Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

22. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

Titelblatt
Compilationen
Archiv
Compages
Suche
meistbetrachtete Artikel
zufälliger Artikel
Umfragen
Redaktion

Menü verstecken


De Natura Daimonii

Von Chaos und Brodem – Abhandlung über die Wesenheiten der Siebenten Sphäre
verfasst von Meister Barius von Charypso
Magister der Academia Limbologica

Partum secundum
Der ewig Ruhelose, der streitende Verzehrer, Lolgramoth oder auch Thezzphai, die schlaflose Nacht, die ewig laute Stille

Lolgramoth ist wohl einer der sowohl im Volk als auch unter Magi am wenigsten bekannten Daimonen. Doch ist es gerade diese Unverstandenheit gegenüber seinem Wesen und die Verkennung der Macht, die hinter dem Daimon steht, die ihn im eigentlichen Sinne mächtig macht. Lolgramoth gehört damit zur Gruppe der MENTALES. Mentales sind die Daimonen, die nicht durch Zerstörung und Gewalt im eigentlichen Sinne handeln, die sich nicht in abstrusen Gestalten ihren Beschwörern zur Schau stellen, um Furcht zu sähen, ja meist gar ohne Form und Wesen sind. Sie werden daher nicht wie die Elementares (siehe letzter Artikel) auch im normalen Volk verehrt oder gefürchtet – ja selbst unter Beschwörern ist das Wissen um sie rar. Sie agieren wie erwähnt nicht in dem direkten zerstörerischen Weg, wie zum Beispiel Chrypsa, sie wollen nicht gefürchtet werden, nein, sie versuchen viel eher sogar sich selbst als schwach darzustellen. Sie benutzen Schwächen und Wünsche der Menschen und flüstern ihnen Begierden und Wege diese zu verwirklichen ins Ohr. Ja, manche meinen Mentales versuchen gar das Vertrauen der Menschen zu gewinnen um diese für ihren grässlichen Plan jeglichen klaren Verstand zu korrumpieren einsetzen zu können. Und dies ist auch ihr größtes Ziel: die Mentales versuchen durch Intrigen das Vertrauen leichtgläubiger auf ihre Seite zu ziehen und den Verstand des selben mit immer neuen und sich widersprechenden Daimonischen Eingaben ins Chaos zu stürzen. "Denn wenn einst Chaos im Geiste der Menschen herrscht, wird Chaos sein gar überall." Dies alles macht die Mentales zu viel verschlageneren Gegnern und viel schwerer zu erkennenden Daimonen als alle anderen. Darum rate ich hier mehr noch denn sonst die Finger von Beschwörungen solcher Natur zu lassen. Denn das kostbarste Gut des Menschen ist sein Verstand. Und wenn ein elementarer Daimon den Beschwörer nur all zu leicht ins Reich der Toten schickt, so stürzt ihn der Mentale direkt ins ewige Chaos.

Doch welches ist nun die Eigenschaft, die dem Lolgramoth zugeordnet wird? Welches das Laster, das er im Menschen für seine Zwecke verwendet? Es ist das eine Laster, aus dem sowohl Friedlosigkeit, Zwietracht, Schlaflosigkeit, Verwirrtheit, Zorn und Streit entstehen: Der Eifer. Wie so oft auch hier eine Eigenschaft, die nicht ad primum als schlecht angesehen wird, wenn jedoch übertrieben zur Konkurrenz und somit direkt in die Klauen Lolgramoths führt.

Die Beschwörung:
Wie bei allen Mentales sind die Diener Lolgramoths mit wenigen Ausnahmen meist wenig materiell und nicht aggressiv. Darum ist im Gegensatz zur Paktiererei, die bei Mentales gefährlicher ist als bei allen anderen, die Beschwörung niederer Wesen meist recht einfach und unspektakulär. Daimonen des Lolgramoth werden fast immer zu Bewegungs- und Transportzwecken oder zum Sähen von Zwietracht unter den Feinden beschworen.
Die Beschwörung sollte wie folgt vonstatten gehen:
1. Die Zeit der Beschwörung sollte im Optimalen die Zeit der größten Geschäftigkeit – eine beliebige Stunde des Tages – sein.
2. Der Ort der Wahl ist ein Ort der Friedlosigkeit, mit viel Geschäftigkeit und vielen Menschen. Eine große Stadt wäre wohl ideal.
3. Wie alles, das mit diesem Daimon zu tun hat, soll auch die Beschwörung schnell und ohne großes Aufsehen vonstatten gehen. Hilfreich ist es, wenn der Beschwörer eine Nacht lang nicht geschlafen hat und zu diesem Zwecke verschiedene konzentrationssteigernde Drogen zu sich nimmt. Da Travia der Gegenpol des Erzdaimons ist, sei Feuer jeglicher Art zu meiden.

Paraphernalia:
Als Paraphernalia verwende man je nach Zweck der Beschwörung ein Abbild dessen, dem Unruhe geschenkt werden soll, Tinkturen aufputschender Giftstoffe, die über Glut (nicht Feuer!) verraucht werden können. Ansonsten ist viel mehr das Wesen des Beschwörers selbst als alle äußeren Gegebenheiten für eine gelungene Beschwörung wichtig.

Der Pakt mit dem ewig Ruhelosen:
Wie bei allen Mentales ist es mit dem Pakt wie folgt: Er wird allzu leicht geschlossen, (auch ohne das Wollen der Paktierers nur durch Unvorsichtigkeit!) oft vom Paktierer selbst nicht erkannt (!), bringt kaum echte (dem Paktierer nicht vorgespielte) Vorteile, ist kaum zu lösen, und endet immer im völligen Chaos der Verstandes.
Mentales spielen Paktierern immer Freundschaft, Hilfsbereitschaft oder Schwäche vor um diese für sich zu gewinnen. Sie sind immer in den Augen der Beschwörer als Diener eingeschätzt, wobei sie eigentlich die Meister sind. "Indem sie dienen, beherrschen sie die Herrscher!"
Lolgramoth wird fast immer aus Eifer und Eifersucht heraus um Hilfe gerufen (ja er muss gar nicht beschworen werden!) und hilft stets, indem er Zwietracht und Ruhelosigkeit unter die vom Paktierer Gehassten bringt. Im Paktierer selbst jedoch schürt er damit auch den Hass und die Eifersucht erneut und schließt einen Dämonenkreis, der am Ende die Zwietracht, die auf andere gelegt werden sollte, ins Herz des Paktierers selbst bringt. Dieser wird dann von inneren Spannungen und Ängsten so sehr geplagt, dass er nicht mehr schlafen kann und zu keiner direkten Handlung mehr fähig ist. Er ist entweder zu Tode über alles um sich herum betrübt und zerfleischt sich selbst mit Selbstbeschuldigungen, kann nicht mehr essen noch an etwas anderes denken als an seine inneren Spannungen und seine innere Angst und Friedlosigkeit oder ist jauchzend hellwach um völlig sinnlose durch heftige Bewegungen bestimmte aufbrausende Taten zu vollbringen. Dieses Krankheitsbild zeigt sich dem Medicus der Seele als "manisch depressiv", ist aber zu großen Teilen die Folge eines solchen Paktes, auch wenn vom Paktierer selbst gar nicht erkannt. Am Ende dieses leidvollen Krankheitsbildes steht leider allzu oft der Tod durch die eigene Hand, da der Paktierer sich selbst als den zu bekämpfenden Feind erkennt und das Messer gegen die eigene Brust richtet.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass Lolgramoth in jeder Weise zu vermeiden ist, da man nur all zu leicht in seine Pakte schlittert, die in kurzer Zeit einen jeden in den völligen Wahnsinn treiben.

von: Daniel Junker
Erschienen in Opus no. 152 am 28.4.2002.

Suche in 575 Opus-Artikeln

ein oder mehrere Begriffe
alle Artikel anzeigen

Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2006 Spielerverein der Freunde des Gepflegten Rollenspiels