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15. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Gedanken zum Gleichgewicht
Teil 2: Welche Auswirkungen hat das natürliche Gleichgewicht?

In Teil 1 habe ich versucht darzulegen, dass es ein natürliches Gleichgewicht gibt. Nun stellt sich die Frage nach den Auswirkungen auf Mensch, Elf, Zwerg, die anderen Bewohner der Dritten Sphäre, auf die Bewohner der anderen Sphären.

"Das direkte Eingreifen eines Gottes in der Dritten Sphäre ist stets einem Tippen an den Waagschalen gleich, doch dieses Tippen an den Waagschalen, eine kleine Geste der Gottheit, bedeutet für die Dritte Sphäre Katalysmen: Heerscharen, Städte, ganze Reiche können untergehen, ja selbst der Lauf von Los, Sumu oder Satinav mag sich ändern. Das Los einzelner Menschen zählt wenig. Nur Helden und Herrscher, die das Karma begleitet, können die Dritte Sphäre nachhaltig beeinflussen. Kurz: Es mag gewaltige Veränderungen geben. Doch letztlich kippt die Waagschale zurück, und das Gleichgewicht der Sphären ist wieder hergestellt." Ein weiteres Zitat aus der Offenbarung des Nayrakis. Etwas weniger bekannt.

Was aber bedeutet diese Stelle? Soll das etwa heißen, dass das Eingreifen eines Gottes keinen Sinn hätte? Dass alles, was wir tun, nur eitel ist? Nichts bewirkt? Vergebens all unser Streben und Mühen? Nein! Denkt zurück an die Mechanik. Was passiert, wenn eine Kraft auf einer Seite die Waage herunterdrückt? Nun, die Waage neigt sich - es sei denn, dass genau im gleichem Moment auf der anderen Seite ebenfalls eine Kraft ansetzte. Aber Kraft bewegt ja nicht nur Waagen - Kraft zerstört auch. Die "Waagschalen", die zu stark gedrückt werden, vergehen. Sie wurden dem Gleichgewicht geopfert. Die Weltordnung hat es verlangt. Ein Beispiel? Nun, nehmt einen beliebigen bekannten Helden - Raidri Conchobair beispielsweise. Wie viele Kämpfe hat er überlebt? Wie viele Schlachten hat er geschlagen? Alle hat er überlebt - bis auf seine letzte gegen den Dämonenmeister. Doch wie viele starben an seiner Seite? Treue Gefährten ohne die ihm der Sieg oftmals nicht möglich gewesen wäre. Er hat nicht nur seine Gegner überlebt, sondern auch seine Gefährten. Allein gegen den Dämonenmeister musste auch er sein Leben geben - mit vielen anderen. Wenn das eine Gewicht herausgenommen werden soll, muss auch auf der anderen Seite ein gleich großes entnommen werden. Aber nicht nur die "großen Gewichte" sind nötig - nein, auch die unzähligen "kleinen" wirken stabilisierend. Vielleicht wirken viele "kleine" sogar stabilisierender als wenige "große"?! Die Beeinflussung eines kleinen Gewichtes verursacht kein heftiges Schwanken - die eines Großen dagegen sehr wohl. Ein Gedankenexperiment: Wenn wir uns nun vorstellen, dass es nur drei große Gewichte gäbe, und ansonsten nichts. Was wäre, wenn eines entfernt würde? Der Zusammenbruch der bisherigen Ordnung. Und so die verbleibenden Gewichte nicht umverteilt werden, wäre es auch der endgültige Zusammenbruch.

Können und sollen wir daraus Regeln für unser Verhalten ableiten? Wir können daraus keine unser zukünftiges Handeln bestimmenden allgemein gültigen Regeln ableiten. Jeder Mensch - ob reich, arm, magiekundig, mächtig, ohnmächtig, Bauer oder Adliger - muss sich für sich selbst überlegen, in welche Richtung er sein "Gewicht" zu welchem Zeitpunkt werfen will. Allein: Es wird immer Auswirkungen auf die Gegenseite haben. Wir sollen daraus auch keine Regeln ableiten - auch dies beeinflusst das Gleichgewicht, und ob positiv oder negativ ist schwer zu sagen - wahrscheinlich aber beides.

Können wir das Schlechte und das Gute dann überhaupt unterscheiden? (Anmerkung: Der Autor geht hier von einem absolutem Gut bzw. Böse aus) Was ist das Gute? Ist das Gute per se - im Sinne des Gleichgewichtes - nicht das, was dieses Gleichgewicht aufrecht erhält? Kann dann nicht - rein hypothetisch - auch das vermeintlich abgrundtief böse in just diesem Augenblick das wahre Gute sein? Kann der Handelnde dies in diesem Augenblicke erkennen? Nein! Erst im Nachhinein ist eine endgültige Bewertung als Gut möglich, da das Gleichgewicht bestehen blieb. Das endgültig Böse dagegen kann man niemals erkennen - wer sollte das nach dem Ende der Schöpfung auch noch beurteilen? Das bedeutet nun keineswegs, dass es egal ist, was man tut! Nein, es ist wichtig weiter das zu tun, was man für das Richtige hält, denn auch Stillstand würde das Gleichgewicht zerstören. Außerdem zeigt die Weltordnung, wie oben ausgeführt, die Tendenz sich selbst zu stabilisieren - oft auf Kosten des nachhaltigen Störfaktors.

Wer aber wären die Gewinner eines zerstörten Gleichgewichtes? Nun es gibt keine Gewinner - wenn die Ordnung zerfallen ist, kann auch das Chaos nicht mehr existieren und vice versa. Deshalb kann selbst das Chaos eigentlich nur eine andere Ordnung wollen, ansonsten würde es sich selbst vernichten.

Thundar Hurlemanoff
Absolvent der Academia Arcomagica
Scholaque Arcania Puniensis
- zur Zeit auf Reisen -
Post bitte an: elementarist@geocities.com

von: Florian Kreuzinger
Erschienen in Opus no. 20 am 31.5.1999 als Reaktion oder Fortsetzung zu Gedanken zum Gleichgewicht - Teil 1.

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