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Der Schwarze Limbus    

16. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Prüfungsarbeit aus der Facultas Limbologicae et Sphaerologicae

Erneut ist es mir eine außerordentliche Freude unserer geneigten Leserschaft im folgenden einen Artikel präsentieren zu dürfen, welcher die leicht revidierte Fassung einer Prüfungsarbeit an unserer Academia darstellt. Wie bereits in vorigen Opera gilt, dass sich die geschätzte Leserin von dieser Arbeit keine hochtrabenden und neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse erwarten mag, sondern anhand dieses Skriptes die Qualität der Arbeiten an der Academia Limbologica ermessen und diese Arbeit im speziellen als Maßstab heranziehen kann.

Schreiben Sie eine Abhandlung zum unten angegebenen Thema. Sie sollen dabei beide Seiten wertneutral darstellen und alle wichtigen Argumente - Pro und Contra - berücksichtigen. Empfehlenswert ist der rohalsche Stil mit Rede und Gegenrede.
In der frei zu haltenden Schlussbetrachtung wird eine Darlegung ihrer eigenen Ansichten erwartet. Minimum sind 2 eng beschriebene Seiten. Eine Nutzung der Bibliothek mag hilfreich sein, ist jedoch nicht zwingend vonnöten. Wenn aus Werken direkt oder indirekt zitiert wird, sind diese als Fußnote zu nennen und die Zitate im Text eindeutig als solche kenntlich zu machen.
Spätester Abgabetermin ist der dritte Tag nach Erhalt der Prüfungsaufgabe.

Thema:
"Die Magie ist eine Kunst deren Lehre und Ausübung strengsten Restriktionen unterliegen sollte."

(gestellt von Magister extraordinarius Thundar Hurlemanoff)

Die Hohe Ars Arkana ist eine Begabung der nur im Auge Hesindes ausgezeichneten Geschöpfe. Es ist eine Spezies, die ausgewählt worden war, die Tore jenseits des einfachen menschlichen Geistes und die Geheimnisse des Mysteriums zu ergründen.
Dieser Text soll an diesem Faktum keinerlei Zweifel anlasten, Sinn des Scripts lautet vielmehr wie folgt:
Der Magie Lehre und Kunde ist eine Kunst, die von vielerlei Gesetzen geprägt sei oder nicht.

Doch kann jene Frage, ob es denn tatsächlich so ist, nicht ohne Observatio beider Aspekte, pro et contra, gestellt werden.
Ad Primum muss – und es sei hier im Rahmen dieser Arbeit nur kurz erwähnt – die Magie in ihrem Grundwesen erklärt werden, wenngleich die paar Zeilen hier gar lächerlich erscheinen im Hinblick auf die Unendlichkeit dieses Mysteriums. Nichtsdestotrotz will ich mein Bestes tun.

Die Magie in ihrer reinen Form ist geordnet und doch nicht. Sie bewegt sich frei im Limbus, jenem unendlichen Raum zwischen den Sphären und den Sternen. Kann eine Macht, die die Grenzen zwischen Chaos und Ordnung darstellt, denn wahrhaft erfassbar sein?

Die Ars Arkana weist und lehrt uns, dass dem so ist, durch Formeln und Sprüche wird die Kraft geformt und geleitet und schließlich ihrem Ziel, der Manifestation, zugeführt. Deshalb werde ich die Frage erneut, in abgewandelter Form stellen:

Ist die Macht in ihrer reinsten Form erfassbar und kann sie beherrscht werden?

Und hierin kommt nun der Kern des Ganzen auf, in ihrer momentanen Form, in Betracht der Unendlichkeit, ist sie wohl erfassbar und nicht. Die Matrix, das Gefüge des Ganzen, bindet und leitet die Macht und doch wird es nie ein Ende haben. De facto: kann eine Kraft, ein Gefüge, welches begrenzt ist und doch unendlich fließt, gebunden werden in ihrer reinsten urtypischen Form?

Die Ars Mathematica lehrt uns ein selbiges, durch simples Formelwissen und Arithmetik und Geometrie. Der Theorie nach ist die Macht durch sich selbst gebunden und in einen ewigen Fluss gezwungen.

Lieber Leser, der Sinn dieser Einleitung liegt nicht darin verwirrend zu scheinen, vielmehr soll es die Nicht-Fassbarkeit des Ganzen verdeutlichen und für den weiteren Verlauf des Scriptes zielführend sein.

Denn das Ganze ist unfassbar und doch kann es zu Eingriffen kommen. Die Matrix baut sich durch ein Netz von astralen Fäden auf und kann eben durch sein Paradoxon, der Unregelmäßigkeit in der Ordnung, von sterblichen Wesen erfasst werden.

Die Differenz zwischen den verschiedenen Arten von Wesen kommt nun in diesem Zusammenhang durch die unterschiedliche Anwendung der Magie auf.
Deshalb erneut die Frage:

Ist die unendliche Magie greifbar durch den begrenzten Verstand der Sterblichen?

Wiederum nur in ihrer ganz speziellen Form. Begrenzt wie der Verstand eines Wesens ist ebenso die Wirkung der Magie durch dessen Eingreifen.

So komme ich zur ersten Weiche dieses Scriptes:

Die Magie in ihrer reinen Form ist ungebändigt, fließt nach ihrer chaotischen Weise, unberechenbar, nach einem alten Rhythmus. Das Wirken der Menschen in der Magie stellt ein eingeschränktes Bildnis der wahren ursprünglichen und typischen Form der Macht dar. Dies ist unausweichlich, denn je größer und näher dem origio das Wirken liegt, umso größer sind auch die Gefahren in ihr.
Auch kann das Wesen der Magie die Arkane Macht niemals zur Gänze begreifen. Deshalb ist es unumgänglich, die Flüsse des arkanen Stromes in strenger Form zu rufen.
Zur Belegung, dass es dennoch Wesenheiten gibt, die ohne jede Anrufung die Magie zu formen vermögen und in keinen Konflikt mit dem übermächtigen Strom kommen, seien hier ad exemplum die gens albiensis genannt.
Die Elfen allein sind der Magie fähig ohne Regeln und Gesetzte, ja nicht einmal Formeln und Sprüche kennen sie, in welchen die Macht gebunden ist. Die Überlieferungen von Elfensprüchen stammen zum Teil aus alten Zeiten und zum anderen sind es abgewandelte Formen von menschlichen Zauberfähigen.

Der Vorteil einer solchen magica praktika mag wohl darin liegen, dass weder lange Studien durchgeführt werden müssen, noch muss der Zaubernde sich irgendwelche Gedanken über die Auswirkungen seines Tuns machen.

Der Nachteil einer solchen Praxis liegt an dem geringen Wissen und der gleichsam niedrigen Theorie. Man kann mit keinerlei Gewissen an sein Wirken herangehen, da einem schier und einfach das Wissen dazu fehlt.

Hingegen wird die Schule der menschlichen Magier, so ich diese in comparatio mit den ‚Elfen’ so klassifiziert nennen darf, von Moral, Gildengesetz und purem Formelwissen eingeschränkt.

Zum einen scheint dies schlecht, da die wahre Form der Magica hierdurch nie zum Ausdruck gebracht wird. Bei den Elfen ist uns ja selbiges durch ihre Art Freizauberei bekannt, welche die quasi reinste Art der gewirkten Magie darstellt.

Doch werden die Fäden und Muster dem Gefüge derart entrissen und in eine eigene Form gezwungen, dass der Zauber eine eigenständige Matrix aufgebaut hat. Zum einen lobenswert dieser Versuch der Nachstellung eines Gefüges, welcher danach trachtet Ganzes als Teil des Ganzen zu sein. Zum anderen hoffnungslos, da der Teil des Ganzen niemals das Ganze sein kann.

Ein Sterblicher, so er nicht Gefahr laufen will, von der ihn durchfließenden Macht selbst ergriffen zu werden, hat sich an gewisse Restriktionen zu halten.

Was die Lehre und Ausbildung und Einschulung in die Ars Magica betrifft, scheiden sich wiederum die Geister.
Dass jedoch während der grundlegenden Ausbildung und darüber hinaus ein Schüler stets Disziplin und Fleiß zeigen muss, ist einem jedem klar, jedoch in welcher Härte und Ausführung und ob Moral und Gewissen dazu unbedingt vonnöten sind, ist ein Gebiet der Magierphilosophen.

Wohl ist die Metapher zielführend, die besagt, dass die Ars Magica ein zweischneidiges Schwert sei.
Denn zum einen bedeutet eine große arkane Begabung die Fähigkeit anderen zu Schutze zu verhelfen und Heil und Segen zu bringen, zum anderen gibt es die Gefahr, dass einem eben jene Macht verführen mag. Über die Tragweite etwaiger Verführungen will ich mich nicht weiter äußern...

Dennoch bleibt die Frage offen, ob ein gutes Gewissen ganz im Sinne der Forschung und des Fortschrittes steht.
Man denke sich wie denn die ersten anatomischen Studien gemacht worden wären, hätte nicht einst ein Medicus gegen die Gebote des Herren Boron verstoßen.

Dass man einen Schüler von Unbekanntem und Ungewissen fernzuhalten versucht, ist insofern verständlich, da der Geist eines solchen Eleven möglicherweise nicht die ausreichende Reife aufweist.

Entgegenzustellen ist diesem Beispiel, dass wohl durch die einfachen Gedankenschritte und nicht durch die komplexeren profilierter und gestandener Magi etwaige Klauseln und Anormalitäten erkannt werden, die für das Auge eines sich in hohen Formeln bewegenden Magus nicht sichtbar oder scheinbar von Unwichtigkeit sind.

Einem jenem kann nun beiderseits die große Macht, die sich ihm bietet, zu Kopfe steigen, wie auch kann es ihn abschrecken oder ihn auf dem rechten Maße halten.
Gewissen kann in diesem Kontext zweifach definiert werden.
Es ist zum einen das Bewusstsein zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und sich nach moralischen Prinzipien zu entscheiden, welche, wie vorhin erwähnt, nicht immer im Sinne der Forschung stehen.

Zum anderen hat es eine Bedeutung, die annähernd mit Wissen gleichzusetzen ist. Dies bedeutet nicht moralische Grundsätze, sondern vielmehr das Bewusstsein, was mit der Magie getan wird, dies jedoch in objektiver Betrachtung, welche ganz im Sinne der Forschung steht.

Dies kann weitergeführt werden im Vergleich zwischen Praxis und Theorie.
Eben in der Theorie ist ein objektives Handlungsbewusstsein vonnöten, um einen korrekten Ablauf einer Zauberwirkung genauestens zu berechnen.

Die Theorie mag natürlich auch, und dies trifft meistens zu, im Rahmen einer moralischen Educatio gelehrt werden. Hierbei mag der Eleve in eine ganz gewisse Richtung geleitet werden, welche gerade für unentschlossene, schwache Gemüter hilfreich sein kann. Ebenso in der Praxis eine Richtungsweiche, die vom allgemeinen Gebrauch zwar ablenkt, aber in Causa der Spezialisierung nur zielführend ist.

Betreffend der Praxis kann und muss gesagt werden, dass sie mehr denn je Restriktionen unterliegen muss und ich mich nicht darüber hinaussehe, hierzu einen Conterpart zu nennen, da es schlichtweg unumgänglich ist, bei Anwendung der Artis Magicarum gewisse Aspekte zu betrachten und zu umgehen.

Und da die Theorie die Krone der Praxis ist, halte ich es mit dieser ebenso.

Abschließend sei noch erwähnt, dass als einer der bedeutenden Punkte der Ars Magica und deren rechten Anwendung noch die Reinheit und Stärke des Geistes vonnöten ist.
Frei von Störungen und Krankheiten sei das Bewusstsein des Magus.

Nicht unerwähnt sollen wichtige Prinzipien in der Lehre und vor allem im Erlernen der Magie bleiben. Stetige Wiederholung ist die Pflicht eines jeden Magus, denn sie bedeutet die einwandfreie Praxis und Umsetzung des gelehrten Wissens.
Ebenso muss der Lehrende erst Demut vor der Hohen Kunst beweisen, sich der besonderen Auswahl, welcher er unterliegt, bewusst sein und sich mit all seinem Trachten für diese einsetzen, denn erst derjenige, der Demut vor der Magie bewiesen hat, sich ihr unterworfen und ihre unendliche Macht zu respektieren begonnen hat, kann die Meisterschaft in ihr antreten.
Auch ist die Ars Magica eine Wissenschaft, die nur der seelisch Gestärkte erwählen sollten. So einer nicht die Gabe der Konzentration besitzt, sich mit all seinem Willen der Studie widmet oder widmen kann, soll er es bleiben lassen. Auch muss man gehörige Entschlossenheit zeigen um im Angesicht der astralen Manifestation nicht wankelmütig zu werden. Was man einmal angefangen hat, muss auch zu Ende gebracht werden und dies vermag wahrlich nur ein starker Charakter.
Rein von Störungen und Krankheiten sei der Geist des Zöglings, denn sie bedeuten mitsamt dem magischem Potential eine nicht zu unterschätzende Bedrohung.
Es ließen sich gewisslich noch dutzende Beispiele nennen, wie man die Lehre der Hohen Magie anzutreten hätte, doch verzichte ich auf derlei endlose Auflistungen und will mich mit einem Gruß und einer Empfehlung an alle ehrbaren Eleven der Magie wenden, der Hohen Magisterin zu danken ob der Möglichkeiten, die in ihnen ruhen und sie IHR zu Ehren auch anzuwenden!

Essenz dieses langwierigen und schwierigen Exzerpts, der Anwendung der Magie, sei hier das Ende:
Die Ars Magica, deren origio im Chaos gebundener Ordnung liegt, kann und muss strengsten Restriktionen unterliegen, die von dringender Not sind, um etwaigen Gefahren gewissentlich begegnen zu können. Wissen und Gewissen heißen die zwei entscheidenden Gesetze der Anwendung der Höchsten Aller Künste. Honore te Hesinde!

Scolar Ucurian ya Enstronzo

von: Marco Dworschak
Erschienen in Opus no. 165 am 4.8.2002 als Reaktion oder Fortsetzung zu Prüfungsarbeit aus der Facultas Sumui Transformatoricae, Fachgebiet Herbarium und Bestiarium.

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