Opus veritatis scientiaeque

Der Schwarze Limbus    

23. Peraine im 47. Götterlauf nach Hal

Titelblatt
Compilationen
- Artikel hinzufügen
Archiv
Compages
Suche
meistbetrachtete Artikel
zufälliger Artikel
Umfragen
Redaktion

Menü verstecken


Leserbrief:
Ad De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I - Mein lieber Tundar Hurlemanoff...

Werter Collegus Ambrosius,

Zunächst ist es an mir, Euch zu gratulieren. Ihr seid ja, wie ich dem letztem Opus entnehmen konnte, nun zum Lehrmeister an der Academia Limbologica berufen worden. Ich wünsche Euch in diesem Amt, daß Ihr stets den nötigen Weitblick und Scharfsinn unter Beweis stellt. Möge HESindes Licht Euch stets sicher leiten.

 

Etwas erstaunt bin ich ob Eurer Forderung nach Satisfactio: Es wäre mir gänzlich neu, daß Ihr von Stande seid! Da ich aber nicht annehme, daß Ihr dies bisher verschwiegen habt, weise ich Euch hiermit auf folgendes hin:

Zuvörderst habt Ihr - genausowenig wie ich - das Recht Satisfaktion zu fordern (sofern Ihr nicht doch Euren Titel verschwiegen hättet - was aber zumindest leichtes Befremden auslösen dürfte, da dieser dann ja auch nicht bei Eurer offiziellen Berufung zum Lehrmeister erwähnt worden ist). Insofern wäre dies ein Verstoß gegen die Gesetze - und das würde dann doch Eure Glaubwürdigkeit in Frage stellen. Räumt Ihr mir schließlich nicht einmal das Recht ein, Gesetze und ihre Anwendung in Frage stellen zu dürfen - was ich so ja nicht einmal getan habe. Ich hatte ja lediglich kritisiert, daß man die Intention des Zaubernden bewerten sollte und nicht die Art wie er seine Thesen wirkt.
Secundo stünde mir, soweit ich in diesen Belangen bewandert bin, dann wohl - da Ihr die Forderung gesprochen habt - die Wahl der Waffen, des Ortes und der Zeit zu, was sicherlich nicht in Eurem Sinne sein kann.

Des weiteren möchte ich Euch doch in Eurem Interesse von solchen Kindereien dringend abraten - Ihr könntet am Ende dabei ernsthaften Schaden nehmen und auch die Akademieleitung will sicher (wo Ihr doch gerade erst Euren Lehrstuhl angetreten habt) nicht nach einem Stellvertreter suchen müssen, bis Ihr wieder genesen seid. Denn eines darf ich Euch versichern: Ein Gegner im Kampfe ist keineswegs so geduldig wie das Papier auf dem Ihr Eure Traktate zu schreiben gewohnt seid.

Euch zu liebe will ich mich diesmal noch nicht provoziert sehen und verzichte auch großzügigerweise auf eine öffentliche Entschuldigung. Ich nehme diese Forderung einfach als nicht gestellt an.

Auch unsere Disputatio scheint mir inzwischen mehr und mehr zur Zeitverschwendung zu verkommen. Ihr weigert Euch Tatsachen anzuerkennen und verdreht meine Aussagen wie es Euch gefällt. Im gleichem Jahr, in dem Kaiser Hal spurlos verschwand wurden meine Gefährten und ich Opfer dieses "Zauberzwanges". Wir versuchten Hilfe zu bekommen wo immer wir vorbeikamen. Weder eine mächtige Dienerin Sumus namens Gala noch der Vorsteher des Tempels der HESinde zu Gareth vermochten uns zu erlösen. Ja, der höchste Diener der weisen Göttin zu Gareth, Meister Yitskok. Sinngemäß sagte er zu mir, er selbst wüßte nur drei Personen, die in der Lage wäre uns zu helfen. Das sei zu einem der Zauberer der die Thesis wirkte selbst, wobei das fraglich sei, da es leichter wäre den Zwang zu werfen als ihn zu brechen. Die zweite wäre eine ihm bekannte Magierin und diese sei - da sie oft unterwegs wäre - auch für jene schlecht zu erreichen, die sie zu rufen verständen. Bis heute bin ich davon überzeugt, daß er damals von der legendären Nahema sprach. Die dritte jedoch, so führte er aus, sei allein die Göttin selbst. Er versprach uns sodann uns in seine Gebete einzuschließen und wir zogen weiter. Am Ende waren es dann wirklich die Götter, die uns vor der Erfüllung der Aufgabe bewahrten. Das gehört jedoch nicht hier her! Seit dieser Zeit habe ich nie wieder einen wirkenden "Zauberzwang" erlebt. Zwar habe ich mich geraume Zeit danach sehr dafür interessiert und auch einige Töchter Satuarias dazu befragt, ja sogar Antworten erhalten, doch selbst zu versuchen, einen Zwang zu brechen konnte ich allein aus Mangel an Opfern schon nicht. Sogenannte Flüche hingegen habe ich bereits einige gebrochen - wenn auch bisher noch kein permanent wirkender darunter war - und noch mehr in Anwendung gesehen. Vielleicht solltet Ihr, werter Collegus Ambrosius, der staunenden Fachwelt Eure - sicherlich modifizierte - Thesis des BEHERRSCHUNGEN BRECHEN vorstellen; damit könntet Ihr dem "Zauberzwang" seinen Schrecken nehmen! Allerdings solltet Ihr - zumal Eure Formel einige Nachteile beim brechen von Flüchen zu bringen scheint - Euch eines Demonstrationsobjektes versichern. Es könnte sonst sein, daß Euch so niemand Glauben schenken mag, obwohl Ihr ja anscheinend eine große Kapazität auf diesem Gebiet zu sein scheint! Immerhin gelingt Euch, was dem Hochgeweihten der Allwissenden Göttin nicht gelang.

Ich bin es ehrlich gesagt leid auf solch lächerliche Wendungen einzugehen, die Ihr vollführt. Auf der einen Seite schreibt Ihr, daß es "anerkannte und in Auszügen sicherlich hervorragende bereits existente Werke" über dieses Themengebiet gibt, im nächstem Augenblick jedoch sind "die dort präsentierten Wahrheiten unvollkommen und anzweifelbar", einen Absatz oberhalb behauptet Ihr "innerhalb des weit verbreiteten Aberglaubens Wahrheit von Fiktion" scheiden zu wollen; bei den Werken die teilweise so hervorragend sind, wollt Ihr dies dann nicht - mit der lapidaren Begründung: "Denken will ich lehren, nicht Gedachtes". Da bleibt nur zu hoffen, daß ein anderer Euren Schülern zeigt, über Gedachtes nachzudenken, um so zu den richtigen Gedanken zu kommen. Da macht sich doch der Mherwedbock zum Schäfer!
Ihr dreht und wendet Euch wie es Euch paßt! In einem Artikel schreit Ihr entrüstet auf, wie ich es nur wagen könne Euch zu raten mit einem Menschen zu reden "der noch niemals eine Bibliothek von innen gesehen haben mag, ja vielleicht nicht einmal die Fähigkeit des Lesens sich anzueignen vermochte", jetzt hingegen schreibt Ihr "Ich achte die sogenannten Kinder Satuarias durchaus". Abgesehen davon, daß es in dem letztem Zitat entweder "die sogenannten Hexen" oder aber "die sich selbst Kinder Satuarias nennen" heißen müßte, was ich übrigens bedauerlich finde (haftet doch dem Wort Hexe ein abwertender, fast beleidigender Beigeschmack an) ändert Ihr Eure Aussagen gerade so an, wie Ihr es momentan für richtig haltet. Wie die Fahne, die immer mit dem Wind weht.

Leider aber - Euch mag es ja anstehen Eure Meinung zu ändern - verdreht Ihr ebenso meine Aussagen. Ich habe niemals den Codex Albyricus in Frage gestellt. Sobald auch nur zwei Menschen zusammenleben, benötigt man Regeln. Auch die Gemeinschaft der Magiekundigen benötigt diese. Ich behaupte lediglich, daß es möglich sein muß, diese Regelungen zu hinterfragen und - so nötig - zu kritisieren. Beides erscheint mir nicht ein Verstoß gegen die Gesetze zu sein. Des weiteren habe ich all jene Gesetze und Vorschriften kritisiert, die nicht die Intention - also das Ziel des Zaubers - sondern die Ausübung der Thesis betreffen. Zudem habe ich dies weiter eingegrenzt, indem ich ebenfalls klipp und klar sagte, daß innerhalb einer engeren Gemeinde weitere Einschränkungen angebracht sein mögen und explizit die Gildenregeln als für Gildenmagier obligat dargestellt. Ich habe nur die Anwendung der Vorschriften der Gilden auf nicht Gildenzugehörige als meiner Ansicht nach falsch dargestellt. Innerhalb des gültigen Rechtssystems gibt es bereits Ausnahmeregelungen wie zum Beispiel die für Elfen gültigen Gesetze oder aber die Lex Zwergica. Allein im Bereich der Magie wird in der Rechtsprechung das "anders sein" nicht nur einfach nicht berücksichtigt, sondern sogar unter Strafe gestellt.

Immerhin - scheint mir - verinnerlicht Ihr wenigstens meine Ratschläge. Noch vor einiger Zeit sah ich den Anlaß gegeben, Euch zu raten, Eure Studierstube einmal zu verlassen ohne gleich in die nächste Kaschemme zu gehen und Euch in der Welt umzusehen; schon greift Ihr meinen Vorschlag auf und ratet mir das Gleiche zu tun. Ausgerechnet der Collegus sagt dies zu mir, der noch vor einigen Briefen nicht einmal mit "Hexen" reden wollte. Werter Collegus: Nehmt doch bitte zur Kenntnis, daß ich nicht nur bereits mit Hexen gesprochen habe, sondern auch zu Gast auf einem ihrer Feste war. Ich denke doch, daß ich da um einiges mehr an praktischer Erfahrung aufbringen kann als Ihr! Und wenn ich Euch dann in einem öffentlichem Brief zu verstehen gebe, daß die Macht die ein Zirkel entfalten kann, wohl ähnlich steigt wie uns dies vom Unitatio her bekannt ist, so könnt Ihr mir getrost glauben, daß ich es nicht nötig habe mein Wissen rein aus "schlauen Büchern" zu gewinnen, geschweige denn mir einen Band "Was glaubt das Volk" auf einem stillem Orte durchzulesen um dann solche Dinge zu verbreiten. Auch mit Eurer flapsig hingeworfenen Aussage über Hexenkessel wäre ich an Eurer Stelle vorsichtig. Diese Kessel sind in der Tat mächtige Artefakte - allerdings gehören sie nicht einer einzelnen Hexe; sie werden vielmehr vom gesamten Zirkel erschaffen und auch genützt. Eine wichtige Bedeutung scheint diesen Behältern vor allem auf den halbjährlichen Treffen zuzukommen. Hier dienen sie wohl als notwendiger Ritualgegenstand, wenn es darum geht die Flugfähigkeit der einzelnen Töchter Satuarias sicherzustellen.

Ich verbleibe mit der Hoffnung, daß sich Eure geplante Beitragsreihe als sachlicher und distanzierter erweist und die Substitutio des Wortes ‘geplante’ durch das Wort ‘angedrohte’ nicht nötig ist.

Mit kollegialen Grüßen,

Thundar Hurlemanoff
Absolvent der Academia Arcomagica
Scholaque Arcania Puniensis
- zur Zeit auf Reisen -
Post bitte an: elementarist@geocities.com

von: Florian Kreuzinger
Erschienen in Opus no. 17 am 9.5.1999 als Reaktion oder Fortsetzung zu De Mysteriis Filiarum et Filiorum Satuariae I - Mein lieber Thundar Hurlemanoff....
Zu diesem Artikel erschien folgende Reaktion oder Fortsetzung: Versuch einer gütlichen Einigung.

Suche in 575 Opus-Artikeln

ein oder mehrere Begriffe
alle Artikel anzeigen

Der Schwarze Limbus Nachricht an die Autoren (c) 1998-2006 Spielerverein der Freunde des Gepflegten Rollenspiels