Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

20. Rahja im 47. Götterlauf nach Hal

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Dissertatio de conventibus filiae satuariae
a Magus ordinarius Eboreus Kalmaning, Perricum, scripta

Partum I

In meiner langen Laufbahn hatte ich es häufig schon mit bedauernswerten Personen zu tun, die das Opfer übler Verfluchungen geworden waren. Häufig wurden bei diesen Vorfällen als Auctores die Filiae Satuariae, wie sie sich selbst bezeichnen, genannt. Im Volke werden sie im allgemeinen mit dem Wort Hexen belegt und ob seiner Kürze will ich dieses nun des weiteren einmal beibehalten.
Hexen haben also die Möglichkeit, Leute mit Flüchen zu belegen. Aber warum tun sie dies? Welchen Grund haben sie hierfür? Was sind überhaupt ihre Beweggründe und Ansichten – oder auf den Punkt gebracht: Was weiß der gelehrte Mensch von heute überhaupt über diese dunklen Zauberinnen? Ich will einmal versuchen, dieses Wissen zusammenzustellen und meine Gedankengänge dazu veröffentlichen.
Also, was ist bekannt? Hexen können Magie wirken, Hexen leben im Wald, Hexen haben Familiarii, sie fliegen auf Besen, Zäunen, Forken oder in Fässern zu ihren Conventen, wo sie dem Gehörnten huldigen und dunkle Rituale vollziehen. Je nach Landschaft kommt noch das eine oder andere Stück vermeintlichen Wissens dazu, das meist diverse Praktiken zum Inhalt hat, die den Hexen zugeschrieben werden, und auch, wie der einfache Landmann sich davor schützen kann. Die Majorität wird schon bei oberflächlicher aber wissenschaftlicher Betrachtung ad absurdum geführt und als purer Aberglaube entlarvt. Als sicher kann man hingegen annehmen, daß eine Hexe per se nicht böse sein muß, was immer man auch jetzt damit meinen mag. In vielen Dörfern hat man sich mit ihnen arrangiert und läßt ihnen ihren Platz in der Gesellschaft als Heilerinnen und Kräuterkundige, auf welche Gebiete sie sich wohl recht gut verstehen und so auch häufig aufgesucht werden, auch wenn immer ein gewisses Mißtrauen beiderseits wohl nicht zu leugnen ist.
Hexen wirken Magie – nun, dieses steht wohl außerhalb jedweder Debatte, hat doch sogar einiges Hexenwissen Einzug gehalten in den Kanon der Gilden. Was heutzutage niemand mehr zu wissen scheint, aber aufgrund näherer magionomischer Untersuchungen sich bald als klar herausstellt, ist, daß es die frühesten Hexen gewesen sein müssen, die das Wissen erlangten, daß Mutationes auch wieder rückgängig gemacht werden können vor Ablauf ihrer Dauer. Die entsprechende Thesis ist heute Allgemeingut, allerdings etwas aufwendiger zu perfektionieren, was wohl auf ihren Ursprung zurückgeht. Denn das Einzige, was noch annähernd als sicher gelten kann im Bezug auf diese Art der Magie, ist die Ablehnung logischer Formalismen, sprich magionomischer Thesen.

Dies macht es immer schwierig, einen der intuitiv gesprochenen Hexenzauber in eine Gildenthesis zu traduktieren. Aber welche Philosophie und Überzeugung hinter solch unlogischen Verhalten steht, ist wiederum völlig unbekannt und harrt noch der Erforschung.
Ich erlaube mir, die Annahme, Hexen lebten in Waldhütten und würden von dort aus Kräuter sammeln und ihre Rituale vorbereiten, grundlegend zu revidieren und auf folgende Aussage zu reduzieren: Viele Hexen leben im Wald oder in dessen Umgebung, da sie wohl in irgendeiner Art und Weise mit diesem oder eventuell auch mit dem Leben allgemein eine engere Beziehung pflegen. Indizien hierfür sind die Hinwendung zur Heilkunst, die man häufig beobachten kann und auch ihre Affinität zu Satuaria, der jüngsten Gigantin, die ja für das sumugeborene Leben steht. Aber dies alles mag so nicht auf alle zutreffen, wurden doch auch immer wieder sogar in großen Städten Angehörige dieser Zunft von der heiligen Inquisition übler Magie überführt und abgeurteilt. Man könnte daraus nun den Schluß ziehen, schwarze Hexen zöge es zu ihren Opfern und die "Guten" würden brav ihre Pasten und Tränke brauen – aber das halte ich noch für übereilt. Auch hier bedarf es noch der genaueren Klärung der Umstände.
Über Familiarii wurde schon viel spekuliert und auch manches ernstzunehmende Werk verfaßt, so daß ich mich vorerst für den Unwissenden nur in folgender Bemerkung ergehen will: Eine Hexe scheint eine starke Bindung zu einem Tier einzugehen. Verschiedene Arten wurden nachgewiesen, aber welchen Regeln die Wahl folgt ist recht unbekannt. Relativ gesichert kann man annehmen, daß diese Tiere nach einer wie auch immer gearteten Bindung einen Fokus der Kraft für die Hexe darstellen, gewissermaßen dem Stabe der Gildenangehörigen ähnlich, aber doch verschieden. Anzunehmen ist jedenfalls, daß dem weit verbreitetem Aberglauben über schwarze Katzen ein gewisses Maß an beinhalteter Wahrheit nicht abzusprechen ist.
Soweit nun dazu. Aber was hat es mit den wohl regelmäßig stattfindenden Zusammenkünften dieser Gemeinschaft auf sich, den sogenannten Hexenfesten oder auch Hexennächten? Wenn wir uns diese Frage stellen, dann wird erst wirklich klar, wie wenig über diese Gemeinschaft wahrhaftig bekannt ist. Ich werde im zweiten Teil dieses Traktates, erscheinend in der nächsten Ausgabe des Opus, nun einmal zu postulieren und wo möglich zu belegen versuchen, welchen Sinn und Zweck diese Treffen haben mögen...

Erschienen in Opus no. 32 am 4.9.1999.
Zu diesem Artikel erschien folgende Reaktion oder Fortsetzung: Dissertatio de conventibus filiae satuariae - Partum II.

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