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18. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Der Tag des Wassers

Auszüge aus der am 1. Efferd für die Facultas Sumui Transformatoricae gehaltenen Sondervorlesung anlässlich des "Tages des Wassers" von Meisterin Sheddja, Academia Limbologica.

Mit dem heutigen Tage übernimmt der Hohe Efferd für einen Mondzyklus die Regentschaft im Götterlauf. Und er zeigt dies am allerdeutlichsten an eben jenem ersten Tage, dem Tag des Wassers. - Die Meisterin macht eine Geste in Richtung der Fenster, an die heftiger Regen prasselt. - In den Küstenstädten werden zur Stunde prächtige Prozessionen zu Ehren des Herren der Meere abgehalten, doch für unsere Akademie hier in den Bergen und für uns Magi im Speziellen ist mehr der elementare Aspekt denn der theologische interessant. Wir dürfen dabei jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass EFFerd als alter Gigant jeden Tropfen Wasser unter seiner Kontrolle hat, nicht der Magus, der im Vergleich nur wahrlich bescheidene Macht mit den Canti der Invocatio Elementharii und der Magica Transformatorica ausüben kann. Zuallererst müssen wir uns in unserer elementar-magischen Betrachtung jedoch auf die scheinbar alltäglichen Aspekte des Wassers konzentrieren.

Jeder Laie wird feststellen, dass Wasser einen fluiden Aspekt der Elementarologie trägt, was bedeutet, dass sich alle flüssigen Stoffe auf dem Wasser als deren Primärsubstrat gründen. Wie uns die Alchimie lehrt, setzt sich beispielsweise das Quecksilber zu gleichen Teilen aus den Elementen Wasser und Erz zusammen. Wasser ist zwar nicht flüchtig (wie Luft oder Feuer) aber auch nicht fassbar (wie Erz, Humus oder Eis) und hat, wie uns das Grosze Elementharium lehrt, die intrinsische Eigenschaft der langsamen, aber stetigen Veränderung. Die Analogienlehre zieht sogar noch weitere Parallelen zu Charaktereigenschaften und körperlichen Attributen, die jedoch für die praktische Anwendung in der Elementarologie eher nebensächlich sind. Grundlegend sind jedoch die höchst bemerkenswerten Übergänge zwischen Elementen, die nur beim Wasser in dieser Deutlichkeit auftreten. Diese treten, vom ursprünglichen reinen Element Wasser in zwei Richtungen auf, auf die ich mich als den heißen und den kalten Pfad beziehen will. Diese Terminologie ist sicher schnell einleuchtend, man sollte die zugrunde liegenden Prozesse jedoch nicht als trivial ansehen, zeigen sie doch keinesfalls die vielleicht zuerst erwartete Symmetrie:

Der heiße Pfad benennt die Applizierung des Elementes Feuers am Element Wasser, was nichts anderes als dessen Erwärmung bedeutet. Der genaue Verlauf der nun folgenden Transformation ist nicht erforscht, jedoch will ich an einem Beispiel die wichtigsten bekannten Schritte erläutern: Wir stellen uns einen Topf Wasser vor, der durch ein Feuer erwärmt wird. Die Temperatur nimmt zuerst zu, ohne dass etwas Ungewöhnliches passiert, irgendwann setzt eine leichte Dampfentwicklung ein. Dann ganz plötzlich entstehen heftige Wirbel im Element und es steigen große Dampfblasen aus dessen Inneren auf. Wer in einer alchimistischen Werkstätte diesen Prozess in einem Glaskolben beobachtet, kann die nun folgende Interpretation sicher nachvollziehen: Ich postuliere, dass das Element Feuer durch seine Fähigkeit, selbst feste Materialien zu durchdringen und seine Kontrarität zum Wasser dieses in elementarem Wettstreit vernichtet. Natürlich geschieht dies zuerst in den äußeren Regionen des Behältnisses, deshalb steigen die Blasen auch von dort auf. Doch erklärt dies nicht die Entstehung von Dampf, dazu muss man noch tiefer in die Eigenschaften der Elemente dringen und auch das Feuer genau betrachten. Im Gegensatz zum Wasser ist Feuer flüchtig und ohne Substanz. Das kann man sich so vorstellen, dass man Feuer, wie Luft, nicht wiegen kann. Sehr wohl kann man aber Wasser wiegen, indem man es in eine Flasche füllt und das Gewicht der leeren Flasche subtrahiert. Nun trägt Feuer primär den destruktiven Aspekt der Elementarologie und vermag es, jedes Element zu vernichten. Doch ist dies wahr? Ich behaupte, dass nur das destruktive Element selbst auch vernichtet werden kann, was wie eine Strafe der Götter scheint. Verbrennen wir Holz so steigt Rauch auf, bei Wasser ist dies Dampf, beides Substanzen, die eindeutig dem Element Luft zugeordnet werden können. Es zeigt sich also in unserem Experiment eine der wunderbaren Symmetrien der Elementarologie, dass allein das vernichtende Element vernichtbar ist und es andere Elemente nur umwandelt.

Nun sagte ich zu Beginn der Diskussion der so genannten Pfade, dass wir bei den zwei Ausprägungen keine Symmetrie finden werden, jedoch haben wir innerhalb des heißen Pfades eine hochinteressante und wohl unvermutete entdeckt. Beim kalten Pfad applizieren wir das Element Eis am Element Wasser, was experimentell im Sommer oder in heißen Gegenden und ohne magische Hilfsmittel recht schwierig sein dürfte. Glücklicherweise betreffen uns diese Probleme als Magi in den Bergen nicht, ich will an dieser Stelle jedoch nicht auf die experimentellen Details eingehen. Die Transformation verläuft im Grunde ähnlich wie beim heißen Pfad: ausgehend vom Rand eines Behälters wird das Wasser zuerst langsam, dann immer schneller umgewandelt. Doch ist der Endzustand in diesem Falle, und das ist das Bemerkenswerte, das Element Eis, also der Transformations-Katalysator selbst!

Wir haben nun also gesehen, welch dynamische und wandelbare Struktur dem Wasser zugrunde liegt. Eben jene Dynamik hat jedoch auch zur Folge, dass wir die Bewegung von Wasser nur schwer bis gar nicht vorhersagen können. Lasse ich dieses Stück Kreide fallen, wird es - wie jeder wohl vorhersagen kann - von der Kraft Sumus zum Boden gezogen und bleibt dort liegen, vielleicht zerbricht es. Schütte ich jedoch Wasser aus, so verändert es seine Form zuerst zu einem zum Boden gerichteten Strahl, dann breitet es sich glatt am Boden aus und verbleibt dort als Pfütze in jeder beliebigen Form oder bildet einen Strom in eine unvorhersagbare Richtung, wo uns der Boden hier doch eben erscheint. Auch nehmen Flüsse oft seltsame Wege anstatt gerade zum Meer zu fließen und zudem ist Wasser das einzige Element, das aus der alveranischen Sphäre zu uns gesandt wird, es sei denn wir betrachten Blitze als Ausprägungen des Feuers.

Zum Ende meiner Oratio des Elementes Wasser will ich noch auf die Canti eingehen, die wir dazu nützten können, das Wasser nach unseren Vorstellungen zu manipulieren: Zuerst sei da, wie mir sicher auch jeder hier im Raum sagen kann, der MANIFESTO zu erwähnen. Ihn können wir nutzen, um zu allen Zeiten und an allen Orten, d.h. unabhängig von den umgebenden elementarischen Gefügen, ein paar Schlucke Wasser zu beschwören. Es handelt sich dabei stets um eine sehr reine Form, was diesen Zauber für Experimente in der Alchimie sehr nützlich macht. Mit den Elementarbeschwörungen ist es uns aber auch stets möglich, nicht nur die Substanz und die Aspekte eines Elements zu beschwören, sondern auch dessen "Charakter" und "Persönlichkeit", was mittels Dschinnenbeschwörung möglich wird. Meister Achmed wird in der Facultas Elementharii noch eingehend darauf eingehen, und auch dem Element Wasser werden noch etliche Wochen gewidmet. Die weiteren elementaren Zauber rekrutieren sich vornehmlich aus den Elementaren Hexalogien, wobei das Wasser hier jedoch noch schwach vertreten ist. Gerüchteweise bekannt ist das Elementare Geschoss AQUAFAXIUS, an unserer Akademie gelehrt wird der Elementare Wirbel MAHLSTROM, der jedoch nicht leicht zu beherrschen ist und ob es einen Zauber der Elementaren Verformung beim Wasser überhaupt geben kann, ist eher fraglich. Ein hochinteressanter Cantus aus dem Gebiet der Magica Transformatorica, von dem ich jedoch auch nur sehr fragmentarisches Wissen besitze, ist der AEROGELEO ATEMQUAL, der eine Transformation von Luft zu etwas Wasserartigem ermöglicht. Da ich diesen Zauber jedoch noch nie in Aktion gesehen habe oder Fundiertes darüber in Büchern finden konnte, ist seine Verbindung zum Element Wasser reine Spekulation.

Damit soll diese einleitende Vorlesung über das Wasser anlässlich des efferdheiligen Tages des Wassers geschlossen werden. Wir werden uns in der nächsten Woche eingehender mit diesem hochinteressanten Element beschäftigen und dabei auch auf alchimistische, geographische und natürlich wesentlich detaillierter auf magiohermetische Themen zu sprechen kommen.

Meisterin Sheddja

von: Markus Penz
Erschienen in Opus no. 144 am 3.3.2002.

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