio secundo - Teil III.

Suche in 575 Opus-Artikeln

ein oder mehrere Begriffe
alle Artikel anzeigen

Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2006 Spielerverein der Freunde des Gepflegten Rollenspiels