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Der Schwarze Limbus    

20. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Magus ante Bosparan, magus in millenio secundo
Ein phänotypischer Vergleich

Teil IV

Wer also meinen Ausführungen so weit folgen konnte, dass er die zuletzt aufgestellten Thesen das Verhältnis der Kräfte sowie deren Gleichgewicht betreffend annehmen und verstehen konnte, der möge mich nun auch noch auf den letzten Schritten meines Weges hin zur Weisheit begleiten:
Im nun folgenden Jahrtausend erlebte die Magie einige tief eingreifende Veränderungen, die wohl auch manches Mal bis an die Grundsäulen ihrer selbst vordrangen, diese jedoch nie wirklich zu stürzen im Stande waren; das Gleichgewicht blieb weiterhin erhalten, die Art und Weise aber, wie Magie verstanden, begangen, ausgeübt oder auch geahndet wurde, veränderte sich ständig. Nicht zuletzt durch das Wirken der Elfenvölker - und ich wiederhole mich hier gerne - fanden die Magier dieses Jahrtausends ein vollkommen anderes Verständnis von Magie, von Recht und Moral. Es entwickelte sich eine auf Moral und Wertvorstellungen basierende Form der Magie, die durch und durch gut war. Natürlich könnten nun einige Kritiker wohl mit Recht darauf hinweisen, dass es auch zu dieser Zeit schwarzmagische Umtriebe, dämonische Präsenzen und so vieles mehr gab, doch mir liegt daran, eine großflächige Bestandaufnahme zu machen, in welcher ich die wichtigsten Entwicklungen nachzeichne, nämlich das Verständnis der Magie als eine gute, positive Kraft, so belegt durch die Magica Moventia, die Magica Clarobservantia und besonders durch die Magica Curativa.
Doch mag sich der geneigte Leser diese langwierige Entwicklung nicht als eine Übernahme, ein Ersetzen der alten Formen der Magie, sondern als eine bereichernde Ergänzung zu den zwei immer noch im Gleichgewicht bestehenden Säulen - Invocatio et Conjuratio - vorstellen.
Diese hoffentlich verständlich skizzierte Entwicklung musste in einer Zeit der Harmonie und des Friedens gipfeln, in einer Ära von über einem Jahrhundert, in der sich all die verschiedenen Formen der Magie erstmals bewusst voneinander trennten und dabei doch in einer aufgingen. Die Regierungszeit ROhals des Weisen war angebrochen.
Doch auch diese Zeit der Harmonie und Eintracht musste einmal enden, und ihr folgte eine Zeit der Wirren und Unordnung, die wir heute die Magierkriege heißen. Etwas hatte sich aber grundlegend geändert im Verständnis der Magier der Post-Rohal'schen Zeit. Eine zu Beginn noch undefinierbare Veränderung hatte stattgefunden, welche auch im Nachhinein betrachtet erst auf den zweiten Blick erkennbar ist: Der Zeitpunkt der Harmonie war zugleich auch der Zeitpunkt der Erkenntnis über das Gleichgewicht der Säulen der Magie!

Und, wie so oft, brachte die Erkenntnis für den Menschen, den Magier also in diesem Falle, mit sich, dass er sich seiner Fehlbarkeit, seiner kurzweiligen Existenz und der Nichtigkeit seines Seins bewusst wurde.

"Wer erkennt, wird wissen. Wer wissend ist, wird danach handeln. Und erst wer nach seinem Wissen handelt, wird weise genannt. Doch ist es auch so, dass, wer weise ist, für sein Handeln verantwortlich ist."

Ab dieser Zeit war und ist es allen Magiern möglich, das von der Herrin HESinde gefügte Gleichgewicht zu erkennen - ab dieser Zeit war und ist es aber auch die Pflicht eines jeden erkennenden Magiers nach der Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts zu streben. Jeder erkennende Magier ist in all seinen Worten und Taten verantwortlich vor den Göttern, primo vor der Herrin HESinde.
So wie ein kleines Kind unbewusst zu schreien beginnt, sobald es Hunger hat, um zu überleben, so wurde auch früher das Gleichgewicht nur unbewusst aufrecht erhalten. So ein Mensch aber erwachsen wird, erkennt er seinen Hunger und die Notwendigkeit ihn zu stillen, und so ist er selbst dafür verantwortlich sich um genügend Nahrung zu sorgen. Ebenso ist also der um das Gleichgewicht wissende Magier nun dafür verantwortlich sich um das Gleichgewicht im Sinne der Magie zu sorgen. Somit schließe ich, ist es auch möglich, dass ein um seinen Hunger wissender Mensch sich nicht um dieses Bedürfnis kümmert und also verhungert. Und so schließe ich weiters, ist es auch möglich, dass sich der wissende Magier nicht um die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts kümmert und also das Gleichgewicht erheblich gestört wird.
Der Zeitpunkt der Erkenntnis des Gleichgewichts geschieht in unserer Zeit für jeden Magier individuell, im Idealfalle während seiner Ausbildung an einer Akademie oder bei einem Lehrmeister. Es gibt (oder: sollte) eine Vielzahl von wissenden Magiern (geben). Man stelle sich also vor, dass all diese Magier verantwortlich für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts sind und es somit auch - je höher die Zahl der Wissenden - umso mehr ins Wanken bringen können. Das ist wahre Weisheit, denn seht: Die Magier unserer Zeit haben sich offensichtlich nicht um die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts gesorgt, so wie es ihnen von HESinde aufgetragen wurde, denn wäre es sonst zu Derartigem gekommen, was wir erleben mussten. Ich sage also: "Werdet wissend, um eure wahre Aufgabe zu erkennen!" Und ich sage: "Werdet weise, um eure wahre Aufgabe zu erfüllen!"

Großmeister Erilarion Androstaal

von: Philipp Schumacher
Erschienen in Opus no. 17 am 9.5.1999 als Reaktion oder Fortsetzung zu Magus ante Bosparan, magus in millenio secundo - Teil III.

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