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Der Schwarze Limbus    

21. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

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Sanin der Jüngere und Admiral Sanin III.

getreulich zusammengetragene Kunde aus den Tagen vor Bosparans Fall,
von adeptus Eborëus Zachariad

...über Admiral Sanin den Älteren wurde in der letzten Ausgabe berichtet. Artikel einsehen

Aber die Götter sind allweise und so pflanzten sie dieses unbändige Verlangen, diesen unzähmbaren Wunsch nicht nur in einen Menschen, nein, die Liebe zur See - diese Hassliebe, wie sie Admiral Rateral Sanin XII. einmal so treffend benannte - vererbte sich weiter in die nächste Generation. Und seit Sanin der Jüngere das Südmeer erblickt hatte, seitdem konnte er nicht mehr von dem Gedanken lassen, der einst seinen Vater so gefangen hatte: Nebachot auf dem Seewege zu erreichen und das große Meer auf der Ostseite zu entdecken, es als erster zu befahren.
Sanin der Jüngere wäre wohl der einzige, der uns Auskunft über den genauen Verbleib seines Vaters geben hätte können, doch finden wir in seinen Aufzeichnungen nichts derartiges vermerkt. Jedenfalls wissen wir mit Sicherheit, dass er seinen Vater auch auf seine letzte Reise zu den Thorwalern begleitete, dann jedoch alleine nach Bosparan zurückkehrte.
Seine Benennung in den heutigen Geschichtsbüchern, nämlich diejenige mit dem Titel des Admirals, wurde schlichtweg von seinem Vater übernommen, denn Sanin der Jüngere wurde niemals vom Gottkaiser Belen-Horas zum Admiral der Flotte ernannt, hatte sein Vater doch Jahre zuvor sein Amt abgelegt und sich damit mit dem Kaiser öffentlich überworfen. Und doch war Sanin der Ältere nicht ganz in Ungnade gefallen beim Kaiser, schließlich leistete er dem Kaiser auch später noch gute Dienste in den Trollkriegen, und so bekam Sanin der Jüngere von Belen-Horas im Jahre 1859 v.H. das Kommando über die legendäre Trireme 'Horasschwalbe', das wohl beste Schiff jener Zeit.
Mit ebenjenem Schiff begann er nur ein Jahr später seine erste Expedition gen Norden, wo er die Orklandküste umsegelte und bis in den Golf von Riva vordrang. Leicht könnte man glauben, dass er hier nach einer nördlichen Route zur Umsegelung des Kontinents gesucht haben mag, doch dem war nicht so. Die Götter lenkten seine Schritte und sie wussten, dass er dem Vater diese Reise schuldig war, diese Reise hoch in den Norden. Nicht nur das Pflichtgefühl vor den Göttern und seinem Vater schrieb ihm dies vor, nein, er musste zu seiner großen Tat aufbrechen von jenem Ort aus, an dem sein Vater für immer gestrandet war.
Mit dem Segen und dem Fluch seines Vaters also - welcher sich erst später zeigen sollte - brach Sanin der Jüngere 1853 v.H. gen Süden auf um jenes Unternehmen zu vollenden, welches seinem Vater verwehrt blieb, die Südumsegelung des Kontinents. Ähnlich hart und verlustreich verlief diese zweite Reise in den tiefen Süden; und auch wenn Sanin der Jüngere vorbereitet war auf das, was ihn dort erwartete, und er aus ebenjenem Grund heraus auch mehrere Schiffe an seiner Expedition teilnehmen ließ - hauptsächlich wohl um mehr Männer und Frauen im Kampf gegen das Schuppengezücht zur Verfügung zu haben - wurde ihm doch ebenjene Kenntnis der Gefahren des Südens zum Verhängnis. An ebenjener Stelle, an der auch schon sein Vater gelandet war, beim heutigen Brabak nämlich, gründete er eine kleine Siedlung, um von dort aus und ausgeruht die Südumsegelung des Kontinents vorbereiten zu können. Doch als er sich nun zum zweiten Mal diesen lebensfeindlichen Bedingungen gegenübersah, da packte ihn - wie beim ersten Male seinen Vater auch - die Furcht und Angst, und beide hatten von ihm Besitz ergriffen. Doch wer zaudert und zögert und der Gefahr nicht ins Auge blickt, den erachten die Götter nicht für würdig!
Und so kam es, wie es kommen musste: Zwar wagte sich Sanin der Jüngere bis ins Südmeer vor, doch die Stürme dort tobten derart, dass er sein Unterfangen wieder aufgab, die Siedlung abreißen ließ und zurückkehrte nach Bosparan.
Vielleicht war es sein Vergehen gewesen, dass die Götter ihm den Erfolg nicht gönnten, vielleicht aber konnte dieses Unternehmen auch nicht von Erfolg gekrönt sein, denn auf dem Throne saß immer noch derjenige, der die Götter selbst herausgefordert hatte. Sein Reich war zwar immer kleiner geworden und Orks und Goblins waren in Scharen eingefallen und hatten das Land verwüstet, doch immer noch hielt Belen-Horas unwiderruflich an seinem Titel eines Gottkaisers fest.
Als sich jedoch im Jahre 1850 v.H. der zweite Nachfahre der Sanins, Admiral Sanin III., erneut gen Süden aufmachte und dazu wiederum die 'Horasschwalbe' bestieg, da wusste er mit der Gewissheit, welche nur die Unsterblichen Zwölfe einem eingeben, dass das Ende des selbsternannten Gottkaisers nahte, dass die Götter ihre Strafe an ihm und an seinem Reich bald schon beendet haben würden. Und was gab es da Besseres zu tun als zu einem neuen, einem dritten Versuch des Unmöglichen aufzubrechen, es zum dritten Male nun zu wagen Aventurien zu umsegeln und das sagenumwobene Nebachot auf dem Seewege zu erreichen.
Seinen Glauben in den Kaiser hatte Admiral Sanin III. längst verloren, den in das von Horas gegründete Reich aber noch lange nicht. Und doch regten sich Zweifel in ihm und er wollte fernab der Heimat weilen, sollte in Bosparan bei der Inthronisierung des neuen Kaisers ein ähnlicher Frevel wider die Götter begangen werden wie 15 Jahre zuvor. Er wählte seine Matrosen mit Bedacht, jeden einzeln auf seine Fähigkeiten und auf seine Loyalität hin prüfend. Den Tauglichsten unter ihnen übergab er das Kommando über die zwei weiteren Schiffe seiner Flottille, die allesamt eine entscheidende Neuerung hatten: Das Dreieckssegel der tulamidischen Seefahrer hatte seinen Einzug in die bosparanische Schiffsbaukunst gefunden.
Admiral Sanin III. konnte also auf einen entscheidenden Vorteil zurückgreifen, der seinem Vater sowie Großvater nicht offen gestanden war. Doch das Wichtigste war mit Sicherheit, dass er jenes Erbe, welches seiner Familie von den Göttern vermacht und welches diese Familie bis in die heutigen Tage durchdringt, so übernahm, wie es die Götter ihm gaben. Vom Großvater zum Vater und nun zum Sohn war das Blut der Sanins mit der Gischt des Meeres eng verbunden, hatte das Rauschen des Meeres auch immer ein Aufwallen des Blutes der Sanins bewirkt. Und dieses Erbe - von den Göttern gegeben, allen voran dem launenhaften Efferd - hatte auch er empfangen, Admiral Sanin III., und dazu brauchte er weder Logbücher noch Ratschläge seines Vaters oder gar Großvaters.
Und als die 'Horasschwalbe' und ihre zwei Begleitschiffe den Kurs gen Süden aufnahmen, da tat der Admiral vor versammelter Mannschaft einen Bruch mit seiner Vergangenheit, mit den vorangegangenen gescheiterten Versuchen seiner Ahnen, indem er die Logbücher Sanin des Ersten und Sanin des Zweiten dem Herrn Efferd übergab. (Es ist wohl alleine einer Laune des Meeresgottes zu verdanken, dass justament jene Logbücher etliche Jahre später in Havena bei einem Krämer wieder entdeckt wurden, der sie angeblich eines Morgens am Strand angespült fand.) Hatten selbst seine engsten Vertrauten bis jetzt gemeint, man würde, wie die beiden Male zuvor, an der Mysobmündung landen und dort eine Siedlung gründen, um von dort aus dann das Südmeer zu befahren, so wurden sie nun eines Besseren belehrt. Sanin III. hatte aus den Fehlern seines Vaters und Großvaters gelernt und er wusste nur zu gut, dass den Echsen von H'Rabaal nicht beizukommen war - schon gar nicht mit Waffengewalt. So hatte er auch trotz der eindringlichen Warnungen, die er von allen Seiten her erhalten hatte, nur wenige Waffen mitgenommen. Lange konnte er dieses Faktum auch vor seiner Besatzung nicht geheim halten und schon mehrte sich nach der ersten Woche der Reise die Zahl der Zweifler. Doch Admiral Sanin III. wagte alles und trat die Flucht nach vorne an: Er ließ die gesamte Mannschaft auf dem Deck zusammenkommen und verkündete, dass er nicht nur zu wenig Waffen an Bord genommen habe um sich gegen die Echsen verteidigen zu können, sondern dass er auch keinerlei Material zum Erbauen einer Siedlung geladen habe - dass er also niemals auch nur vorgehabt hatte eine Siedlung an der Mysobmündung zu erbauen.
Was unter den Seefahrern eigentlich eine wilde Panik hätte auslösen müssen, wurde zu einem Freudenfest. Zwar hatte noch niemals ein Schiff zur damaligen Zeit einen so weiten Weg ohne Zwischenlandung zurückgelegt, aber als Sanin III., ihrer aller Admiral, da auf dem Deck der 'Horasschwalbe' stand, da war es Efferd selbst, der durch ihn sprach und die Seeleute waren erfasst von einer Euphorie und Zuversicht, wie sie sie noch nie zuvor in ihrem Leben verspürt hatten, denn sie wussten alle: Der altehrwürdige Efferd, Herr der Gezeiten, war mit ihnen!
So legte die Flottille unbeschadet und ohne Verluste ihren Weg um das Kap Brabak zurück und durchquerte das gefahrvolle Südmeer, jedem nur erdenklichen Hindernis mit göttlicher Zuversicht entgegentretend. Und endlich - mittlerweile schreiben wir das Jahr 1850 v.H. - gelangen die drei Schiffe an die Straße von Altoum, welche heutzutage die Straße von Sylla geheißen wird. Durch diese nur 10 Meilen breite Meerenge erblickte Admiral Sanin III. die unendlichen Weiten des Perlenmeers und wahrhaft prächtig muss dieser Anblick gewesen sein hinein in die Bucht von Al'Anfa. Wieder und wieder durchquerten in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten die unterschiedlichsten Schiffe mit den unterschiedlichsten Missionen diese Seestraße, doch niemals mehr ward das vollbracht, was diese Männer und Frauen unter Admiral Sanin III. damals vollbrachten, niemals mehr ward die Freude, die von den Herzen der Seeleute Besitz ergriff beim Anblick des gigantischen Ozeans, so groß und niemals mehr sollte Efferd einem anderen Seemann ein überwältigenderes Zeichen seiner Zufriedenheit senden als an diesem Tage:
Denn als die drei Schiffe, allen voran die 'Horasschwalbe', durch das flache Wasser mit all seinen verborgenen Riffen fuhren, da schwamm ihnen voraus eine Gruppe Delphine, ihnen den Weg weisend vorbei an den vielen Untiefen und Riffen, hinein in eine Bucht, welche golden im Licht der Praiosscheibe erstrahlte:
'Welch eynen Narren hat der Herre Efferd nur in mir erwählet, der ich als erster diesem Anblick standhalte, der mich beynahe um den Verstand bringet und mir eynen Freundenschrey auf die bebend Lippen legt, denn gar prachtvoll anzusehn ist Seyne Herrlichkeyt. Oh Ihr Götter, wäre ich eyn Poet, dann würde meine Ode über diesen Ozean nun klingen und voll der Freude springet mein geschunden Herz!'
Sein weiterer Weg führte Admiral Sanin III. die Küste Altoums entlang bis zum angrenzenden Archipel, dem er den Namen 'Inseln der Feuerberge' gab; dann folgte er wieder der Hauptküstenlinie, ankerte in der Bucht von Al'Anfa und bestand mehrere Kämpfe gegen tulamidische Piraten. Schließlich erreichte seine Flottille 1846 v.H. die lang ersehnte Stadt Nebachot - und hier erst erfuhr Admiral Sanin III. vom insgeheim erhofften Tode Belen-Horas drei Jahre zuvor und vom Beginn der Ära der Friedenskaiser. Wir verdanken diesem tapferen Mann noch vieles, so zum Beispiel die Erstellung des ersten 'Groszen aventuerischen Atlas', doch jener Moment, den der Herr Efferd ihm gegönnt hatte, jener Anblick, welchen die Götter nur ein einziges Mal in jedem Zeitalter gewähren, ward unauslöschlich in sein Herz gebrannt und in das seiner Nachfahren!
Sein Leben wollte der Admiral mit der endgültigen Umsegelung Aventuriens im Nordosten vollenden (wegen des Ehernen Schwertes ohnehin unmöglich). Admiral Sanin III. starb bei ebenjenem Versuch im Alter von 80 Jahren an Bord seines Schiffes, der 'Horasschwalbe', in der Bernsteinbucht.

von: Philipp Schumacher
Erschienen in Opus no. 163 am 21.7.2002 als Reaktion oder Fortsetzung zu Admiral Sanin der Ältere.

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