Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

21. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Die Norfold'sche Trinitätstheorie
Weg zur Harmonie oder triviales Weltbild?

Wie sich die werte Leserschaft zu erinnern vermag, wurden in den vergangenen Ausgaben des Opus einige Artikel zur elfischen Magie an und für sich, im Speziellen zur elfischen Verständigung sowie zur harmonisierenden Interaktion publiziert. All diesen Artikeln waren ihre gute Verständlichkeit und ihre wissenschaftliche Korrektheit gemeinsam, wofür ich den Autoren ein großes Lob aussprechen möchte.
Alles in allem sprachen die Grundthesen dieser hervorragenden Werke der elfischen Magie eine außerordentliche Eigenständigkeit sowie eine harmonisierende (Verständigung-bewirkende) Tendenz zu - gleichzeitig aber und vice versa der gildenmagisch-geprägten Magie etliche Wesensaspekte ab. Um so betrüblicher stimmt es mich, dass sämtliche Magi et Magae unserer Zunft jene Artikel zwar lasen, im Geiste jedoch überlesen haben müssen, denn wie ist es ansonsten zu erklären, dass keinerlei Reaktion auf besagte Artikel bei uns (in der Redaktion des Opus) eingelangte.

Wollen also wir, als Magier, uns mit jener Theorie eingehender beschäftigen, so müssen wir zu aller erst einmal verstehen, welche Aussagen es sind, die weitreichende Auswirkungen auf die Gildenmagie implizieren. Im Prinzip bemühen sich die Autoren in ihren Texten ein umfassendes, originäres (also ursprüngliches) und von der Gildenmagie zu unterscheidendes Bild einer elfischen scola magica (oder vielleicht besser: vita magica) zu definieren. Dieses Bild entsteht nun - wie in den vorangegangenen Artikeln nachzulesen - durch eine deutliche Abgrenzung der elfischen Magie bzw. der einzelnen elfischen Sprüche von denen, welche wir Magier als Canti elfischen Ursprungs beherrschen. In meines Erachtens nach bislang einzigartiger Weise wird eben jener im Wesen der Elfen immanente Unterschied fundiert begründet und so schlüssig dargelegt, weshalb die elfischen Canti des Codex Cantiones keine originär-elfischen Sprüche sein können.
Doch aufgemerkt! Zum Abschluss seines letzten Artikels schreibt Magister extraordinarius Reiju Windfeder dann folgende Zeilen: "Gerade unsere gildenmagische Einordnung elfischer Zaubersprüche in die angestammten Spezialgebiete ist nicht zutreffend..." Weshalb, so frage ich mich, kann der Magister jenes behaupten, wo er doch gerade zuvor den Unterschied zwischen der elfischen und der gildenmagischen Magie dargelegt hat? Die Einteilung der elfischen Canti nach Spezialgebieten ist der momentanen gildenmagischen Form von Zauberei exakt angemessen und somit auch zutreffend. Dass sie einem Elfen nicht dienlich, nicht angemessen sein kann, will ich gar nicht bezweifeln, argumentiert Magister Windfeder doch selbst: "...kann man jeden elfischen 'Spruch' ausschließlich als Teil einer jeweiligen elfischen Persönlichkeit identifizieren..." So wie dies zweifelsohne der Fall ist, kann man jeden elfischen Spruch, der von einem Magier gesprochen wird, ausschließlich als Teil einer jeweiligen gildenmagischen Ausprägung der Magie identifizieren.
Um es also noch einmal in aller Kürze zu formulieren: Ein elfsicher Spruch, von einem Elfen gesprochen, lässt sich nicht mit der traditionellen Einteilung der Spezialgebiete erfassen, da er sich von dem elfischen Spruch, von einem Magier gesprochen, seinem Wesen nach unterscheidet. Für die Gildenmagie jedoch und ihre Anwender (ergo die Magi et Magae) ist diese Einteilung zutreffend.

Halten wir also fest, dass es keinen guten Grund gibt unsere gildenmagische Einteilung der elfischen Canti zu verwerfen!
Natürlich lässt sich das originäre Wesen der elfischen Magie nur dann erfassen, wenn man auch als Magier zumindest für kurze Zeit aus diesen konventionellen Einteilungen heraustritt (noch einmal: Dies kann und wird nicht das Ziel einer gildenmagischen Einteilung der elfischen Canti sein, höchstens ein kurzfristiges Forschungsinteresse!) und der Norfold'schen Trinitätstheorie geistig folgt. Dies will ich nun im zweiten Abschnitt meines Artikels tun und somit das Theoriegebilde als ganzes in Frage stellen.

Um den zentralen Begriff der Norfold'schen Trinitätstheorie, nämlich den der HARMONIE, zu verstehen, muss man sich folgendes vergegenwärtigen: Die drei Komponenten, aus denen sich WELT zusammensetzt, sind WELT SEIN, SELBST SEIN und WILLE. Akzeptiert man einmal diese Einteilung von Welt, so stellt sich die Frage nach der Harmonie als eine Frage der Interaktion zwischen diesen drei Komponenten. Eine Art Gleichgewicht kann oder sollte also entstehen durch die Handlungen des Elfen. Laut der Trinitätstheorie folgt der Elf dem WILLEN, respektive der "Sehnsucht nach Harmonie, wie sie allen Wesen, die Satinavs Wirken und TSAs göttliches Wunder erleben können, letztlich vielleicht gemeinsam ist."
Gerade diese Sehnsucht nach Harmonie ist es, welcher wir hier an der Academia Limbologica bereits seit langem folgen, welche wir versuchen aufrecht zu erhalten, und genau deshalb waren eben diese Zeilen der Norfold'schen Theorie von solchem Interesse für mich. Aber in diesen Zeilen liegt auch jener Zweifel begraben, der mich schon seit der ersten Lektüre dieser Zeilen plagt:
So sehnen sich also SELBST und WELT nach Identität, nach Übereinstimmung, nach HARMONIE, und der Elf realisiert diese Harmonie durch seinen WILLEN. Jedoch: Achtet der Elf denn auf den Harmoniezustand der WELT? Sieht er ein anderes Harmoniestreben, ein anderes Streben nach Gleichgewicht, als das eigene? Kann er überhaupt wahrnehmen, ob sich die WELT um ihn herum im Gleichgewicht befindet? Dieser Aspekt wird in der Norfold'schen Theorie völlig vernachlässigt, gehört jedoch meines Erachtens nach mitunter zu dem Wichtigsten, was wir unseren Adepten beibringen: Stets darauf zu achten, dass das Gleichgewicht gewahrt bleibt - nicht das Gleichgewicht zwischen Zauberndem und der Welt, nein, das Gleichgewicht der Sphären (um es einmal ganz allgemein auszudrücken). Denn der geschulte Magus, die geschulte Maga betrachtet die Welt - z.B. eben mit jener Form des elfischen Cantus ODEM ARCANUM, welche wir Gildenmagier pflegen - und setzt seine Magie zur Aufrechterhaltung der Harmonie, des Gleichgewichts in der Welt ein.

Dies ist es, was meines Erachtens die Legitimation für unsere (die gildenmagische) Art der Einteilung, unsere Art des Wirkens und unsere Art des Lebens überhaupt ist.

Adeptus maior Eborëus Zachariad

von: Philipp Schumacher
Erschienen in Opus no. 98 am 4.3.2001 als Reaktion oder Fortsetzung zu Über die Elfische Verständigung.
Zu diesem Artikel erschienen folgende Reaktionen oder Fortsetzungen: Elfische Magie und das gildenmagische System der hexalogia elementorum, Die allgemeine Norfold-Windfeder-Pentathesis zu einer Systematik der Magie der Elfen.

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